Während die Regierung eine Untersuchung der Kraftstoffpreise verlangt, erklärt die Regulierungsbehörde, dass Autofahrer in Portugal für Benzin und Diesel weniger zahlen als den Effizienzpreis.
Da der Ölpreis an den internationalen Märkten erneut stark anzieht und die Regierung vermutet, dass Mineralölgesellschaften ihre Preise schneller erhöhen als senken, veröffentlicht die ERSE am Montag einen überraschenden Bericht. Im Durchschnitt zahlen Verbraucher in Portugal für Benzin und Diesel weniger, als sie eigentlich müssten. Der Effizienzpreis – der von der Regulierungsbehörde berechnete Referenzwert, der die tatsächlichen Marktkosten abbilden soll – entspricht also nicht dem Betrag, den Autofahrer tatsächlich entrichten, sondern dem Preis nach Abzug von Rabatten.
Der Bericht der Regulierungsbehörde für Energiedienstleistungen (ERSE) für den Zeitraum vom 20. bis 26. Juli kommt zu dem Ergebnis, dass die von Verbrauchern tatsächlich gezahlten Preise einschließlich Rabatten bei Super 95 um 2,4 Cent je Liter und bei Diesel um 4,4 Cent je Liter unter dem Effizienzpreis lagen. Das entspricht Abweichungen von 1,2 % beziehungsweise 2,3 %.
Rabatte haben erhebliches Gewicht
Die an den Preistafeln ausgewiesenen Preise liegen weiterhin über dem Effizienzpreis: bei Benzin um rund 1,6 Cent und bei Diesel um 1,4 Cent. Erst durch Rabattkarten, Sonderaktionen, Treueprogramme und weitere kommerzielle Preisnachlässe sinkt der von Verbrauchern durchschnittlich tatsächlich gezahlte Betrag unter den Referenzwert der Regulierungsbehörde.
Der Bericht erläutert, dass „obwohl die an den Preistafeln angegebenen Durchschnittspreise über dem Effizienzpreis liegen“, die Preise nach Rabatten „eine realitätsnähere Annäherung an den tatsächlich gezahlten Betrag darstellen“. Denn „Markengesellschaften, die in der Regel höhere Preise an den Preistafeln ausweisen“, „bieten zugleich umfangreichere Rabattprogramme an“.
Nach Einschätzung der Regulierungsbehörde bedeutet dies, dass „aus diesem Grund ein nationaler Durchschnitt weder zwingend den an jeder Tankstelle verlangten Preis noch den von jedem Verbraucher gezahlten Betrag widerspiegelt“.
ERSE untersucht die Bildung der Kraftstoffpreise
Der Verdacht hinsichtlich der Preisbildung veranlasste die Umwelt- und Energieministerin Maria da Graça Carvalho, die ERSE mit einer detaillierten Untersuchung der Preisbildung zu beauftragen. Dabei schloss sie selbst die Möglichkeit einer außergewöhnlichen Festsetzung von Höchstmargen nicht aus.
Der Bericht zeigt jedoch auch, weshalb allein der Blick auf die Notierung eines Barrels der Sorte Brent zu falschen Schlussfolgerungen führen kann. Für die Einschätzung der Kosten einer Tankfüllung ist laut ERSE nicht der Rohölpreis maßgeblich, sondern die internationalen Notierungen von bereits raffiniertem Benzin und Diesel.
Weitere Kosten im Effizienzpreis
In die Berechnung des sogenannten Effizienzpreises fließen außerdem Kosten für Seefracht, Logistik, strategische Reserven, die verpflichtende Beimischung von Biokraftstoffen, die als effizient geltende Marge für Vertrieb und Einzelhandel sowie die gesamte Steuerbelastung ein (siehe Info).
Für diese Woche ermittelte die ERSE einen Effizienzpreis von 1,986 Euro je Liter für einfaches Super 95 und 2,009 Euro je Liter für einfachen Diesel. Diese Werte spiegeln bereits einen deutlichen Anstieg gegenüber der Vorwoche wider: plus 2,5 % bei Benzin und 6 % bei Diesel.
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