Zum Inhalt springen

Dänemark setzt Rechenzentren bei der Strompriorisierung ans Ende

Mann steuert Windkraftanlagen über Computerbildschirm mit dänischer Flagge auf Schreibtisch, Landschaft im Hintergrund.

Angesichts einer viel zu hohen Stromnachfrage will Dänemark den Bedarf priorisieren. Rechenzentren werden dabei ans Ende der Rangfolge gesetzt.

Rechenzentren ohne Strom! Da der Energiebedarf das Angebot bei Weitem übersteigt, plant Dänemark gesetzliche Vorgaben. Für sämtliche neuen Anlagen soll das Land eine Prioritätenordnung für Infrastrukturen einführen. Rechenzentren sollen den letzten Platz auf dieser Liste einnehmen.

Stromnetz in Dänemark unter massivem Druck

Der Energiebedarf im Land übertrifft die verfügbaren Kapazitäten deutlich, denn das Netz kann lediglich 7 Gigawatt tragen. Der nationale Netzbetreiber Energinet hatte vor drei Monaten darum gebeten, sämtliche neuen Projekte vorerst nicht mehr anzuschließen, da die Warteschlange immer länger wurde. Die Gesamtleistung dieser Vorhaben würde mehr als 60 Gigawatt erreichen, davon allein 14 Gigawatt für KI-Rechenzentren. Parallel dazu fanden im Land Neuwahlen statt. Nachdem nun eine neue Mitte-links-Regierung gebildet wurde, will die neue Klimaministerin Samira Nawa das Thema entschlossen angehen. Auf einer Pressekonferenz kündigte sie an, im kommenden September einen Gesetzentwurf zur Priorisierung des Energiebedarfs vorzulegen:

„Unser Stromnetz steckt in einer Krise. In vielen Regionen des Landes wird der Platz knapp, und es ist ein enormes Problem, wenn Unternehmen sich nicht anpassen können. (…) Haushalte, das Gesundheitswesen, die Verteidigung, der Verkehr, die Fernwärme, Unternehmen und erneuerbare Energien dürfen nicht zurückgedrängt werden, während sehr große und wenig flexible Projekte begrenzte Kapazitäten beanspruchen.“

Dänemark bremst den Ausbau von Rechenzentren

Sollte das Gesetz verabschiedet werden, soll es bereits bei neuen Vereinbarungen zum Stromanschluss im Herbst greifen. Rechenzentren hätten dann keine Priorität mehr; Einwohner und öffentliche Dienste würden bevorzugt. Eine nachvollziehbare Entscheidung. Langfristig sollen Verhandlungen geführt werden, um das dänische Stromnetz so anzupassen, dass es sämtliche Anfragen bedienen kann. Als Zieljahr ist 2035 vorgesehen.

Bisherige Politik zur Ansiedlung von Rechenzentren wird gestoppt

Mit dieser Entscheidung beendet das Land den bislang eingeschlagenen Kurs. Dänemark hatte sich zuvor intensiv darum bemüht, Investoren anzuziehen und den Bau von Rechenzentren zu fördern. Tech-Giganten wie Google und Microsoft, das mehr als 3 Milliarden Dollar investiert hat, kamen aus mehreren Gründen: wegen des kühlen Klimas, das die Erwärmung der Datenzentren begrenzt, der umfangreichen Produktion CO₂-armer Elektrizität, robuster Infrastrukturen – insbesondere des Internets – sowie einer Politik, die Großunternehmen bei der Ansiedlung entgegenkam.

Doch Dänemark muss die Realität anerkennen: Das Stromnetz kann mit dem Tempo nicht Schritt halten, insbesondere wegen der energieintensiven Rechenzentren. Das dürfte die Begeisterung der Investoren dämpfen. Gegenüber den Bedürfnissen der Bürger haben die Tech-Giganten wenig Gewicht – und das ist auch gut so.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen