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KI-Studie zu Klimazusagen von 158 Ländern zeigt bekannte Kluft

Mann analysiert Finanzdaten auf Tablet, Weltkarte an Wand, Globus und Dokumente auf Büro-Tisch.

Eine neue Studie hat künstliche Intelligenz eingesetzt, um die Klimazusagen von 158 Ländern auszuwerten. Das Ergebnis zeigt eine Welt, die entlang bekannter Trennlinien gespalten ist.

Wohlhabende Staaten richten ihre Klimapläne auf Gesundheit, Technologie und Emissionsminderungen aus. Ärmere Länder konzentrieren sich dagegen auf das Überleben: Zugang zu Wasser, Nahrung, Energie und grundlegenden natürlichen Ressourcen.

Die Differenz zwischen diesen Prioritäten erzählt eine Geschichte, die in formellen Klimaverhandlungen nur selten deutlich sichtbar wird.

Durchgeführt wurde die Untersuchung von einem internationalen Team, zu dem Forschende der Universität Alicante und der Polytechnischen Universität Valencia gehörten.

Das Team nutzte generative KI-Modelle, um die national festgelegten Beiträge (NDCs) zu analysieren – jene Klimaschutzpläne, die Staaten im Rahmen des Pariser Abkommens regelmässig bei den Vereinten Nationen einreichen.

Die künstliche Intelligenz sollte Verbindungen zwischen nationalen Klimamassnahmen und den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) erkennen.

Was die Länder tatsächlich formulieren

NDCs sind offizielle Dokumente und in der zurückhaltenden Sprache der internationalen Diplomatie verfasst.

Alle 158 Dokumente gründlich genug zu lesen, um ihre Prioritäten mit einem Rahmen globaler Entwicklungsziele abzugleichen, wäre manuell ein erheblicher Aufwand.

Hier kam die KI zum Einsatz – nicht als Ersatz für die Analyse, sondern um sie in einem Umfang zu ermöglichen, der sonst nicht machbar wäre. Die Modelle erkannten dabei ein durchgängiges Muster.

Unterschiedliche Bedürfnisse und Sorgen

Länder mit hohem Einkommen strukturieren ihre Klimazusagen meist um langfristige Umstellungen: technologische Innovation, Emissionssenkungen und die Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme.

Diese Anliegen sind berechtigt, doch sie spiegeln die Perspektive von Staaten mit funktionierender Infrastruktur, stabiler Lebensmittelversorgung und der Möglichkeit wider, Jahrzehnte vorauszuplanen.

Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zeichnen ein anderes Bild. Ihre Klimapläne sind in unmittelbaren Erfordernissen verankert: Wasser, Nahrung, Energiezugang und der Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Dabei handelt es sich nicht um langfristige Zielvorstellungen, sondern um Voraussetzungen für das elementare Überleben – und der Klimawandel bedroht sie bereits heute.

Javier García Martínez ist Professor an der Universität Alicante und einer der Autoren der Studie.

„Die Analyse all dieser Informationen ermöglicht es uns, die Prioritäten der Länder, die von ihnen als besonders wichtig angesehenen Risiken sowie mögliche Widersprüche oder blinde Flecken zu verstehen, bevor neue Entscheidungen getroffen werden“, sagte Martínez.

Ziele für nachhaltige Entwicklung in Klimazusagen

Mehr als die Hälfte der untersuchten Länder erwähnt die SDGs in ihren Klimazusagen überhaupt nicht ausdrücklich.

Das gilt, obwohl die SDGs und das Pariser Abkommen einander ergänzende Rahmenwerke sein sollen, die auf dieselbe übergeordnete Vision eines lebenswerten Planeten hinarbeiten.

Noch aufschlussreicher ist, dass Bildung und Geschlechtergleichstellung unabhängig vom Einkommensniveau insgesamt nur schwach vertreten sind.

Jahrzehntelange Entwicklungsforschung hat gezeigt, dass die Bildung von Frauen und die Verringerung geschlechtsspezifischer Ungleichheit zu den wirksamsten Hebeln gehören, um Armut zu reduzieren, Gesundheitsresultate zu verbessern und die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften zu stärken.

Dass diese Themen in der Klimaplanung nahezu fehlen – sowohl in reichen als auch in armen Ländern –, ist eine strukturelle Lücke, die angesichts der Zahlen kaum zu übersehen ist.

„Diese Ergebnisse machen kritische Fehlanpassungen zwischen der Klimaagenda und den von den Vereinten Nationen vorangetriebenen Zielen für nachhaltige Entwicklung deutlich“, sagte Sergio Hoyas, Professor an der Polytechnischen Universität Valencia.

KI als Instrument für die Klimapolitik

Neben den inhaltlichen Ergebnissen vertritt die Studie ein weiteres Argument: Generative KI kann als echtes Diagnoseinstrument dienen, um Klimapolitik zu bewerten, bevor sie umgesetzt wird.

Nach Ansicht der Autoren könnte die hier angewandte Art der Analyse – implizite Prioritäten abzubilden, blinde Flecken sichtbar zu machen und Widersprüche zu identifizieren – Regierungen, internationale Organisationen und Geldgeber dabei unterstützen, fundiertere Entscheidungen über die Verteilung von Ressourcen zu treffen.

Der Zeitpunkt ist bedeutsam. Staaten weltweit bereiten derzeit ihre nächste Runde von Klimazusagen vor, die für 2035 vorgesehen sind.

Diese Verpflichtungen werden die Klimapolitik für ein Jahrzehnt prägen. Sie vor ihrer endgültigen Festlegung einer solchen Analyse zu unterziehen, ist etwas grundlegend anderes, als sie erst im Nachhinein zu prüfen.

„Zu einer Zeit, in der die internationale Gemeinschaft darüber debattiert, wie Klimaschutz beschleunigt und die Energiewende finanziert werden kann, bietet diese Studie eine beispiellose Karte der Sorgen, Bestrebungen und Widersprüche in nationalen Klimaplänen auf der ganzen Welt“, sagte Alberto Conejero, Professor an der Polytechnischen Universität Valencia.

Eine vertraute Trennlinie

Die tiefere Erkenntnis ist nicht gerade überraschend. Die Kluft zwischen den Prioritäten wohlhabender und ärmerer Länder in Klimaverhandlungen sorgt seit Jahrzehnten für Spannungen.

Diese Studie macht diese Spaltung jedoch auf neue Weise lesbar – nicht anhand politischer Argumente oder einzelner Beispiele, sondern durch eine systematische Auswertung dessen, was Länder tatsächlich niederschreiben, wenn sie ihre Klimaprioritäten beschreiben sollen.

Die Sprache der Klimazusagen spiegelt letztlich dieselben Ungleichheiten wider, die auch alle anderen Bereiche prägen.

Reiche Länder planen für die Zukunft. Arme Länder bewältigen die Gegenwart.

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