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Erneuerbare Energien: Wofür brauchen wir sie?

Frau mit Tablet vor Solarpanels und Windrädern in einer grünen Landschaft bei Sonnenlicht.

Die naheliegendste Antwort lautet: Wir brauchen erneuerbare Energien, um fossile Brennstoffe zu ersetzen und heimische Energiequellen zu nutzen, wodurch sich unsere Importabhängigkeit verringert. Durch den anhaltenden Krieg im Nahen Osten und die Schließung der Straße von Hormus ist diese Notwendigkeit noch deutlicher geworden.

Diese zutreffende Antwort greift jedoch zu kurz. Tatsächlich wollen wir erneuerbare Energien, um den Übergang zu Nachhaltigkeit zu schaffen. Dabei muss klar sein: Erneuerbar bedeutet nicht automatisch nachhaltig.

Erneuerbare Energien im Rahmen der Nachhaltigkeit

Ein Projekt für erneuerbare Energien, das andere Säulen der Nachhaltigkeit zerstört oder beeinträchtigt, verfehlt einen wesentlichen Teil seines Ziels. Energieerzeugung darf nicht ausschließlich nach ihrem energetischen Nutzen beurteilt werden, während Auswirkungen auf Flächen, Gemeinschaften, Ökosysteme, Biodiversität oder die Leistungen der Natur ausgeblendet bleiben.

Ein Staudamm kann zwar sauberen Strom erzeugen, zugleich aber Lebensräume überfluten, Flüsse zerschneiden und den Sedimenttransport verändern. Auch ein Biomasseprojekt kann kontraproduktiv werden, wenn es auf einer nicht nachhaltigen Nutzung von Biomasse beruht. Deshalb braucht jedes Projekt für erneuerbare Energien eine integrierte Bewertung seines Nutzens und seiner gesamten Auswirkungen.

Solarenergie zwischen Nutzung und Naturschutz

Solarenergie erscheint zunächst als die nachhaltigste Lösung, weil sie die Energie nutzt, die uns die Sonne täglich direkt liefert. Doch auch hier gibt es keine automatisch richtigen Lösungen. Photovoltaikmodule auf Dächern oder bereits vorhandenen Infrastrukturen sind im Allgemeinen konfliktarm. Werden sie auf geschädigten Flächen oder in Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung errichtet, können sie sogar zur ökologischen Wiederherstellung beitragen und neben bestimmten landwirtschaftlichen Nutzungen bestehen. Führen sie jedoch zur großflächigen Fällung von Bäumen oder zur Verdrängung wertvoller natürlicher oder naturnaher Ökosysteme, verlieren sie ihre Berechtigung.

Menschen neigen dazu, den eigenen Sektor oder die eigenen Interessen über andere zu stellen. Im Energiesektor zeigt sich das bisweilen in der Annahme, jedes Projekt für erneuerbare Energien müsse unabhängig von Standort und Umständen umgesetzt werden, weil ihm stets ein überwiegendes öffentliches Interesse zukomme. Das ist nicht der Fall. Ob ein solches Interesse besteht, muss für jeden Einzelfall anhand einer umfassenden Betrachtung des Raums geprüft werden.

Beschleunigungsgebiete für erneuerbare Energien

Die Ausweisung von Beschleunigungsgebieten für erneuerbare Energien kann und sollte Teil der Lösung sein. Wirksam ist sie allerdings nur, wenn sie auf belastbaren Kriterien beruht, die sicherstellen, dass Beschleunigung nicht Verschlechterung bedeutet, sondern im Idealfall zur Regeneration von Flächen beiträgt. Die beste Beschleunigung lenkt Projekte dorthin, wo die geringsten Konflikte mit Natur, Menschen und bereits bestehenden Nutzungen auftreten.

Letztlich bleibt die Frage bestehen: Wofür wollen wir erneuerbare Energien? Geht es nur darum, mehr davon zu erzeugen, werden wir scheitern. Soll dagegen eine wirklich nachhaltige Zukunft entstehen, müssen Vorhaben einzeln und anhand umfassender Nachhaltigkeitskriterien bewertet werden.

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