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Elektroauto laden: Warum öffentliches Laden so kompliziert ist

Weißes Elektroauto in modern gestaltetem Raum mit zwei Ladesäulen an den Seiten.

Verbrenner tanken und Elektroauto laden im Vergleich

Wer geboren wurde und das Autofahren gelernt hat, bevor sich Elektroautos verbreiteten, kennt das Tanken eines Fahrzeugs mit „Energie“ als vergleichsweise unkomplizierten Vorgang.

Sieht man einmal von den Kosten ab, habe ich den Ablauf des Tankens schon in jungen Jahren vom Rücksitz aus kennengelernt. Damals musste ich mich noch strecken, um durch das Fenster zu sehen, was mein Vater mit diesen Schläuchen eigentlich machte.

Als ich viele Jahre später selbst zum ersten Mal tankte, fiel es mir überhaupt nicht schwer. Abgesehen von den Preisen hat sich bis heute fast nichts verändert: Man hält neben der Zapfsäule an, wählt die passende Pistole für Benzin oder Diesel, tankt, bezahlt und fährt weiter. Einfach, oder?

Bei Elektroautos ist es nicht ganz so unkompliziert. Deshalb möchte ich euch zu einem Gedankenexperiment einladen: Stellt euch vor, ihr würdet ein Auto mit Verbrennungsmotor nach denselben Abläufen und Regeln betanken, die beim Laden eines Elektroautos an einer öffentlichen Ladesäule gelten.

Noch bevor wir die Tankstelle erreichen, müssten wir bereits einen Vertrag mit einem Mineralölunternehmen abgeschlossen haben, um über eine Karte Zugang zum Tankdienst zu erhalten.

Anschließend wäre im Infotainmentsystem des Fahrzeugs oder in einer Smartphone-App zu prüfen, ob an der Tankstelle „unseres“ Unternehmens überhaupt freie Zapfsäulen vorhanden sind. Falls nicht, müsste man in Echtzeit nachsehen, welche gerade genutzt werden, und kurz überschlagen, neben welcher Säule man am besten wartet, weil sie vermutlich zuerst frei wird.

Prozess des „Tankens“

An der Tankstelle angekommen und vor der freien Zapfsäule, müssten wir uns zunächst mit der Karte identifizieren. Wird sie akzeptiert – hoffentlich ist die Säule online –, könnten wir das Fahrzeug endlich betanken.

Zuvor müsste jedoch unter den zwei oder drei vorhandenen Schläuchen derjenige ausgewählt werden, der zum Auto passt. Andernfalls müsste der Schlauch verwendet werden, den das Fahrzeug selbst mitführt – ja, man müsste einen Schlauch im Auto transportieren.

Sobald alles „verbunden“ ist, würde das System der Zapfsäule aus Sicherheitsgründen mit dem System des Autos kommunizieren, um den optimalen Kraftstoffdurchfluss zu bestimmen. Erst wenn alles bestätigt und freigegeben ist, beginnt der Tankvorgang.

Im Kombiinstrument oder per App würde angezeigt, wie lange das Tanken dauert – abhängig von der Tankgröße des Autos oder der Fördermenge der Zapfsäule. Sicher ist nur: Es würde mehr Zeit beanspruchen.

Sobald der Tank 100 % erreicht hat, müsste man erneut zur Zapfsäule gehen, um den Vorgang mithilfe der Karte zu beenden.

Dieser Schritt wäre nötig, um das System zu entriegeln und die Zapfpistole aus dem Einfüllstutzen nehmen zu können, bevor sie wieder an ihren Platz kommt. Oder man müsste die Pistole abnehmen, den eigenen Schlauch erneut aufrollen und wieder im Auto verstauen.

Dann fehlt nur noch das Bezahlen, doch das würde entsprechend dem gewählten Vertrag automatisch erfolgen.

Zu kompliziert?

Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber für mich klingt das verwirrend. Natürlich habe ich versucht, den Ablauf möglichst detailliert darzustellen, doch von der Realität ist dieses Szenario nicht weit entfernt. Eines der besten Beispiele erlebe ich immer dann, wenn ich für Razão Automóvel ein Elektroauto teste.

Zum einen besitze ich keine Zugangskarte für öffentliche Ladesäulen, zum anderen gehören mir die Testwagen nicht. Einige Hersteller stellen zwar Karten bereit, falls das Auto geladen werden muss. Manchmal lassen sie sich jedoch nicht nutzen, weil die Ladesäulen in meiner Umgebung nicht online sind.

AFIR soll das öffentliche Laden vereinfachen

Umso erfreulicher war für mich die Nachricht, dass dies dank der neuen AFIR-Verordnung endlich bereits im nächsten Jahr ein Ende haben soll (lest dazu den oben verlinkten Artikel). Ab April 2024 müssen alle neuen Ladestationen eine Möglichkeit zur direkten Bezahlung bieten. Anfang 2027 soll dieses System durch Umrüstung oder Aktualisierung sogar an allen entlang des TEN-V, des transeuropäischen Verkehrsnetzes, installierten Stationen verpflichtend sein.

Wenn bei einer Fahrt mit einem Elektroauto die „Reserveleuchte“ aufleuchtet, kann man dann irgendeine Ladesäule ansteuern, das Auto laden, bezahlen und die Reise fortsetzen.

Zwar wird das kaum so schnell gehen wie das Tanken eines Verbrenners, doch viele dieser „Komplikationen“ werden damit verschwinden.

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