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China startet ballistische Rakete von Atom-U-Boot in den Pazifik

Raketentest von einem auf der Wasseroberfläche schwimmenden U-Boot umgeben von ruhigem Meer und Inseln.

Chinas Atom-U-Boot-Raketenstart im Pazifik

Nach mehreren Jahren kontinuierlicher Modernisierung seiner strategischen Streitkräfte hat China seine nukleare Abschreckungsfähigkeit weiter ausgebaut und von einem Atom-U-Boot aus eine ballistische Rakete in Richtung Gewässer des Pazifischen Ozeans gestartet. Der Test wurde von der Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee durchgeführt, gehörte zum jährlichen Ausbildungsprogramm der Teilstreitkraft und markiert einen weiteren Entwicklungsschritt der seegestützten Komponente der nuklearen Triade des Landes.

Nach Angaben der Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee erfolgte der Abschuss am 6. Juli um 12:01 Uhr Ortszeit. Ein strategisches Atom-U-Boot feuerte dabei eine Rakete mit einem inerten Gefechtskopf auf ein zuvor festgelegtes Zielgebiet in internationalen Gewässern des Pazifiks ab. Demnach traf das Flugkörperziel präzise in dem vorgesehenen Bereich auf. Staaten, die von der Flugbahn möglicherweise betroffen sein könnten, seien vorab informiert worden. Die Marine erklärte zudem, die Übung sei im Einklang mit dem Völkerrecht und der internationalen Praxis erfolgt und habe sich weder gegen einen bestimmten Staat noch gegen ein konkretes Ziel gerichtet.

Mögliche Plattform und Rakete des Tests

Die chinesischen Behörden nannten weder das beteiligte U-Boot noch den verwendeten Raketentyp. Einschätzungen verschiedener chinesischer Fachleute halten jedoch den Einsatz eines strategischen U-Boots des Typs 094 der Jin-Klasse, einer modernisierten Ausführung oder sogar eines bislang nicht offiziell bestätigten Modells der nächsten Generation für wahrscheinlich. Offizielle chinesische Stellen bestätigen derzeit die Existenz der strategischen U-Boote vom Typ 092 und Typ 094 einschließlich der verbesserten Variante Typ 094A. Zugleich könnten bereits neuere Versionen im Dienst stehen, die die Jin-Klasse schrittweise ablösen sollen. Sämtliche dieser Plattformen sind für den Einsatz von von U-Booten gestarteten ballistischen Raketen als Teil der maritimen nuklearen Abschreckungsstreitkraft Chinas ausgelegt.

Bei der eingesetzten Bewaffnung gehen mehrere von chinesischen Experten veröffentlichte Bewertungen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Test die JL-3 (Julang-3) betraf, die während der Militärparade im September 2025 öffentlich vorgestellt wurde. Sollte sich dies bestätigen, handelte es sich um eine von einem U-Boot gestartete ballistische Interkontinentalrakete (SLBM; englisch: Submarine-Launched Ballistic Missile) mit einer geschätzten Reichweite von mehr als 10.000 Kilometern. Sie ist dazu bestimmt, zum wichtigsten Waffensystem der Marinekomponente der chinesischen nuklearen Abschreckung zu werden. Die Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee verzichtete allerdings darauf, die beim Test verwendete Rakete offiziell zu benennen.

Bedeutung für Chinas nukleare Triade

Mehrere Quellen zufolge diente der Start dazu, die vollständige operative Kette eines strategischen Angriffs von See aus zu überprüfen. Dazu gehörten die Unterwassernavigation des U-Boots, der Raketenabschuss im getauchten Zustand sowie die Steuerung des Flugkörpers auf seiner Flugbahn. Nach dieser Einschätzung stärkt die Fähigkeit zur Durchführung solcher Einsätze die Glaubwürdigkeit der maritimen Säule von Chinas nuklearer Triade. Sie gewährleistet eine Vergeltungsfähigkeit, selbst wenn land- oder luftgestützte Nuklearmittel während eines Konflikts ausgeschaltet würden.

Zugleich war es innerhalb von weniger als zwei Jahren der zweite bekannte Test einer chinesischen strategischen ballistischen Rakete über dem Pazifik. Im September 2024 hatte die Raketenstreitkraft der chinesischen Volksbefreiungsarmee im Rahmen ihres jährlichen Übungsprogramms eine Interkontinentalrakete mit einem Übungsgefechtskopf in Gewässer des Pazifiks abgefeuert. Wie beim jüngsten Test erklärten die chinesischen Behörden damals, die betroffenen Länder seien im Voraus unterrichtet worden und die Aktivität habe ausschließlich Ausbildungszwecken gedient.

Reaktionen aus der Region

Ungeachtet dieser Erklärungen löste der Raketenstart in mehreren Staaten der Region Reaktionen aus. Japan bekräftigte seine Besorgnis über die zunehmende militärische Aktivität Chinas und sprach sich gegen derartige Tests aus. Australien und Neuseeland bezeichneten die Erprobung als einen Anlass zur Sorge für die regionale Stabilität, insbesondere weil sie in der Nähe der kernwaffenfreien Zone des Südpazifiks stattgefunden hatte. Das chinesische Außenministerium erklärte dagegen, es habe sich um eine routinemäßige militärische Aktivität gehandelt, die sicher, professionell und im Einklang mit dem Völkerrecht durchgeführt worden sei. Zugleich forderte es die internationale Gemeinschaft auf, die Bedeutung des Starts nicht überzubewerten.

Bildnachweis: Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee.

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