Die strategische Erdölreserve der USA stößt an ihre Grenzen und könnte Washingtons Handlungsspielraum gegenüber den Märkten erheblich einschränken. Wegen einer beispiellosen Infrastrukturkrise funktionieren ihre riesigen Kavernen nicht mehr nach den üblichen Regeln eines Notfalls.
Die amerikanischen Bestände haben einen kritischen Bereich erreicht. Tief unter Texas und Louisiana enthält die Strategische Erdölreserve (SPR) in ihren natürlichen Speichern nur noch rund 293 Millionen Barrel.
Strategische Erdölreserve nahe der gesetzlichen Untergrenze
Das in den 1970er-Jahren nach dem ersten Ölschock aufgebaute unterirdische Netz riesiger Hohlräume soll bei schweren Krisen als energiepolitischer Schutzschild dienen. In den vergangenen Jahren wurden die Vorräte jedoch immer wieder angezapft, um die Preise an den Zapfsäulen angesichts geopolitischer Spannungen und der Inflation zu dämpfen. Die Lage ist dringend.
In den USA schreibt das Gesetz nämlich eine feste Mindestmenge von 252,4 Millionen Barrel vor. Sinkt der Bestand unter diesen Wert, kann der Präsident keine regulären Entnahmen mehr zur Marktsteuerung anordnen. Die Reserve erhält dann automatisch den Status einer ausschließlich als letztes Mittel nutzbaren Notfallreserve, deren Einsatz strengen rechtlichen Beschränkungen unterliegt. Damit werden die ohnehin knappen Handlungsmöglichkeiten bedenklich kleiner – ein Umstand, der Behörden ebenso wie Ingenieuren Sorgen bereitet.
Eine alternde Infrastruktur
Nicht nur der Füllstand bereitet Probleme: Auch die Anlagen selbst drohen zu versagen. Die in den 1970er- und 1980er-Jahren errichteten Einrichtungen waren für eine Lebensdauer von 25 Jahren ausgelegt und sollten lediglich fünf Befüllungs- und Entleerungszyklen überstehen. Innerhalb von vier Jahrzehnten waren sie jedoch Dutzenden solcher Zyklen ausgesetzt.
Kavernen, Salzlauge und zunehmende Schäden
Die gewaltigen Kavernen liegen in rund 1.000 Metern Tiefe und müssen durchgehend mit Flüssigkeit gefüllt sein, damit sie unter dem Druck des umgebenden Gesteins nicht einstürzen. Dahinter steht ein ausgeklügeltes Prinzip: Das Erdöl schwimmt auf einer Schicht stark salzhaltigen Wassers, der Salzlake. Um Rohöl zu fördern, pressen Ingenieure die Salzlake von unten in die Kaverne und verdrängen das Öl dadurch nach oben.
Die jüngsten großvolumigen Entnahmen haben allerdings die oberirdischen Salzlaugemengen aufgebraucht. Techniker müssen deshalb Süßwasser unmittelbar in die Kavernen einleiten – mit sofortigen geologischen Folgen. Das Süßwasser löst das Salz an den Wänden auf und schwächt damit die tragenden Bereiche der Kaverne. Außerdem verursacht die Einleitung des kühlen Wassers in ein auf mehr als 50 Grad Celsius erhitztes Umfeld einen Temperaturschock. Das Salz bekommt Risse; mehrere Tonnen schwere Gesteinsblöcke können sich von der Decke lösen und beim Herabfallen die Metallrohre durchtrennen.
Bei dem derzeit sehr niedrigen Ölstand besteht zudem die Gefahr, dass die Pumpen den am Boden liegenden Schlamm ansaugen und dadurch die Anlagen an der Oberfläche beschädigen. Den Behörden bleibt somit keine andere Möglichkeit, als die Fördermengen zu begrenzen. Die amerikanische Reserve war ursprünglich darauf ausgelegt, in einer Krise 4,4 Millionen Barrel täglich abzugeben, muss ihre Rate heute jedoch auf weniger als 1 Million reduzieren.
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