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Kleine Staudämme erhöhen das Krankheitsrisiko für Forellen bei Hitze

Hand misst Wassertemperatur in klarem Gebirgsbach mit Forelle und Wasserfall im Hintergrund.

Kleine Staudämme erhalten nur selten große Aufmerksamkeit. Sie ragen weder über Täler hinaus noch beherrschen sie die Schlagzeilen, und viele wirken in ansonsten intakten Flüssen wie unbedeutende Bauwerke. Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass diese bescheidenen Hindernisse das Gleichgewicht für Fische unbemerkt verschieben können, wenn die Sommer heißer werden.

Indem kleine Stauseen das Wasser unterhalb der Anlage ausgerechnet während der belastendsten Jahreszeit erwärmen, können sie Bedingungen schaffen, unter denen Forellen kaum noch überleben und anfälliger für Krankheiten werden.

Ein von Anti Vasemägi, Fischereigenetiker an der Estnischen Universität für Lebenswissenschaften (EMÜ), geleitetes Team verglich Bachforellen ober- und unterhalb kleiner Staudämme in Flüssen Estlands und Schwedens.

Dabei zeigte sich ein wiederkehrendes Muster: Im Sommer abgegebenes warmes Oberflächenwasser erhöhte die Temperaturen flussabwärts um mehrere Grad – genau dann, wenn Forellen sich ihren physiologischen Belastungsgrenzen nähern.

Diese wärmeren Flussabschnitte belasten die Fische nicht nur. Sie schaffen auch günstige Voraussetzungen für Parasiten und die Ausbreitung von Krankheiten und machen deutlich, wie stark selbst kleine Staudämme in einem sich erwärmenden Klima wirken können.

Forellenparasiten gedeihen unterhalb von Staudämmen

Unterhalb dieser Stauseen trugen junge Bachforellen, Salmo trutta, ein beliebter Angelfisch, mehr Parasiten als Fische oberhalb der Dämme.

Das Team führte diesen Anstieg auf Tetracapsuloides bryosalmonae zurück, einen mikroskopisch kleinen Parasiten, der Forellen und ihre Lachsverwandten befällt.

In den wärmeren Abschnitten waren sowohl die Häufigkeit der Infektionen als auch die Parasitenlast höher; zudem trat die proliferative Nierenkrankheit (PKD), eine durch Parasiten verursachte Erkrankung der Fischnieren, schwerer auf.

Dieses Muster ist bedeutsam, weil PKD wild lebende und gezüchtete Salmoniden – darunter kälteliebende Forellen und Lachse – bereits in Europa und Nordamerika betrifft.

Krankheit führt zu Forellensterben

2016 trug PKD zu einem großflächigen Fischsterben im Yellowstone River im US-Bundesstaat Montana bei und zeigte, wie schnell sich Ausbrüche zuspitzen können.

Die Forschenden schätzten die Zahl verendeter Fische auf mehrere Zehntausend, während die Behörden den Fluss zum Schutz der Bestände für Wochen sperrten.

Derselbe Bericht bezifferte den wirtschaftlichen Schaden des Ausbruchs auf nahezu 500.000 US-Dollar und verdeutlichte damit, dass Krankheiten Tourismus und öffentliche Haushalte schädigen können.

Solche Ereignisse lassen die Ergebnisse zu den Staudämmen weniger theoretisch erscheinen, denn krankheitsgefährdete Warmwasserzonen können die Lebensgrundlagen vor Ort bedrohen.

Warmes Wasser begünstigt Krankheiten

Steigende Temperaturen zwingen Forellen zu stärkerer Atmung, weil ihr Körper bei Wärme Sauerstoff schneller verbraucht.

Gleichzeitig enthält wärmeres Wasser weniger gelösten Sauerstoff. Schon eine Erwärmung um wenige Grad kann den Spielraum zum Überleben deshalb deutlich verringern.

Noch bevor sich Parasiten vermehren, geraten die Fische unter Druck, da Herz und Kiemen härter arbeiten müssen, um den grundlegenden Sauerstoffbedarf zu decken.

Hitze verschafft dem Parasiten anschließend einen zusätzlichen Vorteil. Höhere Temperaturen beschleunigen seinen Lebenszyklus, sodass sich Infektionen nach einer Exposition rasch aufbauen können.

Bevor der Parasit Forellen erreicht, durchläuft er seinen Zyklus zudem in Süßwasser-Bryozoen – winzigen koloniebildenden Tieren, die an Pflanzen und Steinen haften.

„Wärmeres Wasser erhöht zudem die Parasitenvermehrung und beschleunigt das Fortschreiten der Krankheit, wodurch Salmoniden anämisch werden und dem Wasser weniger gut ausreichend Sauerstoff entziehen können“, sagte Vasemägi.

Bei Hitzewellen kann diese doppelte Belastung – weniger Sauerstoff und schnelleres Parasitenwachstum – eine beherrschbare Infektion besonders in kleinen Bächen in ein plötzliches Fischsterben verwandeln.

Nierenkrankheit schwächt Forellen

PKD schädigt Forellen, indem sie die Nieren anschwellen lässt, welche den Salzhaushalt regulieren und Abfallstoffe aus dem Blut entfernen.

Während das Immunsystem den Parasiten bekämpft, kann entzündetes Nierengewebe gesunde Zellen verdrängen und den gesamten Organismus des Fisches belasten.

Erkrankte Fische können Schwierigkeiten haben, ihre Muskulatur mit Sauerstoff zu versorgen. Gewöhnliches Schwimmen und Fressen erfordert in Wärmephasen dadurch mehr Kraft.

Diese zusätzliche Belastung erklärt mit, weshalb Jungfische häufig die schwersten Symptome zeigen und heiße Sommer zu plötzlichen Verlusten führen können.

Staudämme halten Forellenparasiten nicht auf

Die Forschenden fanden zudem kaum Hinweise darauf, dass Staudämme als wirksame Barrieren gegen die Ausbreitung des Parasiten im Flussnetz dienen.

Sporen können mit der Strömung flussabwärts treiben, und Fische können Infektionen bei ihren Wanderungen weitertragen; allein durch bauliche Sperren entsteht daher nur begrenzter Schutz.

Das ist wichtig, weil ein einzelner warmer Stausee das Risiko nicht nur direkt vor Ort, sondern auch in verbundenen Abschnitten weiter flussabwärts erhöhen kann.

Verantwortliche, die erwarten, ein Damm könne Krankheiten eindämmen, könnten verborgene Übertragungswege übersehen – vor allem in Flüssen mit zahlreichen kleinen Querbauwerken.

Warnzeichen unterhalb von Staudämmen

Flussabschnitte unterhalb von Stauseen können als Frühwarnorte dienen und frühzeitig auf Probleme im Ökosystem hinweisen.

Steigen dort die Wassertemperaturen oder häufen sich Krankheitsanzeichen, lassen sich Probleme erkennen, bevor sie sich weiter ausbreiten.

Die Überwachung kann unkompliziert erfolgen: Temperaturdatenlogger und regelmäßige Kontrollen der Fischgesundheit in den besonders gefährdeten Monaten reichen aus.

Eine Warnung hilft jedoch nur, wenn Behörden rasch handeln können, während viele kleine Staudämme an Flüssen liegen, die kaum beachtet werden.

Hitze verbindet Staudämme und Krankheiten

Staudämme können Energie liefern und Wasser speichern, doch bei Renaturierungsplänen werden diese Vorteile zunehmend gegen ihre verborgenen biologischen Kosten abgewogen.

Neue Erkenntnisse verknüpfen kleine Staudämme mit einer engen Wirkungskette: wärmeres Wasser, sich schneller ausbreitende Parasiten und Forellen, denen unter Hitzestress der Sauerstoff ausgeht.

Der Rückbau mancher Dämme und mehr Beschattung durch Ufervegetation können Flüsse im Sommer kühler halten. Das verringert die Belastung für Kaltwasserfische und könnte Krankheitsausbrüche verlangsamen.

Die Autoren vertreten die Auffassung, dass Umweltverträglichkeitsprüfungen temperaturbedingte Krankheiten ausdrücklich berücksichtigen sollten – und nicht nur Lebensraumverluste oder versperrte Fischwanderwege.

Diese umfassendere Bewertung könnte Entscheidungen in der Flussplanung bei knappen Budgets verändern: Sie bestimmt mit darüber, welche Dämme bleiben, umgebaut oder entfernt werden.

Künftige Rückbau- und Nachrüstungsprojekte bieten nun die Gelegenheit zu prüfen, ob eine Abkühlung von Flüssen während Hitzewellen die Verbindung zwischen wärmerem Wasser und wachsendem Krankheitsrisiko durchbrechen kann.

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