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Allego startet App mit 1 Million Ladepunkten ohne Provision

Junger Mann an Ladestation zeigt Smartphone mit 0% Ladezustand, E-Auto wird aufgeladen.

Allego gilt als europäischer Vorreiter beim ultraschnellen Laden und betreibt in Frankreich ein Netz von 350 Stationen. Nun bringt das Unternehmen seine mobile App auf den Markt. Sie eröffnet Zugang zu 1 Million Ladepunkten in Europa, darunter auch zu denen konkurrierender Anbieter, ohne dafür irgendeine Provision zu berechnen.

Nachdem in Frankreich die Marke von einer Million angeschlossenen Autofahrerinnen und Autofahrern überschritten wurde, ist Elektromobilität endgültig aus der Nische im Alltag der Haushalte angekommen. Dennoch ist die Nutzererfahrung weiterhin stark zersplittert – ähnlich wie in der Frühzeit der Informatik: Wer unterwegs laden will, muss häufig zwischen mehreren proprietären Apps wechseln, die jeweils nur das eigene Netz abdecken.

Heute ist es für Fahrer nicht mehr praktikabel, für jeden Betreiber eine eigene App zu haben“, erklärt Jean Gadrat, Chief Marketing Officer bei Allego, in einem Gespräch mit Presse-citron. Dieses organisatorische Problem verursacht bei den Nutzern zusätzlichen mentalen und technischen Aufwand, weil sie zahlreiche Konten und Bedienoberflächen verwalten müssen. Bestehende Aggregator-Lösungen erleichtern zwar die Suche nach Ladepunkten, belasten jedoch das Budget: Etablierte Anbieter wie ChargeMap erheben beispielsweise bei jedem Ladevorgang eine Provision von rund 10 %.

Die Herausforderung ist entsprechend groß: Um den im März 2026 verzeichneten absoluten Verkaufsrekord von knapp 50.000 Elektrofahrzeugen zu begleiten, muss die Infrastruktur hinter dem Service zurücktreten. Allego zufolge ist eine reibungslose Interoperabilität die letzte Hürde, damit Laden so selbstverständlich wird wie das Tanken eines herkömmlichen Kraftstoffs.

Keine Provision beim Laden

Das Unternehmen hat deshalb kürzlich seine eigene App für iOS und Android veröffentlicht. Sie bietet eine nahezu vollständige Abdeckung des öffentlichen europäischen Ladenetzes mit mehr als 1 Million zugänglichen Ladepunkten, davon 200.000 in Frankreich. Die eigentliche Neuerung liegt jedoch im gewählten Geschäftsmodell: der „Null-Provision“ bei konkurrierenden Netzen.

Üblicherweise verdienen Aggregatoren ihr Geld, indem sie auf den Strompreis von Drittanbietern einen Aufschlag setzen. Allego geht bewusst den entgegengesetzten Weg. Wenn ein Nutzer unserer App einen Ladepunkt eines Wettbewerbers auswählt, verzichten wir bei diesem Vorgang auf jede Gewinnmarge, erläutert Jean Gadrat. Nach Angaben des Managers ist dieser Transparenzansatz, bei dem der angezeigte Preis exakt dem vom jeweiligen Betreiber festgelegten öffentlichen Preis entspricht, auf dem aktuellen Markt nahezu nicht vorhanden.

Dabei handelt es sich um eine bewusst gewählte Vertriebsstrategie, die Nutzer ansprechen und ihren Ablauf vereinfachen soll. Die Oberfläche soll als zentraler Zugang dienen: Nutzer können einen Ladepunkt finden, dessen Leistung und Verfügbarkeit in Echtzeit prüfen, den Ladevorgang starten und mit einem Klick bezahlen – ohne mehrere Abonnements oder physische Karten zu benötigen.

Rabatte und Abonnement

Entscheidend bleibt der Preis pro Kilowattstunde (kWh). Vor diesem Hintergrund verfolgt Allego in seinem eigenen Netz eine offensive Preisstrategie. Der erste Vorteil für Nutzer: Bei allen über die App im Allego-Netz durchgeführten Ladevorgängen wird automatisch ein Rabatt von 5 % gewährt, ganz ohne Abonnement oder weitere Formalitäten.

Für Vielfahrer geht der Betreiber mit seinem Premium-Angebot Allego Plus für 9,99 Euro monatlich noch weiter. Dadurch sinkt der Preis für ultraschnelles Laden von 0,59 Euro auf 0,39 Euro pro kWh. Nach Berechnungen des Unternehmens, die auf einem Durchschnittsverbrauch von 18 kWh/100 km basieren (ADEME-Daten), soll sich das Abonnement bereits ab 350 gefahrenen Kilometern pro Monat rechnen.

Jean Gadrat betont zudem den wirtschaftlichen Vorteil gegenüber klassischem Kraftstoff: Bei einem elektrischen Kleinwagen würden die Kosten je 100 Kilometer mit dem Abonnement auf etwa 7 Euro sinken, gegenüber 10 Euro zum Standardtarif. „Heute ist elektrisches Fahren günstiger als Verbrennerfahren, besonders angesichts der aktuellen konjunkturellen Entwicklung der Ölpreise“, so der CMO. Auf längeren Strecken falle die Ersparnis noch deutlicher aus: Für die Strecke Paris–Marseille beziffert das Unternehmen sie für Abonnenten auf rund 28 Euro.

Allego: Das Erlebnis einer klassischen Tankstelle

Allego stützt sich in Frankreich auf ein Netz von 350 ultraschnellen Stationen und will bis 2027 auf 600 Standorte kommen. Ziel ist es, ein Erlebnis zu schaffen, das einer herkömmlichen Tankstelle ähnelt. Mit Ladegeräten, die zwischen 300 und 400 kW liefern, reichen 15 Minuten Pause aus, um etwa 350 Kilometer Reichweite nachzuladen.

Zwei Drittel unserer Standorte sind sogenannte ‚Destinationen‘: Orte, die man aufsucht, um etwas zu erledigen, etwa einkaufen zu gehen oder einen Burger zu essen. Dort parkt man sein Auto 30 bis 60 Minuten und nutzt diese Zeit zum Laden. Das letzte Drittel entfällt auf das reine Unterwegs-Laden auf der Autobahn“, erklärt Jean Gradat.

Diese Strategie zeigt sich in sehr konkreten Partnerschaften. Entlang der großen Verkehrsachsen arbeitet der Betreiber mit Vinci Autoroutes oder APRR zusammen, um das Fernverkehrsnetz auszubauen. Die App soll damit zu einem Werkzeug werden, das in alltägliche Konsumgewohnheiten eingebunden ist: Über seine Treuenummer kann ein Kunde beispielsweise eine Happy Hour bei Burger King nutzen, wodurch der kWh-Preis auf 0,30 Euro fällt.

Durch die Verbindung aus hoher Ladeleistung und Angeboten in unmittelbarer Nähe – Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten – versucht der Betreiber, die Nutzung von Elektrofahrzeugen zu normalisieren und vollständig mit heutigen Lebensrhythmen vereinbar zu machen.

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