Der Diebstahl von Ladekabeln, durch den zahlreiche Ladestationen in Portugal ausser Betrieb sind, ist keineswegs ein Problem, das nur das Land betrifft. Betreiber von Ladenetzen melden auch in vielen Teilen Europas, in den USA und im Vereinigten Königreich beträchtliche Schäden und wiederkehrende Verluste infolge dieser Diebstähle.
Kabeldiebstahl an Ladestationen verursacht hohe Schäden
In Deutschland verzeichnete EnBW, einer der grössten Betreiber des Landes, allein in diesem Jahr mehr als 900 Diebstähle an rund 130 Schnellladestationen. Nach Angaben des Unternehmens entstehen pro Vorfall Reparaturkosten von etwa 3500 Euro. Nicht eingerechnet sind dabei die entgangenen Einnahmen, solange die jeweilige Ladestation nicht genutzt werden kann.
Auch in den USA berichten Betreiber wie Electrify America, ChargePoint und Tesla über Schäden in Höhe von mehreren Tausend Euro, die sich auf verschiedene Bundesstaaten verteilen.
Welche Massnahmen werden ergriffen?
Um das Problem einzudämmen, bauen die Betreiber sowohl den physischen als auch den digitalen Schutz ihrer Ladestationen aus. Gleichzeitig fordern sie von den Behörden strengere Strafen für die Täter.
Zu den umgesetzten Ansätzen gehört eine stabilere Konstruktion der Kabel mithilfe innovativer, schnittfester Materialien. ChargePoint hat beispielsweise einen neuen, bislang nicht patentierten Kabeltyp entwickelt, dessen spezielle Werkstoffe das Durchtrennen oder Beschädigen erschweren.
Das Unternehmen führte zudem „ChargePoint protect“ ein: Das Alarmsystem nutzt Lautsprecher, Bildschirme und Beleuchtung, um Manipulationsversuche in Echtzeit zu erkennen und Warnungen per SMS oder E-Mail zu versenden. Darüber hinaus will ChargePoint das Design dieser Kabel an andere Hersteller lizenzieren, damit mehr Ladestationen geschützt werden können.
Weitere Lösungen, die derzeit entwickelt werden, umfassen GPS-Ortung sowie unauslöschliche Farben, welche Personen markieren, die versuchen, ein Kabel zu durchtrennen. Tesla setzt diese Strategie beispielsweise in den USA ein.
Technologie allein reicht nicht aus
Trotz dieser Innovationen betonen die Betreiber, dass technische Lösungen allein das Problem nicht beseitigen können. EnBW spricht sich in Deutschland dafür aus, Ladekabel als öffentliche Energieinfrastruktur einzustufen. Dadurch könnten härtere Sanktionen gegen die Verantwortlichen dieser Straftaten verhängt werden.
Gerichte wie das in Leipzig beginnen bereits, solche Fälle als „Schädigung öffentlicher Infrastruktur“ einzuordnen und schaffen damit einen strengeren rechtlichen Präzedenzfall.
Laut J.D. Power, zitiert von Automotive News Europe, entwickeln sich Zuverlässigkeitsprobleme – insbesondere beschädigte oder gestohlene Kabel – zu einem der grössten Hindernisse für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Sie beeinträchtigen sowohl das Vertrauen der Fahrer als auch den Ausbau der Elektromobilität.
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