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Portugal könnte ein Produktionsland für synthetische Kraftstoffe werden

Ingenieur mit Schutzhelm und Warnweste analysiert Energielösung vor Solarpanels, Windrädern und Tanks am Meer.

Portugal könnte ein Produktionsland für synthetische Kraftstoffe werden, denn das Land vereint mehrere günstige Voraussetzungen dafür.

Diese Möglichkeit brachte Pedro Marques, Forscher am INEGI, bei Auto Talks zur Sprache. Das neue redaktionelle Format von Razão Automóvel wurde auf der ECAR Show vorgestellt.

Nach Einschätzung des Forschers ist das Potenzial vorhanden – nun müsse es jedoch in Investitionen und konkrete Massnahmen überführt werden.

Was sind synthetische Kraftstoffe?

Synthetische Kraftstoffe, auch als E-Fuels bekannt, entstehen durch die Verbindung von grünem Wasserstoff mit Kohlendioxid (CO₂), das der Atmosphäre entnommen wird. Sie könnten fossile Kraftstoffe ersetzen und sind im Gegensatz zu diesen nahezu CO₂-neutral: Da CO₂ für ihre Herstellung benötigt wird, gelangt bei der späteren Verbrennung kein zusätzliches Kohlendioxid in die Atmosphäre.

„Es lässt sich tatsächlich synthetischer Kraftstoff herstellen, der die heutigen Kraftstoffe in Bezug auf CO₂-Emissionen nahezu neutral macht. Er ist zu 100 % mit den derzeit fahrenden Fahrzeugen kompatibel und kann zudem die gesamte bereits vorhandene Infrastruktur für den Vertrieb nutzen“, erklärte der Forscher.

Portugal verfügt über günstige Bedingungen für synthetische Kraftstoffe

Pedro Marques zufolge besitzt Portugal gute Voraussetzungen, um in diesen Energiebereich einzusteigen. Ausschlaggebend seien insbesondere die bereits installierten und künftig verfügbaren Kapazitäten zur Erzeugung erneuerbaren Stroms, die sowohl für die Herstellung von grünem Wasserstoff als auch für die CO₂-Abscheidung erforderlich sind.

„Studien zur Bewertung der Machbarkeit dieser Art von Lösungen verweisen gerade auf Südeuropa, zu dem Portugal gehört. Unter diesem Gesichtspunkt können wir uns an dieser Diskussion beteiligen“, sagte er.

Er ergänzte: „Ich habe keine konkreten Daten, aber mit Blick auf die derzeitige Lage und das, was über das Potenzial der Regionen gesagt wird, würde ich meinen, dass wir möglicherweise hier mit der Produktion synthetischer Kraftstoffe beginnen könnten.“

Neben Südeuropa gelten auch Südamerika, Island, Nordafrika und der Nahe Osten als Regionen mit dem Potenzial, zu grossen Produzenten synthetischer Kraftstoffe zu werden. Der Grund ist derselbe wie in Portugal: die umfangreiche Stromerzeugung aus Solar- und Windenergie – beziehungsweise aus Geothermie im Fall Islands.

Was muss dafür geschehen?

Damit dies Realität wird, braucht es laut Pedro Marques eine Entscheidung der zuständigen Stellen.

„Es muss auf Seiten der Regulierungsbehörden der Wille bestehen, voranzugehen. Die Frage der synthetischen Kraftstoffe hängt noch stark von den Entscheidungen der Europäischen Union ab.“

  • Pedro Marques, Forscher am INEGI

„Es fehlt an Investitionen und daran, dass jemand investieren will. Ausserdem muss geklärt werden, ob diese synthetischen Kraftstoffe mittel- oder kurzfristig überhaupt eine Bedeutung haben werden“, folgerte er.

2023 erzielten Deutschland und die Europäische Union eine Einigung, nach 2035 weiterhin neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verkaufen zu dürfen, sofern sie CO₂-neutrale Kraftstoffe wie synthetische Kraftstoffe nutzen.

Das Engagement der EU für synthetische Kraftstoffe und andere erneuerbare Kraftstoffe – CO₂-neutrale oder kohlenstoffarme Varianten – konzentriert sich bislang jedoch auf die Schifffahrt und Luftfahrt, wo Elektrifizierung keine praktikable Lösung ist.

Obwohl der Strassenverkehr in Europa deutlich mehr CO₂ ausstösst als der See- und Luftverkehr, zeigt sich die Europäische Union zurückhaltend, wenn es um Investitionen in synthetische Kraftstoffe geht.

Pedro Marques vermutet, dass diese Zurückhaltung mit der geringen Effizienz des Herstellungsprozesses zusammenhängen könnte, da synthetische Kraftstoffe grosse Energiemengen benötigen.

„Um synthetischen Kraftstoff herzustellen, brauchen wir einen Überschuss bei der Stromerzeugung. Die erforderliche Überkapazität an Energie, um für alle bestehenden Fahrzeuge Kraftstoff für den Strassenverkehr zu produzieren, könnte ein Ausmass erreichen, das dies unrentabel macht.“

  • Pedro Marques, Forscher am INEGI

Wie er abschliessend erklärte, sei es leichter, eine Ineffizienz in Kauf zu nehmen, um einen kleinen Teil des Problems zu lösen – etwa im Schiffs- und Luftverkehr, für den derzeit keine anderen praktikablen Lösungen existieren – als für den grössten Teil des Problems, den Strassenverkehr.

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