Mit der zunehmenden Verbreitung von rein elektrischen und elektrifizierten Fahrzeugen auf dem portugiesischen Markt hätte ein schrittweiser Rückgang beim Verbrauch fossiler Kraftstoffe erwartet werden können. Im ersten Halbjahr dieses Jahres, 2023, trat jedoch genau das Gegenteil ein.
Die Regierung erklärte selbst in einer Mitteilung: „Der Kraftstoffverbrauch erreichte in den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 einen Rekordwert und stieg gegenüber dem entsprechenden Zeitraum um rund 10 %.“
Rekord beim Kraftstoffverbrauch in Portugal
Ein Blick auf die bei der Generaldirektion für Energie und Geologie (DGEG) verfügbaren Verbrauchstabellen für Straßenkraftstoffe zeigt: In den ersten sechs Monaten des Jahres verbrauchten die Portugiesinnen und Portugiesen mehr als 2900 kt (Kilotonnen) Straßenkraftstoffe – Diesel, Benzin 95/98 und Autogas.
Gegenüber dem gleichen Zeitraum 2022 entspricht dies einem Zuwachs von mehr als 290 kt, nachdem der Gesamtverbrauch damals bei 2641 kt gelegen hatte. Damit ergibt sich ein Anstieg von etwas mehr als 10 %.
Auch im Vergleich mit 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie, wurde der damalige Verbrauch von 2733 kt Straßenkraftstoffen im ersten Halbjahr übertroffen. Lediglich 2020 ging der Verbrauch infolge der Pandemie zurück; seither erholt er sich kontinuierlich.
Diesel bleibt der am stärksten verbrauchte Kraftstoff
Mit 2348 kt entfällt weiterhin mit deutlichem Abstand der größte Anteil der verbrauchten Straßenkraftstoffe auf Diesel. An zweiter Stelle folgt Benzin mit 95 Oktan und 522 kt. Mit wesentlich geringeren Mengen folgen Benzin mit 98 Oktan (40,9 kt) sowie Autogas (19,6 kt).
Der Aufwärtstrend ist auch auf dem europäischen Markt der EU zu beobachten: Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden dort 36 721 kt Kraftstoff verbraucht. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 hatte der Verbrauch noch 33 053 kt betragen. Auch hier liegt das Plus leicht über 10 %.
Warum werden in Portugal mehr fossile Kraftstoffe verbraucht?
Die Nationale Vereinigung der Kraftstoffhändler (ANAREC) begründet den höheren Verbrauch in Portugal in einer Mitteilung „hauptsächlich mit der steuerlichen Belastung, die in Spanien beim gewerblichen Diesel verändert wurde. Tatsächlich kehrten deshalb viele Liter nach Portugal zurück, wodurch die verbrauchten Mengen stark anstiegen“.
Die spanische Regierung nahm diese steuerlichen Maßnahmen allerdings wieder zurück. In der Folge verlagerten die Transportunternehmen ihre Tankvorgänge erneut nach Spanien.
„Die Rekordzahl an Litern hing mit einer (vorübergehenden) Änderung der steuerlichen Belastung in Spanien zusammen und nicht mit einem tatsächlichen Anstieg des Verbrauchs in Portugal. Betrachtet man die Monate Juni und Juli, hält der Trend bereits nicht mehr an – im Gegenteil“, heißt es in derselben Mitteilung der ANAREC.
Ungeachtet dieses Faktors lässt sich feststellen, dass auch der Verbrauch von Benzin 95 um nahezu 15 % zunahm. Bei Benzin 98 betrug der Anstieg fast 14 %, während Autogas um mehr als 15 % zulegte – jeweils im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2022. In absoluten Zahlen liegen diese Werte über denen von 2019.
Angesichts des enormen Unterschieds zwischen den absoluten Verbrauchsmengen von Diesel und den übrigen Straßenkraftstoffen könnte der von ANAREC für Juni und Juli genannte Rückgang beim Dieselverbrauch jedoch den Gesamtanstieg abschwächen oder sogar umkehren, falls er im zweiten Halbjahr anhält.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen