Zum Inhalt springen

PFAS im Trinkwasser: Bis zu 33 Prozent höhere Krebsraten in den USA

Hand greift nach Wasserglas mit Totenkopfmotiv auf weißer Küchenarbeitsplatte neben leerem Glas und Papieren.

Eine neue Studie zeigt, dass Gemeinden in den USA, deren Trinkwasser mit „Ewigkeitschemikalien“ belastet ist, bei bestimmten Krebsarten um bis zu 33 Prozent höhere Erkrankungsraten aufweisen.

Fachleute haben gute Gründe anzunehmen, dass mehrere als PFAS bezeichnete Verbindungen – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – mit Krebs zusammenhängen. Sie wurden bereits mit Nieren-, Brust- und Hodenkrebs in Verbindung gebracht. Mindestens eine dieser Chemikalien, PFOA, wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung als krebserregend eingestuft.

PFAS im Trinkwasser und in Alltagsprodukten

Die Chemikalien kamen erstmals in den 1940er-Jahren in Verbraucher- und Industrieprodukten zum Einsatz. Zwar wurden viele von ihnen inzwischen ersetzt, doch wegen ihrer aussergewöhnlichen thermischen und chemischen Stabilität hinterlassen PFAS ein dauerhaftes Erbe.

Sie finden sich in Regenjacken und Polsterstoffen, Lebensmittelverpackungen, antihaftbeschichteten Töpfen und Pfannen sowie Löschschäumen. Wenn solche Produkte zerfallen und sich die Stoffe in der Umwelt verteilen, gelangen sie auch in unsere Nahrung, unser Trinkwasser und unseren Körper.

Die neue Untersuchung stützt sich auf Daten, die zwischen 2016 und 2021 in 1.080 Countys der Vereinigten Staaten erhoben wurden. Das entspricht rund 156,1 Millionen Menschen und damit ungefähr der Hälfte der Bevölkerung des Landes.

Das Forschungsteam schätzt, dass PFAS aus Trinkwasser jährlich zu 4.000 bis 7.000 Krebsfällen beitragen könnten.

Höhere Krebsraten bei nachgewiesenen PFAS

In Regionen, in denen irgendeine PFAS-Art in bedenklicher Belastungskonzentration festgestellt worden war, nahmen vier Krebsarten zu: Krebserkrankungen des Verdauungssystems, des endokrinen Systems, des Mund- und Rachenraums sowie des Atmungssystems.

„Diese Ergebnisse ermöglichen es uns, eine erste Schlussfolgerung über den Zusammenhang zwischen bestimmten seltenen Krebsarten und PFAS zu ziehen“, sagt Shiwen Li, Forscherin an der Keck School of Medicine. „Das legt nahe, dass es sich lohnt, jeden dieser Zusammenhänge individueller und genauer zu untersuchen.“

PFAS lösen sich leicht in Wasser und können über die Haut und die Lunge in den Körper gelangen. Besonders bedeutsam ist jedoch die Aufnahme über die Gewebe, welche das Verdauungssystem auskleiden; anschliessend werden die Stoffe über den Blutkreislauf in weitere Gewebe transportiert.

„Ernährung und Trinkwasser sind die wichtigsten Wege der PFAS-Exposition und führen zu einem direkten Kontakt mit PFAS in Mund und Rachen“, schreibt das Team. Fast überall, wohin diese Chemikalien im Körper gelangen, können sie möglicherweise Schäden verursachen.

Frühere Forschung hat beispielsweise gezeigt, dass die Niere durch eine länger andauernde Belastung geschädigt werden kann. Da sie eine zentrale Rolle bei der Ausscheidung dieser Chemikalien spielt, könnte dies möglicherweise zu Nierenkrebs führen.

Der stärkste in der neuen Studie beobachtete Effekt bestand zwischen der Chemikalie PFBS – Perfluorbutansulfonsäure, die als Ersatz für eine andere Art von Ewigkeitschemikalie eingeführt wurde – und Krebserkrankungen von Mund und Rachen. Bei PFBS-Nachweis lag die Erkrankungsrate dieser Krebsarten um 33 Prozent höher.

PFBS, mögliche Schäden und Regulierung

Bislang gibt es nur begrenzte Forschung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von PFBS. Die EPA bewertete den Stoff jedoch als weniger giftig als seine bekannteren chemischen Verwandten PFOA, ein bekannter krebserregender Stoff, und PFOS, das weiterhin untersucht wird.

Wichtig ist, dass die mögliche Giftigkeit einer Chemikalie nur einer von mehreren Faktoren ist, die Gesundheitsbehörden bei der Risikobewertung eines bedenklichen Stoffes berücksichtigen müssen. So kann etwa auch das Ausmass der Belastung beurteilt werden müssen.

Falls PFAS wie PFBS tatsächlich Krebs in Mund und Rachen verursachen, könnte dies auf oxidativen Schaden an deren empfindlichen Schleimhäuten zurückgehen. Dieser Mechanismus könnte erklären, weshalb der Nachweis einiger PFAS mit Krebsarten des endokrinen Systems oder der Schilddrüse verbunden ist und andere positiv mit Krebserkrankungen des Verdauungssystems assoziiert sind.

Solche Fragen lassen sich jedoch mit einer Beobachtungsstudie wie dieser nicht beantworten. Dafür wären klinische Studien erforderlich, die einen ursächlichen Zusammenhang belegen können. Den Forschenden zufolge gibt es allerdings bereits genügend Hinweise, um PFAS strenger zu regulieren.

„Bestimmte, weniger untersuchte PFAS müssen stärker überwacht werden, und Regulierungsbehörden müssen weitere PFAS berücksichtigen, die möglicherweise noch nicht streng reguliert sind“, sagt Li.

Die Forschung wurde in der Zeitschrift für Expositionswissenschaft und Umweltepidemiologie veröffentlicht.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen