Dürren setzen Europas Ambitionen für saubere Energie zunehmend und oft unbemerkt unter Druck. Führen Flüsse weniger Wasser, sinkt die Leistung der Wasserkraft, und die Länder müssen erneut stärker auf fossile Energieträger zurückgreifen.
Dadurch entsteht ein besorgniserregender Kreislauf: Der Klimawandel verschärft Dürren, während Dürren die Emissionen weiter steigen lassen.
Die Untersuchung betrachtete 25 europäische Länder im Zeitraum von 2017 bis 2023. Durchgeführt wurde sie von Forschenden, darunter Francesco Cherubini und Xianping Hu vom Industrial Ecology Program der NTNU. Ihre Ergebnisse verdeutlichen, wie anfällig das Energiesystem bei extremen Wetterereignissen wird.
Wenn erneuerbare Energien nicht ausreichen
Wasserkraft ist in hohem Maße von verfügbaren Wassermengen abhängig. Tritt eine Dürre ein, geht dieses Angebot rasch zurück. Andere erneuerbare Energiequellen wie Wind- und Solarenergie können die fehlende Leistung nicht immer ausgleichen, sodass eine Lücke in der Versorgung entsteht, die weiterhin geschlossen werden muss.
Diese Lücke wird häufig durch fossile Kraftwerke oder Stromimporte gedeckt. Damit bleibt die Versorgung zwar gesichert, doch der Preis dafür ist hoch.
In den sieben untersuchten Jahren stieg die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen in der EU um 180 Terawattstunden. Das entspricht einem spürbaren Anteil am gesamten Strommix.
Emissionen steigen bei Dürren stark an
Die Umweltfolgen summieren sich schnell. Fossile Kraftwerke, die während Dürren eingesetzt wurden, verursachten zusätzlich 141 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.
Das ist mehr, als die Niederlande jährlich durch fossile Brennstoffe ausstoßen. Zudem entstand diese Menge nicht schrittweise, sondern konzentrierte sich auf nur wenige besonders schwierige Jahre.
Hier wird der Kreislauf deutlich: Klimawandel führt zu mehr Dürren, und Dürren verursachen zusätzliche Emissionen. Dabei handelt es sich keineswegs um einen langsamen Rückkopplungseffekt – er kann bereits innerhalb einer einzigen problematischen Saison auftreten.
Weitere Schadstoffe verschärfen das Problem
Kohlenstoffemissionen sind nicht das einzige Problem. Bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen zudem Schadstoffe, deren Folgen Menschen unmittelbar spüren. Die Studie untersuchte Schwefeldioxid, Stickoxide und PM2,5. Alle drei sind mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden.
Schwefeldioxid verursacht sauren Regen. Stickoxide reizen die Lungen und tragen zur Smogbildung bei. PM2,5 ist besonders bedenklich, weil die Partikel klein genug sind, um in die Blutbahn zu gelangen, was sowohl Herz als auch Lungen beeinträchtigen kann.
Obwohl PM2,5 lediglich 4 Prozent der Emissionen ausmachte, war es für rund 20 Prozent der gesamten Gesundheitsschäden verantwortlich. Dieses Missverhältnis ist aussagekräftig.
Die Folgen sind ungleich verteilt
Einige Regionen Europas trifft die Entwicklung stärker als andere. Entscheidend ist vor allem der jeweilige lokale Energiemix. Erdgas war der am häufigsten eingesetzte Brennstoff zur Absicherung, doch Kohle und Braunkohle richteten bei ihrem Einsatz deutlich größere Schäden an.
Sie erzeugten zehnmal mehr PM2,5 und erstaunliche 130-mal mehr Schwefeldioxid als Erdgas. Deshalb können selbst geringe Mengen einen großen Unterschied machen.
In Ländern wie Bulgarien, Spanien und Italien wurden die höchsten Schadstoffbelastungen festgestellt. Ihre Lage setzt sie Emissionen aus mehreren Regionen aus.
Frankreich machte dagegen andere Erfahrungen. Dort sank der Kohleeinsatz während Dürren sogar, was zur Verringerung der Umweltverschmutzung beitrug.
Die versteckten Kosten werden sichtbar
Die zusätzlichen fossilen Energieträger während Dürren hatten auch finanzielle Folgen. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 26 Milliarden US-Dollar.
Darin enthalten sind Schäden für Gesundheit und Umwelt, zugleich zeigt der Betrag aber auch die Belastung des Energiesystems selbst. Für die Bevölkerung werden die Auswirkungen auf der Stromrechnung sichtbar: Werden die Liefermengen instabil, steigen die Preise.
„Dies ist eine Auswirkung des Klimawandels, die Menschen unmittelbar erleben“, sagte Cherubini. „Wir sprechen nicht über schmelzende Gletscher im Norden oder Überschwemmungen in den Tropen. Das betrifft den eigenen Geldbeutel durch Stromrechnungen und die Stromversorgung.“
Energiesysteme widerstandsfähiger machen
Die Lage mag düster wirken, doch die Forschenden sehen Möglichkeiten, gegenzusteuern.
„Es stimmt, dass wir heute noch von fossilen Brennstoffen abhängig sind, um Engpässe bei erneuerbaren Energien auszugleichen, aber es gibt Lösungen, die uns helfen können, diese Abhängigkeit zu beenden“, sagte Cherubini.
„Wir sind auf dem Weg, dieses Problem hinter uns zu lassen, benötigen aber weiterhin Veränderungen in unseren Stromsystemen und Netzen.“
Ein zentraler Schritt besteht darin, die Verbindungen zwischen den Ländern auszubauen. Dadurch kann Strom einfacher aus Regionen mit Überschüssen in Gebiete transportiert werden, die ihn benötigen.
„Das wird auch die Luftverschmutzung verringern“, fügte er hinzu. „Erneuerbare Energien werden zudem immer günstiger und sind kostengünstiger als Investitionen in fossil befeuerte Kraftwerke.“
Wie es weitergeht
Weitere Ansätze setzen bei Flexibilität an. Wenn der Verbrauch in Spitzenzeiten sinkt, kann das den Druck mindern, sobald das Angebot zurückgeht.
Einige Länder fördern dies bereits. So lässt sich beispielsweise das Laden von Elektroautos in Zeiten geringerer Nachfrage verlegen.
Auch neue Technologien könnten helfen. Verbesserte Batteriespeicher und Systeme für sauberen Wasserstoff könnten überschüssige erneuerbare Energie für eine spätere Nutzung speichern.
„Es gibt das Ziel, die Importe fossiler Brennstoffe aus diesen geopolitischen Regionen aus Gründen der Energiesicherheit zu verringern“, sagte Cherubini. „Das Wachstum erneuerbarer Energien in Europa bringt also viele positive Vorteile mit sich.“
Die Kernaussage ist letztlich einfach: Europa braucht ein widerstandsfähigeres System, das extreme Wetterereignisse und Dürren bewältigen kann, ohne wieder auf fossile Brennstoffe zurückzufallen.
„Wir müssen vorbereitet sein, wenn etwas Extremes passiert. Wir müssen unsere Systeme widerstandsfähiger gestalten“, schloss Cherubini.
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