Viele Menschen können sauberes Wasser ganz selbstverständlich aus dem Hahn beziehen – doch für Millionen ist sicheres Trinkwasser bis heute ein täglicher Kampf.
Gleichzeitig entwickeln Forschende Lösungen, die mit Sonnenlicht auf unkomplizierte Weise Wasser aufbereiten können – auch dort, wo moderne Versorgungssysteme fehlen.
Unsicheres Trinkwasser ist weltweit weiterhin ein gravierendes Problem. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass verunreinigtes Wasser Krankheiten wie Cholera, Typhus und Durchfall verbreitet.
Rund 1,7 Milliarden Menschen sind nach wie vor auf unsichere Wasserquellen angewiesen. Besonders gefährdet sind Kinder: Jedes Jahr sterben Hunderttausende von ihnen an wasserbedingten Erkrankungen.
Zudem leben viele Familien in Regionen ohne funktionierende Wasserversorgung. Gerade in einkommensschwachen Gemeinden wird sauberes Wasser dadurch jeden Tag aufs Neue zur Herausforderung.
Warum heutige Lösungen nicht ausreichen
In vielen Haushalten kommen einfache Aufbereitungsmethoden zum Einsatz. Am weitesten verbreitet ist das Abkochen: Es ist wirksam, erfordert jedoch Brennstoff wie Holz oder Strom. Für Familien, die ohnehin nur begrenzt Ressourcen haben, wird das schnell zur zusätzlichen Belastung.
Weitere Ansätze sind Filter sowie solare Desinfektion. Filter halten grössere Partikel zurück, doch sehr kleine Viren können trotzdem hindurchgelangen. Bei der solaren Desinfektion wird Sonnenlicht genutzt, allerdings dauert der Prozess häufig zu lange.
In manchen Situationen braucht es sogar mehr als einen ganzen Tag, bis das Wasser als sicher gilt. Aufgrund dieser Grenzen liefern viele Systeme nicht zuverlässig genug sauberes Wasser für den täglichen Bedarf.
Eine neue solarbetriebene SEWR-Lösung
Ein Forschungsteam der Yale-Universität und weiterer Einrichtungen hat ein neues System entwickelt: das Solar-Gehäuse für die Wiederverwendung von Wasser (SEWR). Dahinter steckt ein Konzept, das mehrere Verfahren in einem einzigen Aufbau zusammenführt.
Statt sich auf nur eine Technik zu stützen, nutzt das System Sonnenlicht parallel auf unterschiedliche Weise. Es verknüpft solare Desinfektion, solares Erhitzen und Photosensibilisierung. Dadurch steigen sowohl die Geschwindigkeit als auch die Wirksamkeit.
„Many hands make light work in drinking water disinfection,“ erklärte Eric Ryberg, Mitautor der Studie. „It really allows us to check a lot of boxes and provide water quality that allows people to feel dignified, no matter what resources they might have available to them.“
Wie Sonnenlicht Wasser reinigt
Sonnenlicht kann Wasser über mehrere Mechanismen aufbereiten. Ein Weg besteht darin, dass UV-Strahlung Bakterien und Viren schädigt. Ein weiterer ist die Erwärmung des Wassers, wodurch krankmachende Organismen absterben.
„The UVA radiation will interact with compounds in the water or in the organisms themselves to generate oxidative stress to inactivate the organism,“ sagte Ryberg.
„Or UVB radiation, the one that’s responsible for our sunburns, will actually induce DNA damage in the organisms themselves.“
Allerdings reicht Sonnenlicht allein nicht immer aus. Vor allem Viren sind schwieriger unschädlich zu machen und benötigen eine deutlich längere Bestrahlungszeit.
Die Stärke der Kombination mehrerer Methoden
Genau hier setzt das neue System an: Durch das Zusammenführen mehrerer Techniken entsteht ein sogenannter Mehrbarrieren-Ansatz. Die einzelnen Schritte greifen unterschiedliche Keimarten an.
„Having multiple ways of disinfecting and treating the water is always better than having one, because while that prefiltration step is really effective for removing large organisms, like protozoa or worms, some smaller bacteria will slip through the filter,“ sagte Ryberg.
„Having technologies like pasteurization or solar disinfection are quite effective against bacteria. But those pesky viruses that don’t get inactivated quickly by those technologies, that’s where the photosensitization can really come in.“
Durch diese Kombination wird das System deutlich robuster – auch dann, wenn sich die Wetterbedingungen ändern.
Schnellere und verlässlichere Ergebnisse
Ein zentraler Vorteil ist die Zeitersparnis. Bei herkömmlichen solaren Verfahren kann es bis zu 30 Stunden dauern, um Viren zu inaktivieren. Das neue System schafft dieselbe Aufgabe bei guter Sonneneinstrahlung in weniger als einer Stunde.
Selbst bei bewölktem Himmel arbeitet die Anlage weiter: Dann lässt sich Wasser innerhalb weniger Stunden aufbereiten – und damit wesentlich schneller als bei älteren Methoden. Für den Alltag ist das erheblich praktikabler.
Ausserdem liefert das System ausreichend Wasser für tägliche Bedürfnisse. Untersuchungen zeigen, dass es den von den Vereinten Nationen definierten Mindestwasserbedarf für Haushalte in unterschiedlichen Klimazonen decken kann.
Für den Einsatz im echten Leben entwickelt
Im Unterschied zu vielen anderen Geräten ist dieses System für den Einbau in Gebäude ausgelegt. Es lässt sich in Dächer oder Wände integrieren, ohne zusätzlichen Platz zu beanspruchen. Tagsüber sammelt es Sonnenenergie und nutzt sie, um Wasser zu reinigen und zu erwärmen.
Damit sinken auch die Energiekosten. Das System kann über weite Teile des Jahres warmes Wasser bereitstellen; in manchen Regionen sogar in mehr als 80 bis 90 Prozent des Jahres. Familien können dadurch Geld sparen und zugleich weniger Brennstoff verbrauchen.
„It might make sense for a community to have a system like this be built up into a larger scale, and have it serve the entire community,“ sagte Ryberg. „Or It might make sense to have it be on the relatively small scale and serving individual households.“
Hinzu kommt eine praktische Anzeige: Ein Farbstoff wechselt seine Farbe, sobald das Wasser sicher ist. Dadurch entsteht ein eindeutiges, visuelles Signal.
Bei vielen älteren Methoden fehlt diese Rückmeldung – Menschen müssen oft schätzen, ob das Wasser wirklich trinkbar ist. Das neue Merkmal stärkt das Vertrauen und macht den Ablauf leichter nachvollziehbar.
Auf dem Weg zu natürlichen Lösungen
Derzeit setzt das System einen lebensmittelechten Farbstoff namens Erythrosin ein. Das Forschungsteam arbeitet daran, diesen durch natürliche Pflanzenstoffe zu ersetzen. Genannt werden unter anderem Chlorophyll sowie Inhaltsstoffe, die in Kräutern vorkommen.
„The ultimate goal is that we can transition to natural things that have a much lower toxicological concerns,“ sagte Ryberg.
Das könnte das System noch sicherer machen und seine Nachhaltigkeit weiter verbessern.
Sauberes Wasser für alle
Das solare System zeigt, wie wirkungsvoll einfache Ideen sein können. Wenn Sonnenlicht gezielter und kombiniert genutzt wird, kann sicheres Trinkwasser selbst dort möglich werden, wo Infrastruktur fehlt.
Der Ansatz verbindet Wissenschaft, Gestaltung und natürliche Prozesse. Er senkt das Krankheitsrisiko, reduziert Energiekosten und erleichtert den Alltag.
Mit weiterer Entwicklung könnte das Solar-Gehäuse für die Wiederverwendung von Wasser (SEWR) Millionen Menschen erreichen, die besonders dringend sauberes Wasser benötigen.
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