Gestern richteten zahlreiche Investoren ihre Aufmerksamkeit auf Elon Musk beim Tesla Investor Day 2023. Schon der Auftakt brachte eine Überraschung: Tesla ist heute stärker als je zuvor nicht mehr „nur“ Elon Musk. Anders als bei früheren Auftritten teilte er die Bühne mit vielen weiteren Führungskräften des Unternehmens.
Wer auf die Enthüllung des neuen Tesla „Model 2“ gehofft hatte – eine weiterhin unbestätigte Bezeichnung für das günstigste Modell der US-Marke –, dürfte enttäuscht gewesen sein. Dennoch bot der Tesla Investor Day 2023, der in der Gigafactory des US-Herstellers in Austin im Bundesstaat Texas stattfand, reichlich Gesprächsstoff.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Konzept zur vollständigen Elektrifizierung der Weltwirtschaft, in dem Tesla eine zentrale Rolle einnehmen soll.
Ein umfassenderer Plan
Als Erster betrat Teslas Finanzchef Zachary Kirkhorn die Bühne und eröffnete damit den Tesla Investor Day 2023.
Laut Kirkhorn konzentrierte sich die Veranstaltung auf drei Themenfelder: erstens darauf, was für die Umstellung der Weltwirtschaft auf nachhaltige Energie erforderlich ist; zweitens auf Teslas Rolle in diesem Wandel; und drittens auf die Folgen für das Unternehmen insgesamt.
Erst nach dieser Einführung erschienen Tesla-Chef Elon Musk und Drew Baglino, Vizepräsident für Antriebe und Energietechnik, auf der Bühne. Im Laufe des Abends kamen nahezu alle Mitglieder des Tesla-Teams zu Wort.
Weg von fossilen Brennstoffen
Zu Beginn seines Auftritts erklärte Elon Musk, die pessimistischsten Szenarien von Umweltschützern, nach denen die Erde nicht über genügend Ressourcen für alle Menschen verfüge, seien falsch. Nach Musks Ansicht reichen die Ressourcen sogar aus, um die doppelte heutige Weltbevölkerung von rund acht Milliarden Menschen zu versorgen.
Das eigentliche Problem liege laut Elon Musk im Einsatz fossiler Brennstoffe entlang der gesamten Energiekette – von Autos über die Industrie bis hin zu Wohngebäuden.
„Das ist nicht effizient. Einen großen Teil der Energie, die wir erzeugen, verschwenden wir in Form von Wärme.“
Elon Musk, Tesla-Chef
Riesige Batterien, Wärmepumpen und Elektroautos
Die entscheidende Frage lautet, wie sich der weltweite Energieverbrauch umgestalten lässt – und Elon Musk ist überzeugt, die Antwort darauf zu kennen. Seiner Einschätzung nach würden 240 TWh (Terawattstunden) beziehungsweise 240.000 GWh (Gigawattstunden) Batteriespeicher genügen, um die Weltwirtschaft mit Energie zu versorgen.
Dabei geht es nicht allein um Batterien für Elektrofahrzeuge, sondern ebenso um stationäre Energiespeicher. Die benötigte Menge wäre enorm: etwa 480-mal so viel, wie weltweit im Jahr 2022 an Batterien produziert wurde.
Beim Tesla Investor Day erklärte Elon Musk außerdem, dass die vollständige Elektrifizierung des Verkehrs kein Hindernis darstelle. Auch Schiffe und Flugzeuge könnten fossile Brennstoffe hinter sich lassen, sofern sie von Grund auf für Elektromotoren und Batterien entwickelt würden.
Das Problem, das keines sein soll?
Für Tesla ist die Lithiumraffination – denn Lithium ist ein entscheidender Rohstoff für Batterien – der einzige Faktor, der das Tempo dieses Wandels derzeit begrenzt. Diese Einschätzung hatten Investoren bereits früher gehört. Elon Musk betonte jedoch, dass genügend Lithium, Kupfer und andere Materialien vorhanden seien, um diese Ziele zu erreichen.
Auch später beim Tesla Investor Day ging es erneut um Knappheiten und seltene Erden. Colin Campbell, Vizepräsident für Antriebsentwicklung, verkündete eine der wichtigsten Neuigkeiten des Abends: Teslas kommende Permanentmagnet-Elektromotoren sollen keine Metalle aus seltenen Erden mehr enthalten.
Daneben gab es eine weitere Ankündigung. Drew Baglino, Teslas Vizepräsident, teilte mit, dass die Marke noch im Laufe des Jahres 2023 mit der Raffination von Lithium beginnen werde.
Tesla will weltweit die Nummer 1 werden
Zu den Höhepunkten des Tesla Investor Day 2023 gehörte Musks Ankündigung, jährlich 20 Millionen Fahrzeuge produzieren zu wollen. Damit würde Tesla die gemeinsame Produktion des Volkswagen-Konzerns und von Toyota übertreffen.
Ein Investor im Publikum wollte wissen, wie viele Modelle nötig wären, um 20 Millionen Autos im Jahr abzusetzen. Musk antwortete: „Vielleicht etwa 10“. Das entspräche zwei Millionen Einheiten je Modell und wäre ein ehrgeiziges Ziel. Zum Vergleich: Der Toyota Corolla, das weltweit meistverkaufte Auto, kommt auf etwas mehr als eine Million Einheiten pro Jahr.
Für Elon Musk ist das jedoch kein Problem: Tesla könne jedes Auto verkaufen, das das Unternehmen produzieren könne. Die Herausforderung sei vielmehr die Fertigung selbst.
Wenig zu Autos, viel zu Tesla-Fabriken
Trotz dieser Zahlen reagierte der Markt während der Veranstaltung auf das Ausbleiben von Neuigkeiten zu neuen Modellen – der Aktienkurs fiel.
Lars Moravy, Vizepräsident für Technik, und Franz von Holzhausen, Designchef, sprachen überwiegend über die Produktion der aktuellen Modelle statt über die Zukunft. Dabei thematisierten sie insbesondere die Innovationen der Marke und den Umgang mit der Komponentenknappheit der vergangenen Jahre.
Tesla setzt bekanntlich auf eine als „Megacasting“ bekannte Technik. Statt Metallteile zu stanzen und miteinander zu verschweißen, formt Tesla das Metall, indem flüssiges Aluminium in eine Form eingespritzt wird. Dieses Verfahren trägt dazu bei, Kosten und Produktionszeit des Model Y zu senken.
Zum Ende wurden zwar Pläne für Modelle der nächsten Generation gezeigt, konkrete Zeitpläne gab es aber nicht – auch nicht für den Start der Produktion des Tesla Cybertruck, des Pick-ups der Marke.
Elon Musk schloss sich den anderen Führungskräften an und erinnerte daran, dass die Fabriken der Marke „dynamische Elemente“ seien: „Mit jeder neuen Fabrik werden wir effizienter. Wir verändern fortlaufend unsere Produktionsweise und die Organisation unserer Fertigung, um die Kosten weiter zu senken.“
Nach Angaben der Marke sollen Teslas Fabriken zunehmend kleiner und effizienter werden. In diesem Zusammenhang wurde der Bau eines neuen Werks in Mexiko angekündigt. Außerdem soll die Batteriefertigung im Werk in Nevada in den USA erweitert werden, wodurch jährlich 100 GWh zusätzliche Batteriekapazität entstehen.
In der neuen Fabrik in Mexiko sollen die Tesla-Modelle der nächsten Generation produziert werden.
Die anderen Produkte von Tesla
Tesla will in das Geschäft mit dem Verkauf von Energie einsteigen. Um diesen Plan vorzustellen, betrat Mike Snyder, der bei der Marke das Megapack-Geschäft leitet, beim Tesla Investor Day 2023 die Bühne.
Megapacks sind Energiespeicher, die Tesla bereits an die Industrie verkauft. Diese Batterien können Energie aus Wind- und Solaranlagen speichern und sie bei besonders hoher Nachfrage oder bei ausbleibender Produktion in das Netz einspeisen.
Mike Snyder sprach außerdem über Teslas Autobidder, ein autonomes Programm für den Energiehandel. Mit dieser Software sollen unabhängige Erzeuger die in Megapacks gespeicherte Energie zu den günstigsten Zeitpunkten am Markt verkaufen können.
In diesem Bereich wurde zudem eine Wärmepumpe für den Hausgebrauch vorgestellt. Tesla möchte, dass Wohnhäuser in naher Zukunft effizienter werden und weniger von fossilen Brennstoffen abhängig sind. Diese Vision soll sich ebenfalls auf weitere Branchen erstrecken.
„In Zukunft wird alles mit elektrischer Energie betrieben. Autos, Schiffe und sogar Flugzeuge. Nur die Raketen bleiben übrig.“
Elon Musk, Tesla-Chef
Neben Produkten will Tesla auch den Verkauf von Dienstleistungen ausbauen. So wurde bekannt gegeben, dass die Marke bereits 400.000 Abonnenten des FSD-Systems (Full Self Driving) zählt, einem System für autonomes Fahren der Stufe 2+. Darüber hinaus kündigte Tesla den Einstieg in das Geschäft mit Energieabonnements für das Laden von Elektrofahrzeugen an.
Zum Abschluss ging es um den Tesla Optimus, einen Roboter, der Menschen künftig bei den alltäglichsten Aufgaben ersetzen könnte. Das Produkt hatte seinen ersten Auftritt im September und kann inzwischen laufen.
Elon Musk geht davon aus, dass das Robotergeschäft von Tesla langfristig größer werden könnte als das Autogeschäft. „Das wäre gut für die Menschheit“, erklärte der Tesla-Gründer. Durch Roboter erledigte Arbeit könne Produkte günstiger machen und den Menschen mehr Zeit für Freizeitaktivitäten verschaffen.
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