Noch nie haben die Portugiesen in einem Sommer so viel Strom verbraucht. Die Hitzewelle, die die Temperaturen in die Höhe schnellen ließ, steigerte zugleich den Einsatz von Klimaanlagen und Ventilatoren. Dadurch musste das nationale Stromsystem neue Rekordwerte verzeichnen – und es zeigt sich, dass die sommerlichen Verbrauchsspitzen den Winterwerten immer näherkommen.
Die Hitzewelle, unter der Portugal in den ersten Julitagen litt, sorgte nicht nur für Temperaturen von über 40 Grad. Sie ließ auch den Stromverbrauch im Sommer auf bislang unerreichte Werte steigen. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das Land zur Bewältigung extremer Temperaturen zunehmend auf Klimatisierung angewiesen ist.
Stromverbrauch im Sommer auf Rekordniveau
Neue Bestwerte bei Tagesverbrauch und Leistung
Nach Angaben der Rede Elétrica Nacional (REN) gingen der 2. und 3. Juli in die Geschichte des nationalen Stromsystems ein. Am 2. Juli erreichte der Tagesverbrauch 165,6 GWh. Nur 24 Stunden später wurde dieser Wert erneut übertroffen: Mit 171,1 GWh wurde ein neuer historischer Höchststand für die Sommermonate aufgestellt.
Der bisherige Rekord stammte vom 13. Juli 2022, als 163,4 GWh verbraucht worden waren. Innerhalb von nur drei Jahren übertraf das Land diese Marke erneut. Das spiegelt sowohl die Intensität der aktuellen Hitzewelle als auch die zunehmende Nutzung elektrischer Geräte gegen die drückenden Temperaturen wider.
Auch die momentane Stromnachfrage erreichte im Sommer einen bislang nie beobachteten Wert. Am 2. Juli um 20 Uhr, als Tausende Haushalte nach Hause zurückkehrten und Klimaanlagen, Ventilatoren sowie weitere Geräte einschalteten, stieg die abgenommene Leistung auf 8 493 MW. Damit wurde der bisherige Sommerhöchstwert von 7 918 MW überboten, der erst ein Jahr zuvor erreicht worden war.
Sommer rückt näher an den Winter
Obwohl die höchsten Verbrauchswerte weiterhin im Winter auftreten – dann lag der Tagesbedarf bei 197,1 GWh und die Spitzenlast bei 10 261 MW –, räumt REN ein, dass sich der Abstand zwischen den beiden Jahreszeiten sichtbar verringert. „Die nun erreichten Verbrauchswerte zeigen eine Annäherungstendenz, die sich zwischen den maximalen Verbrauchswerten im Sommer und im Winter beobachten lässt“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.
Diese Entwicklung steht für einen strukturellen Wandel im Verbrauchsverhalten der Portugiesen. Über Jahrzehnte hinweg setzte vor allem die Kälte das Stromnetz unter den größten Druck. Heute macht extreme Hitze den Sommer zu einer ebenfalls kritischen Zeit für das nationale Energiesystem.
Rekordhitze in Portugal
Das Phänomen entspricht den Beobachtungen, auf die Klimaexperten in Portugal und Europa seit Längerem hinweisen. Das Land erlebt eines der heißesten Jahre der jüngeren Messgeschichte, und extreme Hitze beschränkt sich nicht mehr allein auf Juli und August. Nach Angaben des Instituto Português do Mar e da Atmosfera (IPMA) hatte das portugiesische Festland bis zum Beginn dieses Monats im Jahr 2026 bereits sechs Hitzewellen erlebt. Darunter waren auch Ereignisse im Frühjahr, was den Trend zu einer zunehmenden Häufigkeit solcher Phänomene bestätigt.
Das IPMA weist außerdem darauf hin, dass die Zahl der Tage mit Hitzewellen in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat. Diese Episoden beginnen inzwischen immer früher im Jahr und dauern über längere Zeiträume an.
Der neue Rekord beim Stromverbrauch verdeutlicht diesen Wandel. Immer mehr Portugiesen nutzen Klimaanlagen, um während der heißesten Stunden arbeiten, schlafen oder sich schlicht zu Hause aufhalten zu können. Dieser Komfort hat allerdings seinen Preis: höhere Stromrechnungen und eine wachsende Belastung für ein Stromnetz, das auf Verbrauchswerte reagieren muss, die bis vor wenigen Jahren nur an den kältesten Wintertagen typisch waren.
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