Drei bis vier Monate: So lange dürfte es nach Einschätzung des TotalEnergies-CEO noch dauern, bis sich die Kraftstoffpreise wieder normalisieren. Die Gründe dafür liegen vor allem in den Folgen der Lage an der Straße von Hormus.
Anfang März hatte die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran die Kraftstoffpreise deutlich steigen lassen – besonders spürbar war diese Entwicklung in Europa. Immerhin passieren rund 20 % des weltweiten Handels mit Kohlenwasserstoffen diese strategisch zentrale Meerenge. Mehrere europäische Länder griffen deshalb zu drastischen Maßnahmen, um die Auswirkungen für Verbraucher zu begrenzen.
Straße von Hormus bleibt ein Risiko für Tanker
Zwar wurde die Meerenge nach dem Abschluss eines Abkommens zwischen den USA und dem Iran wieder geöffnet, doch eine Rückkehr zur Normalität ist damit nicht erreicht. Ausschlaggebend ist die Zurückhaltung der Reedereien. „Wir haben weiterhin ein Problem damit, Tanker durch die Straße von Hormus zu bringen; nicht alle Reeder sind schon bereit, dieses Risiko einzugehen“, erklärte Patrick Pouyanné, CEO von TotalEnergies, am 4. Juli bei den Rencontres économiques in Aix-en-Provence.
Seiner Einschätzung nach wird es weitere „drei bis vier Monate“ dauern, bis der Ölmarkt sich „wieder selbst regulieren kann“.
Warum die Preissenkung verzögert ankommt
Der Preis für ein Barrel Brent ist inzwischen wieder auf etwa 72 US-Dollar gefallen und liegt damit auf dem Niveau vor der Sperrung der Meerenge. Benzin und Diesel werden dennoch weiterhin so bepreist, als koste Öl 95 bis 100 US-Dollar je Barrel. Der Grund: Zwischen dem Kauf von Rohöl und dessen Verarbeitung zu nutzbarem Kraftstoff vergehen für Raffination und Transport 30 bis 40 Tage.
Niedrige Lagerbestände belasten die Kraftstoffpreise
Da die Lagerbestände derzeit besonders niedrig sind, schlägt diese Verzögerung unmittelbar auf die Preise an der Tankstelle durch. Der Rückgang des Weltmarktpreises konnte dort bislang noch nicht berücksichtigt werden. Gleichzeitig senken einige Staaten im Nahen Osten die Preise für ihre unverkauften Rohölmengen, um ihre Produktion abzusetzen. Theoretisch müssten Käufer von diesen Preisnachlässen profitieren.
„Wir konnten Tanker befreien, die festsaßen, aber das Schwierigste ist, die Reeder davon zu überzeugen, wieder dorthin zurückzukehren; sie fürchten, erneut festzusitzen. Wir kaufen das Öl zwar günstiger von den Produzenten, zahlen aber mehr für das zusätzliche Risiko, das die Reeder bei einer Rückkehr in die Straße von Hormus eingehen“, fasste der Konzernchef zusammen.
TotalEnergies passt sich an
TotalEnergies habe sich dennoch entschieden, diese Verzögerung nicht auf französische Autofahrer abzuwälzen, versicherte Pouyanné. Der Konzern hält seine Preisobergrenze von 1,99 Euro pro Liter in diesem Sommer aufrecht – sowohl an Autobahntankstellen während der fünf Wochenenden mit besonders starkem Reiseverkehr als auch an seinen 1.200 Tankstellen in ländlichen Regionen.
Langfristig setzt Patrick Pouyanné vor allem auf eine breitere Diversifizierung der Bezugsquellen, um die Abhängigkeit des Konzerns von der Straße von Hormus zu verringern. Brasilien gehört mittlerweile zu den wichtigsten Öllieferanten von TotalEnergies, ebenso wie mehrere afrikanische Länder, darunter Angola, Nigeria und Namibia, wie er betonte.
Die vorsichtige Einschätzung des Chefs des Ölkonzerns macht eines deutlich: Die Krise wird sich nur schrittweise lösen, und Geduld bleibt erforderlich.
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