Die Vereinigten Arabischen Emirate haben am Dienstag, dem 28. April, ihren Austritt aus der OPEC und der OPEC+, der Organisation erdölexportierender Länder, bekannt gegeben. Dieser bedeutende Schritt trifft Saudi-Arabien hart und stellt zwei Monate nach Beginn des Krieges im Iran einen weiteren Umbruch für die Erdölförderung dar.
Im Nahen Osten gerät das Gleichgewicht der Erdölproduktion weiter ins Wanken. Zwei Monate nach Ausbruch des Krieges im Iran und der Sperrung der Straße von Hormus erklärten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ihren Austritt aus dem Kreis der OPEC- und OPEC+-Mitgliedstaaten. Damit versetzen sie den beiden Ölexportgruppen und ihrem führenden Mitglied Saudi-Arabien einen schweren Schlag. Die VAE wollen künftig eigenständig handeln sowie schneller und verlässlicher reagieren können.
Künftig werden die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Entscheidungen nicht mehr mit den übrigen Mitgliedsländern abstimmen. Zur OPEC gehören neben Irak, Iran und Kuwait auch Algerien, Venezuela, Kongo und Libyen. Die OPEC+ umfasst zudem Staaten wie Russland, Kasachstan, Mexiko, Bahrain, Oman und Malaysia.
Keine gemeinsamen Förderquoten mehr
Mit diesem Schritt setzen die Vereinigten Arabischen Emirate ein deutliches Zeichen: Sie wollen die Beschränkungen ihrer Erdölförderung hinter sich lassen, die sie bislang banden. Dies gilt besonders seit dem Ausbruch des Krieges im Iran und der Ölkrise, durch die der Preis pro Barrel seit dem 9. März auf über 100 US-Dollar gestiegen ist. Ohne Abhängigkeit von den anderen Mitgliedstaaten erhält das Land wesentlich mehr Handlungsspielraum und kann rascher reagieren.
Unter den Erdölproduzenten gibt es nun keine geschlossene Front mehr. Für die übrigen Golfstaaten ist das eine zusätzliche Belastung, da sie bereits mit Problemen bei den Exporten über die Straße von Hormus zu kämpfen haben. Durch diese Passage laufen ein Fünftel der weltweiten Mengen an Rohöl und Flüssiggas. Reuters zufolge wollen die VAE den anderen arabischen Staaten damit einen Denkzettel verpassen, weil diese aus ihrer Sicht nicht genug gegen die zahlreichen iranischen Angriffe zu ihrem Schutz unternommen haben.
VAE begründen OPEC-Austritt mit einer „politischen Entscheidung“
Anwar Gargash, diplomatischer Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, äußerte diese Kritik am Montag, dem 27. April, beim Golf-Influencer-Forum. Er erklärte: „Die Länder des Golf-Kooperationsrats haben sich gegenseitig logistisch unterstützt, aber politisch und militärisch war ihre Haltung meiner Ansicht nach die schwächste in ihrer Geschichte.“
Er ergänzte: „Diese schwache Haltung der Arabischen Liga hatte ich erwartet, sie überrascht mich nicht. Vom Kooperationsrat (der Golfstaaten) hatte ich sie jedoch nicht erwartet, und sie überrascht mich.“ Hinter der Entscheidung steht jedoch auch die Befreiung von der Pflicht, gemeinsame Förderquoten einzuhalten, wodurch die VAE ihre Produktion steigern könnten. Saudi-Arabien könnte dadurch unter Druck geraten, weil die Ölpreise sinken könnten.
Der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed al-Mazrouei, sagte Reuters, die Entscheidung sei nach einer sorgfältigen Prüfung der Energiestrategien getroffen worden – jedoch ohne vorherige Konsultationen mit den anderen Mitgliedstaaten. „Es handelt sich um eine politische Entscheidung, die nach einer sorgfältigen Prüfung der aktuellen und künftigen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Produktionsniveau getroffen wurde“, erklärte der Energieminister.
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