Das 7,5 Tonnen schwere Frachtflugzeug absolvierte seinen ersten Testflug ohne Piloten an Bord. Der 16 Minuten dauernde Flug nutzte einen wasserstoffbetriebenen Turboprop-Antrieb, der nach Angaben Pekings als erster seiner Art die Megawatt-Klasse erreicht.
Es könnte das leistungsstärkste Flugzeug dieser Kategorie sein – und steht für eine mögliche Zukunft der Luftfahrt ohne Kerosin. Während die Folgen des Kriegs im Iran eine Ölkrise auslösen, die Asien besonders stark trifft, hat Peking den ersten Testflug eines Wasserstoff-Frachtflugzeugs bekannt gegeben. Die Brennstoffzelle für dessen Turboprop-Antrieb liefert mehr als 1.000 kW. Auch Europa arbeitet mit Airbus und ZeroAvia an entsprechenden Lösungen, bislang jedoch mit niedrigeren Leistungsstufen oder in Form von Konzepten.
Wasserstoff-Frachtflugzeug: erster Testflug in Zhuzhou
Das unbemannte Frachtflugzeug startete in Zhuzhou in der zentralchinesischen Provinz Hunan. Entwickelt wurde sein Wasserstoffsystem der Megawatt-Klasse vom staatlichen Unternehmen Aero Engine Corporation of China (AECC), einem 2016 gegründeten Schlüsselakteur der chinesischen Luftfahrtindustrie. AECC entwickelt neben Turbofan-Triebwerken für Kampf- und Verkehrsflugzeuge auch Turboprop-Antriebe für die Wasserstoffluftfahrt der Zukunft.
Presse-citron abonnieren
Während des 16-minütigen Erprobungsflugs flog das Flugzeug eine 36 Kilometer lange Runde. Es erreichte dabei eine Reisegeschwindigkeit von etwa 220 km/h und eine Höhe von 300 m. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass der Motor seine vollständigen Bodentests erst am 29. März abgeschlossen hatte. Nach Angaben von AECC habe China „eine vollständige technologische Kette aufgebaut […] und damit die Grundlage für die industrielle Nutzung von Wasserstoffenergie in der Luftfahrt geschaffen“.
Wasserstoffflugzeug: China schafft die Voraussetzungen
Der verwendete Antrieb trägt die Bezeichnung AEP100 und kommt in seiner Kerosin-Ausführung in regionalen Transport- und Frachtflugzeugen zum Einsatz. Für den Betrieb mit Wasserstoff setzt er auf Flüssigwasserstofftanks und eine Brennstoffzelle. Über die technische Machbarkeit hinaus will China umfangreich in Infrastruktur für Verteilung, Speicherung und Produktion investieren. Gerade diese Bereiche sind für die Wasserstoffindustrie besonders kritisch: Ohne hohe staatliche Investitionen bleiben die Kosten für die beteiligten Unternehmen derzeit zu hoch.
Flüssigwasserstoff und große Tanks als Hürden
Die Technologie an Bord des von China vorgestellten Wasserstoffflugzeugs benötigt jedoch weitere Entwicklungsarbeit. Die kryogene Speicherung bei extrem niedrigen Temperaturen von rund -150 Grad sowie die Integration der voluminösen Tanks dürften den breiten Einsatz solcher Lösungen erschweren. Das könnte sich ändern, falls die Kerosinpreise weiter steigen und Engpässe den Druck erhöhen, die Abhängigkeit des Landes durch neue Energiequellen zu verringern. Bereits bis zu den Sommerferien befürchten Fluggesellschaften in Europa, dass ihre Vorräte erschöpft sein könnten.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen