Die Portugiesen waren lange daran gewöhnt, dass ein Liter Diesel weniger kostet als ein Liter Benzin. Daher galt dieses Verhältnis weithin als unveränderlich.
Doch in diesem Jahr hat sich die Lage gedreht: In Portugal ist Diesel derzeit teurer als Benzin. Das war bereits während eines Teils von 2022 der Fall und wird vermutlich auch im kommenden Jahr so bleiben.
Für diese Entwicklung gibt es nicht nur eine, sondern mehrere Erklärungen. Zunächst ist jedoch festzuhalten, dass Diesel in Ländern wie Frankreich, der Schweiz oder dem Vereinigten Königreich – um nur einige Beispiele zu nennen – schon seit Langem mehr kostet als Benzin. Portugal bildete in dieser Hinsicht über viele Jahre eine Ausnahme.
Marktverzerrung und die Bedeutung der Steuerlast
Auf den internationalen Märkten ist ein Liter Diesel, wie bereits erwähnt, seit Langem teurer als ein Liter Benzin. Das ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.
In Portugal gilt für Diesel jedoch – anders als in vielen europäischen Ländern – eine steuerliche Begünstigung. Mit anderen Worten: Die Steuerlast auf Diesel fällt niedriger aus als auf Benzin.
Wie die folgenden Grafiken zeigen, liegt die Dieselnotierung über jener von Benzin, während die steuerliche Belastung geringer ist.
Über viele Jahre reichte dieser Unterschied bei den Abgaben – derzeit 45 % bei Benzin und 37 % bei Diesel, bezogen auf die gesamten Kosten je Liter – aus, um Diesel an der Zapfsäule günstiger zu machen als Benzin, obwohl er vor Steuern teurer war.
Praktisch handelt es sich um eine Marktverzerrung, die aufeinanderfolgende Regierungen mit der Bedeutung von Diesel für Industrie und Dienstleistungen begründet haben. Auch bei der Mehrwertsteuer ist in Unternehmen nur Diesel absetzbar. Dies war über viele Jahre ein Anreiz für Firmen, Fahrzeuge mit Dieselmotor zu kaufen.
Warum ist Diesel jetzt teurer als Benzin?
Zunächst einmal haben die Preise für sämtliche Kraftstoffe 2022, wie allgemein bekannt ist, Rekordwerte erreicht. Über viele Monate hinweg lagen die Preise pro Liter sowohl für Benzin als auch für Diesel bei mehr als zwei Euro.
„2022 sind die Kraftstoffpreise stark gestiegen, obwohl der Referenzpreis für ein Barrel Rohöl zeitweise gefallen ist.“
Entgegen den bisherigen Gewohnheiten war jedoch nicht der Preis des Rohstoffs der wichtigste Treiber für den Anstieg der Verbraucherpreise. Der Krieg in der Ukraine und der Kampf gegen den Klimawandel spielen dabei eine sehr wichtige Rolle.
Höhere Energiekosten verteuern die Raffination
Zum einen sind die Energiepreise gestiegen, wodurch sich die Kosten der Erdölraffination erheblich erhöht haben. Jeder Liter Kraftstoff, der aus Erdöl gewonnen wird, ist dadurch teurer geworden. Dieser Faktor beeinflusst nicht nur die Inflation bei Kraftstoffen maßgeblich, sondern auch die Preise von Gütern im Allgemeinen.
Damit ist die Entwicklung allerdings nicht abgeschlossen. Die Energiekrise dürfte die Dieselkosten zusätzlich erhöhen, weil in bestimmten Regionen Europas Diesel zum Heizen von Häusern stärker nachgefragt wird.
Biokraftstoff und weniger Raffineriekapazitäten
Auch die Beimischung von Biokraftstoff hatte erhebliche Auswirkungen. Die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöste Krise im Agrarsektor – die Ukraine ist einer der wichtigsten europäischen Getreideproduzenten – hat Biokraftstoff verteuert.
Diesel wird bei diesem Punkt besonders belastet. Wie in der Grafik weiter oben zu sehen ist, sind die Kosten für die Beimischung von Biokraftstoff bei Diesel höher als bei Benzin: Derzeit betragen sie jeweils 5 % beziehungsweise 2 % des Gesamtpreises.
Schließlich hat auch die Schließung von Raffinerien in ganz Europa die Kraftstoffpreise steigen lassen. Mit diesem Schritt soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert werden; in Portugal ist die Raffinerie von Matosinhos ein Beispiel dafür. Die vorhandenen Kapazitäten reichen dadurch weniger gut aus, um die Nachfrage zu decken.
Bei all diesen Faktoren wurde Diesel stärker belastet als andere Kraftstoffe. Zudem ist die Nachfrage nach Diesel in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen, was sich auch im höheren Preis widerspiegelt.
Aus all diesen Gründen – zumindest solange sich diese Einflussgrößen nicht verändern – ist es durchaus möglich, dass Diesel so schnell nicht wieder günstiger wird als Benzin. In einigen Ländern ist das schon lange Realität, und in Portugal dürfte es offenbar so bleiben.
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