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Vajont: Wie ein Bergsturz 1963 eine Staumauer überflutete

Mann hält Foto vor Staudamm, offene Skizzen- und Landkarte auf Steinmauer, Berge im Hintergrund.

In der Nacht zum 9. Oktober 1963 rutschte im Norden Italiens ein ganzer Bergabschnitt in einen Stausee. Der Aufprall war so heftig, dass er eine gewaltige Flutwelle auslöste, die eine mehr als 260 Meter hohe Staumauer übersteigen konnte. Das Bauwerk hielt stand – die Ortschaften unterhalb hatten dieses Glück nicht.

Was geschah an der Vajont-Staumauer?

Die Vajont-Staumauer war in einem engen Tal nahe dem Monte Toc in den Dolomiten errichtet worden. Mit einer Höhe von rund 262 Metern galt sie als beeindruckendes Ingenieurbauwerk. Die Gefahr lauerte jedoch unmittelbar daneben: Während der Stausee gefüllt wurde, zeigte der Berghang deutliche Anzeichen von Instabilität.

Schon vor der Katastrophe waren Bewegungen im Gelände festgestellt worden, die auf das mögliche Abrutschen einer riesigen Gesteinsmasse hindeuteten. Dennoch wurde das Risiko unterschätzt. In der Unglücksnacht lösten sich etwa 270 Millionen Kubikmeter Gestein und Geröll vom Monte Toc und stürzten in den Stausee.

Wie erzeugte ein Bergsturz eine gigantische Welle?

Man kann es sich vorstellen, als würde man einen Stein in ein randvolles Glas werfen und das Wasser überlaufen sehen. In Vajont geschah grundsätzlich dasselbe, allerdings in einem kaum vorstellbaren Ausmaß. Die riesige Gesteinsmasse drang rasch in das Reservoir ein, verdrängte Millionen Kubikmeter Wasser und ließ eine Welle entstehen, die an den Talhängen emporstieg.

Ein Teil des Wassers schoss in Richtung der Staumauer und schwappte über deren Krone. Das enge Tal bündelte die Energie der Welle, sodass aus dem Überströmen eine extrem zerstörerische Wassermasse wurde, die weiter in das Tal des Piave floss.

Warum blieb die Staumauer stehen, während Städte verschwanden?

Zu den erstaunlichsten Aspekten der Katastrophe gehört, dass die Staumauer nahezu unbeschädigt blieb. Die Welle überquerte einfach ihren oberen Rand. Auf der anderen Seite beschleunigte sich das Wasser beim Abstieg durch das Tal und traf die Gemeinden, die unmittelbar in seiner Bahn lagen.

Innerhalb weniger Augenblicke hatte sich die Landschaft unterhalb von Vajont vollständig verändert. Zu den wichtigsten Folgen jener Nacht gehörten:

  • Die Welle überstieg die Staumauer und raste mit großer Gewalt talabwärts.
  • Longarone gehörte zu den Orten, die am stärksten von Wasser und Geröll getroffen wurden.
  • Häuser, Straßen und weitere Bauten wurden innerhalb weniger Minuten fortgerissen oder zerstört.
  • Rund 1.900 Menschen starben infolge der Katastrophe.

Sehen Sie sich das vom YouTube-Kanal YT Ponto de Ruptura geteilte Video an, das die historische Tragödie an der Vajont-Staumauer nachstellt.

Gab es Warnzeichen für die mögliche Katastrophe?

Die Katastrophe von Vajont kam nicht völlig ohne Vorwarnung. Bereits vor 1963 beobachteten Fachleute und Projektverantwortliche Bewegungen am Hang des Monte Toc. Es hatte sogar kleinere Erdrutsche gegeben, doch die Untersuchungen konnten weder die Geschwindigkeit noch das Ausmaß des endgültigen Bergsturzes vorhersehen.

Gerade deshalb wurde die Tragödie zu einem bedeutenden Fall: Sie geht über eine unerwartete Naturgewalt hinaus. Unterlagen aus den späteren Gerichtsverfahren wurden von der UNESCO anerkannt, weil sie die Untersuchung der mit dem Unglück verbundenen menschlichen Verantwortlichkeiten dokumentieren.

Was lehrt Vajont noch Jahrzehnte später?

Die Staumauer steht weiterhin, während die Spuren der Katastrophe in der Landschaft und im italienischen Gedächtnis fortbestehen. Dieses Bild fasst den Widerspruch von Vajont zusammen: Ein gewaltiges Ingenieurbauwerk hielt der Welle stand, konnte aber nicht verhindern, dass in den unterhalb gelegenen Gemeinden rund 1.900 Menschen ums Leben kamen.

Vajont verdeutlicht, dass ein widerstandsfähiges Bauwerk nicht ausreicht, wenn die Gefahren in seiner Umgebung ignoriert oder falsch eingeschätzt werden. Es lohnt sich, diese Geschichte kennenzulernen und weiterzugeben, denn die Warnzeichen vor einer Katastrophe können ebenso wichtig sein wie das Bauwerk, das ihr standhalten soll.

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