Das Netz ist voll von angeblichen Wundern: Motoren, die mit Wasser laufen sollen, Kits für die heimische Garage, mit denen das Auto fast kostenlos fährt, oder geheime Erfindungen, die „die Ölkonzerne versteckt haben“. Klingt verlockend, ist aber reine Fantasie. Man muss sich das Lachen schon verkneifen – denn es gibt Leute, die das wirklich glauben.
Fangen wir ganz vorn an: Seit den 1970er-Jahren tauchen immer wieder Videos auf – früher im Fernsehen, heute vor allem im Internet – in denen Patente und selbst ernannte Tüftler behaupten, sie hätten Motoren entwickelt, die Wasser als Energiequelle nutzen.
In den aufwendigeren Varianten der Geschichte läuft das Argument fast immer gleich: Durch Elektrolyse werde Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt, und der Wasserstoff diene anschließend als Kraftstoff. Der Haken ist nur: Diese Elektrolyse verschlingt mehr Energie, als später frei wird, wenn der Wasserstoff wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehrt.
Eine kurze Suche auf YouTube reicht, und man stolpert über eines dieser „technischen Wunder“. Meine Damen und Herren: der Motor, der mit Wasser läuft:
Um Wasserstoff und Sauerstoff voneinander zu trennen, braucht man Energie – und zwar sehr viel. Kein bekanntes System kann diese chemische Bindung aufbrechen, ohne am Ende mehr zu investieren, als es zurückbekommt. Das ist kein „Problem der Technik“, sondern ein Grundsatz der Thermodynamik: Es gibt keine Maschine, die mehr Energie erzeugt, als sie verbraucht.
Etwas formaler ausgedrückt ist das der grundlegende Energieerhaltungssatz, verankert im Ersten Hauptsatz der Thermodynamik. Klar: Aus solchen Regeln wird selten ein guter Großstadtmythos oder ein klickstarkes Sensationsvideo – aber sie taugen hervorragend für einen sauberen Erklärtext in einer Auto-Enzyklopädie.
Bei den weniger ausgefeilten Erzählungen ist die Mühe noch kleiner: Man nimmt eine einfache Wasserflasche, et voilà! – und schon soll die Fahrt losgehen. Diese „Fahrt“ endet dann fast immer in einer Verschwörungsgeschichte: Ein Staat habe die Entdeckung „begraben“ lassen oder ein Ölkonzern habe das Schweigen des Genies gekauft.
Der Fall Stanley Meyer und die Verschwörungserzählungen
Zu den bekanntesten Geschichten gehört der Tod von Stanley Meyer – jenem Mann, der behauptete, ein mit seiner Vorrichtung umgebautes Auto könne Wasser statt Benzin als Kraftstoff nutzen.
Seine angebliche Brennstoffzelle sollte funktionieren, indem sie Wasser in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet und den Wasserstoff zur Versorgung des Fahrzeugmotors verwendet. Meyer behauptete, der Motor könne mit „Regenwasser, Brunnenwasser, Leitungswasser oder Meerwasser“ betrieben werden. Ein Gericht im US-Bundesstaat Ohio stufte Meyers Behauptungen 1996 als betrügerisch ein.
Sprechen wir also über Physik und urbane Mythen
Ein Motor, der direkt mit Wasser läuft, ist unmöglich – aber wie bei vielen guten Lügen steckt ein Körnchen Wahrheit darin. Ja: Es gibt Fahrzeuge und Antriebe mit Wasserstoff.
Nur kommt dieser Wasserstoff nicht aus einem Tank mit Leitungswasser. Er wird in einem oder mehreren Drucktanks im Fahrzeug gespeichert und zuvor in industriellen Prozessen gewonnen, bei denen elektrische Energie eingesetzt wird, um Wasserstoff (H₂) vom Sauerstoff (O) zu trennen, die zusammen das Wassermolekül (H₂O) bilden.
Anschließend lässt sich Wasserstoff auf zwei grundsätzlich unterschiedliche Arten nutzen.
Wasserstoff-Fuel-Cell: Strom aus einer chemischen Reaktion
Erstens über Fahrzeuge mit Fuel-Cell-Technik (auf Deutsch: Brennstoffzelle, hier als Wasserstoff-Brennstoffzelle). Praktisch handelt es sich um Elektroautos, deren Energie aus der Reaktion von Wasserstoff mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft entsteht. Der dabei erzeugte Strom versorgt einen oder mehrere Elektromotoren, und als einziges Nebenprodukt bleibt Wasserdampf. Es gibt keine Verbrennung, kein CO₂ und keine direkten Schadgase – nur eine kontrollierte chemische Reaktion. Wir erklären alles in diesem Video:
Wasserstoff-Verbrennungsmotor: möglich, aber nicht „sauber“
Zweitens gibt es eine weitere Option – doch „reines Wasser“ als Kraftstoff bleibt auch hier außen vor: den Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Das Prinzip ähnelt dem eines Benzinmotors: Wasserstoff wird eingespritzt, verdichtet und verbrannt. Von einem makellos sauberen Auspuff kann aber keine Rede sein, denn bei den hohen Verbrennungstemperaturen entstehen Stickoxide (NOₓ). Das bedeutet: Es gibt Emissionen, wenn auch in geringerer Menge.
Das Ende des Mythos vom Wasser-Motor
Egal welche Variante man betrachtet: Wasser ist nie der Kraftstoff. Im besten Fall ist es das Endprodukt der Reaktion. Wäre es möglich, aus Wasser nutzbare Energie zu gewinnen, ohne von außen Energie zuzuführen, wäre die globale Energiekrise längst gelöst.
Dass genau das nie passiert ist – und dass all diese „Erfinder“ am Ende ohne belastbare wissenschaftliche Belege dastehen – ist der deutlichste Hinweis darauf, dass es sich nur um einen Mythos handelt. Dafür reichen im Grunde Physik- und Chemiekenntnisse auf dem Niveau einer Schülerin oder eines Schülers der Sekundarstufe I.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen