Was, wenn das Kerosin der Zukunft nach Zuckerrüben riecht? Vier französische Industriekonzerne haben sich zusammengeschlossen, um nachhaltigen Flugkraftstoff aus landwirtschaftlichen Reststoffen herzustellen. Das 1,5-Milliarden-Euro-Projekt könnte die europäische Luftfahrt grundlegend verändern.
Rebound: nachhaltiger Flugkraftstoff aus Agrarresten
Die Dekarbonisierung der Luftfahrt mithilfe französischer Zuckerrüben- und Weizenfelder: Darauf setzen nun vier große Industrieunternehmen. Airbus, Safran, Technip Energies und Tereos teilten am Dienstag die Gründung von Rebound mit, einem Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF). Das vollständig französisch-europäische Vorhaben deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der landwirtschaftlichen Genossenschaft bis zum Flugzeughersteller.
Technisch setzen die Beteiligten auf das „Alcohol-to-Jet“-Verfahren (AtJ): Aus landwirtschaftlichen Reststoffen gewonnener Ethanol wird zu synthetischem Kerosin verarbeitet, das anschließend dem herkömmlichen Treibstoff beigemischt und in bereits im Einsatz befindlichen Flugzeugen genutzt werden kann. Anpassungen an Triebwerken oder Infrastruktur sind dafür nicht erforderlich.
Tereos, ein französischer Genossenschaftskonzern für die Verarbeitung von Zuckerrüben, Zuckerrohr und Getreide, wird den sogenannten „fortschrittlichen“ Ethanol liefern. Technip Energies, ein französischer Spezialist für Energieengineering, verantwortet die Projektentwicklung und steuert sein technologisches Know-how bei. Airbus und Safran, zwei tragende Säulen der weltweiten Luftfahrtindustrie, fungieren als Industriepartner und mögliche Abnehmer des produzierten Kraftstoffs.
1,5 Milliarden Euro
Am Hafen von Dünkirchen wurde Technip Energies bereits ein Industriegrundstück zugewiesen. Dort plant Rebound den Bau seiner Anlage mit einer jährlichen Produktionskapazität von 160.000 Tonnen SAF. Damit würde der Standort zu den größten Anlagen dieser Art auf dem europäischen Festland zählen.
Finanziell stellen die vier Partner zunächst 60 Millionen Euro für Engineering-Studien und Genehmigungsverfahren bereit. Eine endgültige Investitionsentscheidung über geschätzte 1,5 Milliarden Euro könnte bis 2029 fallen; der Produktionsstart wird für 2031 erwartet. Das Gemeinschaftsunternehmen selbst soll bis Ende des Jahres offiziell gegründet werden. Technip Energies wird Mehrheitsgesellschafter, während die drei übrigen Partner den verbleibenden Anteil zu „ausgewogenen“ Teilen aufteilen.
Regulatorischer Handlungsdruck
Das Projekt reagiert auf einen konkreten Zeitdruck. Nach der europäischen Verordnung ReFuelEU Aviation müssen Fluggesellschaften ihrem Treibstoff ab 2030 6 % SAF beimischen, bis 2050 dann 70 %. Dieser Hochlauf dürfte die Nachfrage innerhalb von zwanzig Jahren auf das Achtfache steigern.
Das Problem: Die verfügbaren Rohstoffe halten mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Gebrauchte Öle, bislang der wichtigste Ausgangsstoff für SAF, werden knapper. Landwirtschaftlicher Ethanol gilt daher als glaubwürdige Alternative. Das Signal ist eindeutig: Vorsorge ist besser, als später reagieren zu müssen.
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