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Toyota Mirai Wasserstoff-Brennstoffzelle im Test

Blauer Toyota Mirai Wasserstoff-Brennstoffzellenwagen fährt auf städtischer Straße bei Tageslicht.

Was ist das denn?

Wir haben die Zukunft. Wirklich: Das Wort „Mirai“ bedeutet auf Japanisch „Zukunft“. Als vollwertiges Serienauto mit der weltweit modernsten Brennstoffzelle ist er für Toyota ein gewaltiger Vertrauensvorschuss – der Hersteller plant, in Europa lediglich 100 Mirai pro Jahr zu verkaufen.

Doch es geht um das große Ganze. Der größte Automobilhersteller der Welt will den Startschuss für eine emissionsfreie, auf Wasserstoffenergie basierende Gesellschaft geben – mit einem Auto, das in jeder Hinsicht normal wirkt, aber schlicht einen anderen Kraftstoff nutzt. Vorne kommt komprimierter Wasserstoff hinein, hinten tritt Wasser aus, und unterwegs fährt er sich wie ein ausgereiftes Elektroauto.

Wer einen Mirai kaufen möchte, muss bei einem Preis von 66.000 £ allerdings entweder Silicon-Valley-Millionär oder überzeugter Frühadopter sein. Toyota versucht, die finanzielle Hürde zu senken: Der Hersteller hat beantragt, dass die staatliche HyFive-Förderung 15.000 £ vom Preis abzieht; eine Entscheidung steht noch aus.

Alternativ lässt sich der Mirai für 750 £ monatlich leasen. Darin enthalten sind Wartung, Reifen und sämtlicher Wasserstoff, den das Auto aufnehmen kann. Vorausgesetzt, man findet überhaupt eine Tankstelle zum Nachfüllen …

Toyota Mirai und das Wasserstoff-Tankstellennetz

An meiner Tankstelle um die Ecke habe ich noch keine Wasserstoff-Zapfsäule gesehen …

Das liegt daran, dass es dort bislang keine gibt. Derzeit existieren im Vereinigten Königreich nur drei Tankstellen, die Wasserstoff mit dem erforderlichen Druck von 700 bar abgeben können: in Heathrow, Hendon und Swindon. Anfang 2016 sollen drei weitere folgen – zwei im Großraum London und eine in Sheffield. Innerhalb der kommenden 18 Monate sollen es insgesamt 16 Standorte sein. Langfristig sind bis 2020 65 Stationen geplant.

Genau beim Nachtanken beziehungsweise „Aufladen“ ihrer zwei Carbonfaser-Tanks spielen Brennstoffzellenautos ihre Vorteile gegenüber reinen Elektroautos aus: 5 kg H2 sind in nur drei Minuten eingefüllt, während heutige Batterien mehrere Stunden zum Laden benötigen. Wir haben den Tankvorgang an einer Station in Hamburg ausprobiert. Er war so vertraut, dass er fast langweilig wirkte – zugleich aber schnell, sauber und stressfrei verlief.

Die entscheidende Frage lautet, wie der Wasserstoff hergestellt wird. Er kann aus aufbereitetem Erdöl, Gas oder Biomasse gewonnen werden; bevorzugt wird jedoch die Abspaltung aus Wasser mittels Elektrolyse. Stammt der dafür verwendete Strom aus erneuerbaren Quellen, handelt es sich endlich um ein tatsächlich emissionsfreies Auto.

So arbeitet die Wasserstoff-Brennstoffzelle des Mirai

Wie funktioniert das Ganze?

In jede einzelne Zelle des Brennstoffzellenstapels gelangt unter Druck stehender Wasserstoff (H2) an eine negative Elektrode. Dort werden Elektronen freigesetzt, die zur positiven Elektrode wandern. Dort treffen sie auf Sauerstoff (O2) aus der Umgebungsluft und bilden Wasser (H20), das aus dem Auspuff tropft – 7 Liter pro 100 km. Dieser Elektronenfluss zwischen den Elektroden erzeugt den Strom, der den vorn eingebauten Elektromotor mit 152 PS antreibt.

Überschüssige Energie aus der Rekuperation und dem Brennstoffzellenstapel speichert eine Batterie hinter den Rücksitzen. Benötigt der Motor zusätzliche Leistung, ruft er diese Reserve ab. Im Grunde fühlt sich der Mirai an, klingt und fährt sich wie ein Elektroauto – nur dass sich ein kleines Kraftwerk zur Stromerzeugung an Bord befindet.

Dann ist er also langsam und schwer?

Schwer ist er tatsächlich: Er bringt 1.850 kg auf die Waage. Langsam ist er jedoch keineswegs. Mit 335 Nm Drehmoment ab 0 U/min setzt sich der Mirai unmittelbar in Bewegung und wirkt erfreulich flott, sobald man das Gaspedal betätigt. 9,6 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 179 km/h sind durchaus respektabel.

Statt des unerquicklich wirkenden CVT-Getriebes aus dem Prius nutzt er ein Eingang-Getriebe. Dadurch verläuft die Beschleunigung völlig gleichmäßig und wird von einem Geräusch begleitet, das sich nur so beschreiben lässt: als würde unten im Haus jemand staubsaugen, während man selbst im Schlafzimmer sitzt. Neben dem serienmäßigen Fahrmodus dämpft „Eco“ die Leistung zugunsten des Verbrauchs, während „Power“ die Gasannahme schärft – falls einem der Sinn nach Untersteuern steht.

Schmale Eco-Reifen und das hohe Leergewicht machen den Mirai nicht zum geeigneten Auto für die Jagd nach Rundenzeiten. Wer den inneren Stig jedoch im Zaum hält und sauber fährt, ist komfortabel, praktisch geräuschlos und selbst bei 129 km/h zügig unterwegs.

Anders gesagt: Uber-Fahrer und ihre Fahrgäste werden ihn in Zukunft lieben.

Design, Platzangebot und Cockpit im Toyota Mirai

Erzählen Sie mir etwas über das, nun ja, markante Design …

Schlank würde man ihn sicherlich nicht nennen, doch ein surrendender Mirai ist auf der Einkaufsstraße kaum zu übersehen. Seine Abmessungen entsprechen in etwa denen eines VW Passat. Obwohl Batteriepaket und Leistungssteuereinheit zwischen Rücksitzbank und Kofferraum untergebracht sind, bleiben dort noch praktische 361 Liter für Kleinkram und Gepäck übrig.

Beim Innenraumangebot bewegt sich der Mirai ungefähr auf dem Niveau eines Jaguar XE. Zwei Erwachsene finden im Fond ausreichend Platz, doch Kopf- und Beinfreiheit fallen nicht übermäßig großzügig aus – groß gewachsene Freunde werden sich also vermutlich beschweren.

Wie ist er aus Fahrersicht?

Vorn präsentiert sich ein gelungen gestaltetes Cockpit, das die Balance zwischen futuristischem Bildschirm-Feuerwerk und echter Bedienbarkeit sehr gut trifft. Tief im Armaturenbrett sitzt ein Display, das jederzeit den aktuellen Energiefluss anzeigt. Ein zentraler Bildschirm übernimmt Navigation und Infotainment, während ein dritter direkt unter dem Wählhebel ausschließlich für die Klimatisierung zuständig ist.

Die Bedienoberflächen bestehen aus berührungsempfindlichen, glänzend schwarzen Feldern, überall finden sich massive Metallelemente, und große Bereiche des Armaturenbretts tragen dasselbe weiche Leder wie die Sitze. Noch nie saßen wir in einem Toyota, der sich hochwertiger anfühlte. Weil man allerdings tief in die Tasche greifen muss, gibt es nur eine üppige Ausstattungslinie, in der bereits alles enthalten ist – einschließlich einer kabellosen Ladeschale für das Smartphone in der Mittelarmlehne.

Ist das nicht eine weitere Hindenburg-Katastrophe, die nur darauf wartet zu passieren?

Nein. Toyota weiß sehr genau, dass die womöglich überholte Gleichung Wasserstofftank gleich Bombe in vielen Köpfen präsent ist, und hat die Lösung deshalb besonders aufwendig ausgelegt. Die Carbonfaser-Tanks besitzen eine Kunststoffauskleidung und sind von einer Glasfaserhülle umgeben, auf der mögliche Unfallschäden deutlich erkennbar werden.

Bei einem Leck schalten Sensoren sowohl das Kraftstoffsystem als auch das Auto ab. Zudem sind die Tanks vollständig vom Fahrgastraum getrennt, sodass das Gas gefahrlos in die Atmosphäre entweichen kann. Sie wollen Ihren Mirai in ein Kriegsgebiet mitnehmen? Gute Nachrichten: Toyota hat sogar mit Hochgeschwindigkeitsgewehren auf die Tanks geschossen – explodiert sind sie nicht.

Sollte ich einen kaufen?

Wer wohlhabend, technikaffin und in Hendon, Heathrow oder Swindon zu Hause ist, kann durchaus zugreifen. Für alle anderen heißt es warten, bis weitere Wasserstofftankstellen entstehen.

Der Mirai beweist jedoch, dass Brennstoffzellentechnik trotz ihrer hohen Kosten funktioniert und zumindest als Fahrerlebnis bereit für den Massenmarkt ist. Toyota gebührt Anerkennung dafür, diesen Schritt gewagt zu haben.

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