Zum Inhalt springen

Portugal: Sechs Fortschritte bei Energie, erneuerbaren Energien und Dekarbonisierung

Junge Frau steht auf Balkon mit Solarpanelen, hält Tablet mit Energie-Dashboard, Meeresblick und Windräder im Hintergrund.

Im Energiesektor steht Portugal weiterhin vor erheblichen Hürden, wenn es seine Politik für eine grünere Wirtschaft fortsetzen will, die weniger von Importen abhängt und Energie für Haushalte und Unternehmen bezahlbar hält. Entscheidungsverfahren ziehen sich hin, Unentschlossenheit ist häufig, und die Formulierung „Genehmigungsprobleme“ ist inzwischen abgenutzter als die Eingangsteppiche öffentlicher Stellen, die neue Projektentwickler empfangen, ihnen antworten und ihre offenen Anliegen lösen sollten. Diese Projekte könnten dazu beitragen, den Energiemix des Landes zu dekarbonisieren. Dennoch läuft in Portugal nicht alles schlecht.

„Was gut funktioniert, ist keine Nachricht“, beklagte António Vidigal am Mittwoch in einem Beitrag. Darin hob er die „hohe Zuverlässigkeit“ des portugiesischen Stromsystems und die Fähigkeit des Netzbetreibers hervor, in „einem extrem komplexen System“ Stabilität zu sichern. Tatsächlich gibt es zahlreiche Beispiele für Bereiche, die Portugal in den vergangenen Jahren kompetent aufgebaut hat. Das zeigt sich besonders beim technischen Betrieb des Stromnetzes – der Stromausfall ging auf unsere spanischen Nachbarn zurück, und „Kristin“ war ein aussergewöhnliches Ereignis –, aber auch bei der Ingenieursleistung in der Raffinerie Sines, dem Herzstück eines Energiemarkts, der noch stark auf fossile Brennstoffe angewiesen ist. Gleiches gilt für die Reaktion des Marktes auf die wachsende Nachfrage nach Elektromobilität: Im Land gibt es immer mehr öffentliche Ladepunkte, die zudem leistungsfähiger werden.

Die vergangenen zwei Jahrzehnte waren von zahlreichen Fortschritten geprägt. Ohne Anspruch auf eine vollständige Bestandsaufnahme folgen sechs Punkte, die in diesem Winkel Europas durchaus gut gelungen sind.

Strompreise und erneuerbare Energien in Portugal

1. Strompreise unter Kontrolle

Die Strompreise sind stabil geblieben: In den vergangenen zehn Jahren haben sie die Kaufkraft der Haushalte nicht aufgezehrt, und ihr Anstieg lag deutlich unter der Inflation dieses Zeitraums. Auch weiterhin liegen die durchschnittlichen Strompreise in Portugal unter dem Mittelwert der Eurozone. Nach den jüngsten Eurostat-Daten zahlten private Verbraucherinnen und Verbraucher in Portugal im zweiten Halbjahr 2025 insgesamt 0,243 € je kWh – fast 19 % weniger als der Durchschnitt der Euroländer. Darüber hinaus erhöhte sich der durchschnittliche Preis für Haushaltsstrom zwischen 2015 und 2025 innerhalb eines Jahrzehnts nur um 6,5 %; in der Eurozone betrug die Strominflation 36 %. Die moderate Verteuerung von Elektrizität blieb sowohl hinter dem allgemeinen Preisauftrieb in der portugiesischen Wirtschaft von mehr als 20 % in diesem Zeitraum als auch hinter dem Anstieg der durchschnittlichen Arbeitnehmerentgelte zurück, die in Portugal in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 40 % zulegten.

2. Hoher Anteil erneuerbarer Energien

Ein wesentlicher Grund dafür, dass die Strompreise in Portugal nicht so stark gestiegen sind wie in anderen europäischen Ländern, ist der hohe Anteil erneuerbarer Quellen im nationalen Stromsystem. Laut REN stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von 47 % im Jahr 2015 auf 68 % im Jahr 2025. Diese Entwicklung treibt zugleich den steigenden Erneuerbaren-Anteil am Endenergieverbrauch an, der 2024 bei 36,5 % lag und damit das für jenes Jahr gesetzte Landesziel von 34 % übertraf.

Der Einfluss erneuerbarer Energien auf die Grosshandelspreisbildung ist seit Langem bekannt: Je mehr Wind, Sonne und Wasser zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sind, desto niedriger fällt der Preis am Day-Ahead-Markt aus. Das grosse Angebot aus erneuerbaren Quellen verringert nämlich den Raum für Gas- und Wasserkraftwerke bei der Zusammenführung von Energieangebot und -nachfrage und reduziert die Zahl der Stunden, in denen diese Anlagen den Preis setzen können. Zugleich hat Portugals frühere Entscheidung für garantierte Vergütungen für einen grossen Teil der Erneuerbaren-Stromerzeuger, insbesondere Windkraftanlagen, dazu geführt, dass ein erheblicher Anteil des im Land verbrauchten Stroms gegen mögliche Schwankungen der Grosshandelspreise abgesichert ist. Diese Einspeisetarife wirken wie ein Puffer: Steigt der Grosshandelspreis in einzelnen Jahren stark – etwa wegen einer Dürre, wenn Wasserkraftwerke höhere Preise für die Stromerzeugung verlangen, oder wegen explodierender Gaskosten wie 2022 – oder fällt der Marktpreis deutlich, dämpft die Produktion mit garantierter Vergütung dank ihres festen Preises die Ausschläge im portugiesischen Stromsystem.

Die Einbindung erneuerbarer Energien in das portugiesische Netz ist gelungen, ohne Stabilität und Versorgungssicherheit zu gefährden. In den letzten Jahren sind der Wille und die Bereitschaft von Projektentwicklern, in zusätzliche erneuerbare Leistung zu investieren, jedoch auf Genehmigungshürden gestossen. Das wirft die Frage auf, ob das Land den Anteil grünen Stroms in den kommenden Jahren weiter ausbauen kann.

Netzinfrastruktur und Dekarbonisierung des Verkehrs

3. Hybridisierung

Ein leistungsfähiges Stromnetz erfordert die bestmögliche Nutzung vorhandener Ressourcen, damit zusätzliche Investitionen in neue Infrastruktur vermieden werden, die den Endverbrauchern unnötige Kosten aufbürden könnten. Wenn ein Windpark auf Grundlage der DGEG-Daten für 2025 im Durchschnitt nur während 27 % der Jahresstunden Strom erzeugt und eine Photovoltaikanlage ausschliesslich tagsüber produziert, warum sollten sie nicht dieselbe Infrastruktur für die Einspeisung ins Netz nutzen? Diese Hybridisierung findet in mehreren Märkten statt, und Portugal bildet keine Ausnahme; ein aktuelles Beispiel ist dieses Projekt von Finerge. Davon profitieren die Erzeuger, weil sie den Netzanschlusspunkt stärker auslasten und ihre angefallenen Kosten auf ein höheres tägliches Volumen erzeugter Megawattstunden verteilen. Auch die Verbraucher gewinnen: Sie erhalten Zugang zu mehr erneuerbarem Strom, der, wie erwähnt, die Grosshandelspreise tendenziell senkt, und vermeiden zusätzliche Belastungen auf der Rechnung, die bei weiteren Übertragungs- und Verteilnetzen für diese neue Kapazität anfallen würden.

4. Dekarbonisierung des Verkehrs

Zunächst ist festzuhalten, dass sich der Einsatz von Biokraftstoffen im portugiesischen Verkehrssektor nur langsam entwickelt hat. Absolut gesehen stieg er von 316.000 Tonnen im Jahr 2017 auf 391.000 Tonnen im Jahr 2025. Relativ entfielen 2017 rund 5,7 % des Strassenkraftstoffs auf Biokraftstoffe, 2025 waren es 6,6 %. Das verdeutlicht, dass noch ein weiter Weg vor dem Land liegt. Trotzdem laufen Dekarbonisierungsmassnahmen. Dazu zählt das Pilotprojekt von Carris, bei dem eine Buslinie vollständig mit Biokraftstoff – dem sogenannten B100 – auf Basis von gebrauchtem Speiseöl betrieben wird; das Projekt trägt den Namen Beato Biobus. Auch die Lieferung von Mischungen mit einem höheren Biokraftstoffanteil für Schiffe gehört zu den Anstrengungen der Branche zur Dekarbonisierung. Ein weiteres Beispiel für die laufende Energiewende sind die Investitionen von Galp in der Raffinerie Sines zur Herstellung fortschrittlicher Biokraftstoffe und von grünem Wasserstoff. Insgesamt verfügt der Verkehrssektor bei Bioenergie noch über grosses ungenutztes Potenzial.

Während die Fortschritte bei Biokraftstoffen bescheiden ausfallen, schreitet die Elektrifizierung zügig voran. 2021 lag der Anteil rein elektrischer Pkw an den Neuzulassungen von Personenkraftwagen in Portugal bei 7,9 %. 2025 schlossen Elektroautos das Jahr mit einem Marktanteil von 23,2 % ab; diese Zahl umfasst keine Hybridfahrzeuge. Daten von ACAP – Associação Automóvel de Portugal zeigen zudem, dass der Elektroanteil in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 auf 23,5 % stieg. Damit lagen Elektroautos nur hinter Hybridfahrzeugen mit 30,9 % Marktanteil, aber vor Benzinfahrzeugen.

Elektroautos werden zunehmend beliebter, was auf eine grössere Bereitschaft portugiesischer Verbraucherinnen und Verbraucher zum Wandel hindeutet. Da die Zahl der verkauften Elektroautos die Anzahl der Fördergutscheine für ihren Kauf deutlich übersteigt, wird immer klarer, dass Förderungen vorrangig Haushalten mit niedrigeren Einkommen zugutekommen und die Elektrifizierung des Schwerverkehrs noch stärker beschleunigen sollten. 2021 wurden lediglich vier elektrische Nutzfahrzeuge der schweren Klasse verkauft, 2025 waren es 329. Ihr Anteil in dieser Kategorie bleibt jedoch gering: Er stieg nur von 0,1 % auf 4,4 %.

Wettbewerb und geringere Energieabhängigkeit

5. Wettbewerb

Portugal ist ein kleiner Markt. Dennoch haben die Liberalisierung und die in den vergangenen zwei Jahrzehnten vorangetriebene „Iberisierung“ bei Strom und Erdgas positive Folgen für die Verbraucher gehabt. Für private Stromkunden gibt es in Portugal mehr als zwei Dutzend Anbieter, deren unterschiedliche Tarifkombinationen im ersten Quartal mehr als 260 kommerzielle Angebote für portugiesische Haushalte umfassten. Zahlen der ERSE – Entidade Reguladora dos Serviços Energéticos belegen, dass die Mehrheit der Stromanbieter günstigere Angebote als den regulierten Tarif bietet; bei Erdgas gilt dies nicht mehr. Gegenüber dem regulierten Markt reichte das Einsparpotenzial von 1 % bis 20 %. Dank der Angebotsvielfalt und des unkomplizierten Anbieterwechsels können portugiesische Verbraucher jederzeit zu einem neuen Versorger wechseln und einige zusätzliche Euro im Monat sparen.

Auch weiter oben in der Wertschöpfungskette besteht ein bedeutendes und für die Energieverbraucher vorteilhaftes Wettbewerbsumfeld. Im Zuge des Ausbaus erneuerbarer Energien nahm die Zahl der Stromerzeuger in den vergangenen zehn Jahren zu. Dadurch wurde die Gruppe der Akteure im Stromsystem vielfältiger; sie konkurrieren darum, ihre Energie am Markt zu verkaufen. EDP Produção bleibt zwar ein relevanter Marktteilnehmer, verfügt heute aber über einen geringeren Anteil an installierter Leistung und an ins Netz eingespeistem Strom als früher. Grund dafür ist ein offenerer iberischer Markt mit mehr Energieerzeugern und -käufern.

6. Verringerung der Energieabhängigkeit vom Ausland

Die Zahlen sind eindeutig: Portugals Energieabhängigkeit vom Ausland ist dank des Ausbaus erneuerbarer Elektrifizierung zurückgegangen, von 76 % im Jahr 2015 auf 64 % im Jahr 2024. Es bleibt noch eine lange Strecke zurückzulegen – die Umwelt- und Energieministerin will die Energieabhängigkeit innerhalb von acht Jahren halbieren –, doch vor zwei Jahrzehnten lag die Abhängigkeit vom Ausland bei nahezu 89 %. Um den Rückgang weiter zu verstärken, sind grosse Anstrengungen zur Dekarbonisierung von Verkehr und Industrie notwendig. Dafür braucht es einen Mix aus Lösungen, der von Biomethan über grünen Wasserstoff bis zur Elektrifizierung reicht. Voraussetzung ist, dass die Regierung die zahlreichen Hindernisse beseitigen kann, die die Entwicklung von Projekten gebremst haben.

Eine geringere Energieabhängigkeit vom Ausland wird die Treibhausgasemissionen senken und das Land weniger anfällig für externe Schocks machen, etwa für stark steigende Preise von Erdölprodukten und Gas. Das verbessert nicht nur die Handelsbilanz Portugals, sondern stärkt auch seine Energiesouveränität. Haushalte und Unternehmen könnten ebenfalls profitieren, da sie weniger der Volatilität von Brennstoffen und stärker der Kostenplanbarkeit von Elektronen ausgesetzt wären.

ERKLÄRUNG:

Energieintensität. Dies ist ein weiterer Indikator, den die Direção-Geral de Energia e Geologia verfolgt und bei dem Portugal Fortschritte erzielt. Er misst die Energieeffizienz der Wirtschaft, also die Energiemenge, die für jede Million Euro Bruttoinlandsprodukt (BIP) erforderlich ist. Dieser Wert sinkt: Portugal schafft es, mehr Wohlstand mit weniger Energieeinsatz zu erzeugen. 2006 verbrauchte das Land 103 Tonnen Rohöleinheiten (t RÖE) je Million Euro BIP, 2023 waren es nur noch 78 t RÖE – ein Rückgang um 24 %.

LESEEMPFEHLUNG:

ACER – die Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden der Europäischen Union – veröffentlichte diese Woche einen Monitoringbericht zur Entwicklung des europäischen Markts für Flüssigerdgas (LNG). Darin wird vor einer zunehmenden Exponierung Europas gegenüber den Risiken des Weltmarkts gewarnt, nachdem 2025 mit einem Rekord bei den LNG-Importen abgeschlossen wurde. Das Dokument kann hier eingesehen werden.

Diese Ausgabe des Newsletters endet hier; die nächste erreicht die Abonnentinnen und Abonnenten von Expresso am 28. Mai. Anregungen, Kritik oder andere Kommentare können per E-Mail an [email protected] gesendet werden. Eine ausgezeichnete Restwoche!

Kommentare

• Металлы (золото, палладий, хром, кобальт, никель) — используются для создания бюгельных протезов, коронок, мостов, вкладок https://adentalab.ru/
Зачастую применяются сплавы различных металлов https://adentalab.ru/

Изготовление зубных протезов — это процесс создания ортопедических конструкций, замещающих утраченные зубы https://adentalab.ru/
Для подбора и изготовления протезов необходимо обратиться к стоматологу-ортопеду https://adentalab.ru/
Протезы изготавливаются специалистом по зубному протезированию (зубным техником) в соответствии с инструкциями стоматолога и результатами сканирования https://adentalab.ru/

Виды
• Несъёмные https://adentalab.ru/
Фиксируются на оставшихся зубах или имплантах https://adentalab.ru/
Пациент не снимает конструкцию самостоятельно, врач снимает протез только при необходимости замены или коррекции https://adentalab.ru/
К несъёмным протезам относят коронки, мосты, протезы на имплантах https://adentalab.ru/
Условно-съёмные https://adentalab.ru/
Съёмную челюсть закрепляют на имплантах, такой тип протеза можно снять у стоматолога для проведения необходимых процедур https://adentalab.ru/
Этапы

Для изготовления зубных протезов используют различные материалы, например:

Kommentar hinterlassen