Viele gesundheitsschädliche Stoffe gelangen inzwischen in unser Trinkwasser.
Dazu zählen die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“, die per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). Diese Gruppe fluorierter chemischer Verbindungen ist schwer abbaubar, reichert sich im Gewebe an und ist in der Umwelt äußerst mobil.
PFAS werden unter anderem für Antihaftbeschichtungen, schmutzabweisende Ausrüstungen und Tenside sowie in weiteren industriellen Anwendungen eingesetzt. In den vergangenen 10 bis 20 Jahren haben sie sich zu einem bedeutenden Umwelt- und Gesundheitsproblem entwickelt.
Mit geeigneter Analytik lassen sich PFAS heute nahezu überall nachweisen. Dadurch sind Fragen zu den gesundheitlichen Folgen der gegenwärtigen Belastungswerte aufgekommen.
Vielfältige Expositionswege
PFAS nehmen wir über Trinkwasser, Luft und Lebensmittel auf, in geringerem Umfang auch über die Haut. Die Belastung über die Luft lässt sich zwar nur schwer senken, doch häufigeres Reinigen der Wohnung kann dabei helfen, das Einatmen PFAS-haltigen Staubs zu verringern. Dieser Aufnahmeweg muss allerdings noch weiter erforscht werden.
Auch Lebensmittel und Lebensmittelverpackungen können erhebliche PFAS-Mengen enthalten. Solange die Regulierung in diesem Bereich begrenzt bleibt, ist es besonders schwierig, die PFAS-Aufnahme durch veränderte Ernährungsgewohnheiten zu reduzieren – es sei denn, es wird klar erkennbar, welche Lebensmittel weniger belastet sind oder ob ein großer Teil der im Supermarkt erhältlichen Produkte kontaminiert ist.
Trinkwasser ist weiterhin die am einfachsten zu behandelnde PFAS-Quelle, wenn die Gesamtbelastung durch diese Stoffe gesenkt werden soll. Termeh Teymoorian, Doktorandin der Chemie an der Université de Montréal, forscht zu PFAS im Wasser. Ihre Doktorarbeit wird gemeinsam von Sébastien Sauvé, Professor für Umweltchemie an der Université de Montréal und Experte für neuartige Schadstoffe, sowie Benoit Barbeau, Professor an der Polytechnique Montréal und Mitinhaber des Industrie-Lehrstuhls für Trinkwasser, betreut.
Kürzlich veröffentlichten wir in Frontiers in Environmental Chemistry einen Artikel, der die Wirksamkeit von Wasserfiltern für den Haushalt bei der Entfernung von PFAS bewertet.
Trinkwasseraufbereitung gegen PFAS
Am wirksamsten wäre es, Trinkwasseraufbereitungsanlagen so zu modernisieren, dass sie PFAS entfernen. Dadurch könnte für alle Menschen sicheres Trinkwasser gewährleistet werden – unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status.
Diese Modernisierung ist umso wichtiger, weil herkömmliche Verfahren der Wasseraufbereitung bei der Entfernung dieser Stoffe häufig nicht wirksam sind. Spezielle PFAS-Behandlungen können jedoch kostspielig sein und ihre Umsetzung kann viel Zeit beanspruchen.
Der Konsum von Flaschenwasser ist zwar eine einfache Lösung, aber nicht zwangsläufig für alle bezahlbar. Gegenüber Leitungswasser verursacht abgefülltes Wasser zudem einen deutlich größeren ökologischen Fußabdruck, insbesondere durch den Transport und die Entsorgung der Behälter.
Abkochen ist keine wirksame Methode, um PFAS zu zerstören. In manchen Fällen senkt das Erhitzen des Wassers bis zum Siedepunkt die PFAS-Konzentration zwar sehr geringfügig, zugleich gelangen jedoch einige ihrer flüchtigen Bestandteile in die Luft. Das Problem wird somit verlagert, statt gelöst.
Möglichkeiten der Wasseraufbereitung im Haushalt
Für die Wasseraufbereitung zu Hause ist ein Filter am hauptsächlich genutzten Küchenwasserhahn – eine Point-of-Use- oder POU-Behandlung – die kostengünstigste Lösung. Das gesamte Wasser im Haushalt zu behandeln, ist unnötig und teurer. Baden und Duschen sind keine bedeutenden PFAS-Expositionsquellen.
Zu den Optionen für den Haushalt gehören:
- Nanofiltrations- und Umkehrosmoseanlagen
Sind diese Systeme für die PFAS-Entfernung zertifiziert, gelten sie als wirksam. Ihre Leistung hängt jedoch von der Wasserqualität und den vorhandenen Schadstoffen ab. Untertischsysteme sind bei der Anschaffung teurer und erfordern einen regelmäßigen Austausch der Kartusche oder Membran, üblicherweise einmal jährlich. Für die Montage kann ein Installateur nötig sein, außerdem wird Platz unter der Spüle benötigt.
- Kannenfilter
Diese Lösungen sind unkompliziert, vergleichsweise preiswert und schnell einsatzbereit. Herkömmliche Filterkannen entfernen PFAS jedoch häufig nicht wirksam, vor allem die neueren kurzkettigen Verbindungen. Die Leistung variiert je nach Wasserbeschaffenheit und Art der Verunreinigungen.
Filterleistung von Kannenfiltern
Wir untersuchten in einer unabhängigen Bewertung verschiedene Marken von Kannenfiltern hinsichtlich ihrer Fähigkeit, PFAS aus Leitungswasser zweier kanadischer Gemeinden zu entfernen.
Die vollständigen Ergebnisse sind online in unserer Studie verfügbar; die wichtigsten Resultate sind nachfolgend zusammengefasst:
- Zerowater-Kannenfilter: Sie sind von der National Sanitation Foundation (NSF) für die PFAS-Entfernung zertifiziert. In unseren Tests wurden nach 160 L Filtration bei beiden untersuchten Wasserarten mehr als 96 Prozent entfernt.
- Clearly Filtered-Kannenfilter: Diese Filter sind von der Water Quality Association (WQA) für die Entfernung von PFAS zertifiziert und erreichten in unseren Tests nach 160 L Filtration eine Eliminationsrate von mehr als 96 Prozent.
- Aquagear-Kannenfilter: Obwohl sie laut einem Test eines unabhängigen Labors als wirksam eingestuft wurden, ergaben unsere Untersuchungen eine niedrigere Eliminationsrate von 60-77 Prozent.
- Brita Elite-Filterkannen: Diese Kannen wurden weder zur Entfernung von PFAS entwickelt noch dafür zertifiziert. Die durchgeführten Tests zeigten lediglich eine Entfernung von 20-48 Prozent; Teiltests wiesen für den herkömmlichen Brita-Filter eine noch geringere Leistung nach.
Welche Haushaltslösung zur Entfernung von PFAS aus Leitungswasser gewählt wird, hängt von den Präferenzen der Nutzenden ab. Kannenfilter sind einfach zu verwenden, ihre langfristigen Kosten können jedoch höher sein als jene von unter der Spüle installierten Adsorptions- oder Umkehrosmosefiltern. Für eine zuverlässige PFAS-Entfernung ist es wichtig, Produkte zu wählen, die dafür zertifiziert sind.
Sébastien Sauvé, Professor für Umweltchemie, Université de Montréal; Benoit Barbeau, Professor, Polytechnique Montréal; und Termeh Teymoorian, Doktorandin der Chemie, Université de Montréal
Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut aus The Conversation veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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