Seit 2009 verwandeln Anwohnerinnen und Anwohner sowie Freiwillige PET-Flaschen und anorganische Abfälle in Wandfüllungen für neue Klassenräume in ländlichen Gemeinden Guatemalas. Die von der Organisation Hug It Forward unterstützte Initiative soll bereits 392 Klassenräume ermöglicht haben. Sie verbindet Bildung, Wiederverwendung von Materialien und gemeinschaftliches Engagement.
Wie werden PET-Flaschen zu Öko-Bausteinen verarbeitet?
Zunächst werden die Flaschen gereinigt und getrocknet. Anschließend füllt man sie mit biegsamen anorganischen Materialien, für die es vor Ort keine geeignete Entsorgung gibt, etwa Verpackungen, Tüten und Lebensmittelverpackungen. Damit jeder Behälter stabil wird und als Wandfüllung dienen kann, muss der Inhalt fest verdichtet werden.
- PET-Flaschen werden in der Gemeinde und ihrer Umgebung gesammelt;
- organische, feuchte oder scharfkantige Abfälle dürfen nicht hineingegeben werden;
- Kunststoffverpackungen werden gesäubert und mit einem Stab verdichtet;
- die fertigen Flaschen werden nach Größe sortiert;
- ein Metallgitter hält die Behälter an der vorgesehenen Stelle in der Wand;
- Mörtel umschließt die Konstruktion und schützt die Materialien vor Umwelteinflüssen.
Tragen die PET-Flaschen die Konstruktion tatsächlich?
Die in den Klassenräumen eingesetzten Öko-Bausteine ersetzen nicht das tragende Hauptgerüst des Gebäudes. Fundamente, Stützen und Träger entstehen aus mit Stahlstäben verstärktem Beton nach dem als Stützen-und-Träger-System bekannten Bauprinzip. Die Flaschen werden lediglich als Füllmaterial zwischen diesen Bauteilen verwendet.
Dieser Unterschied ist wesentlich, weil die Standsicherheit des Gebäudes nicht allein vom verdichteten Kunststoff abhängt. Nach Angaben der Organisation wurde das bei den Projekten eingesetzte Tragwerk für die in Guatemala häufigen Erdbebenbedingungen zugelassen.
Wie beteiligen sich Anwohner und Kinder am Bau der Klassenräume?
Die Beteiligung der Gemeinschaft setzt bereits vor Beginn der Bauarbeiten ein. Familien, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte sammeln Flaschen und Abfälle. Erwachsene aus der Gemeinde helfen bei gemeinschaftlichen Arbeitseinsätzen zusammen mit Maurern und Freiwilligen. Die Schule soll gemeinsam mit der Gemeinschaft entstehen und nicht einfach nur an sie übergeben werden.
- Kinder und Familien sammeln weggeworfene Flaschen;
- die Abfälle werden vorbereitet und in die Behälter gepresst;
- Anwohnerinnen und Anwohner stellen einen Teil der benötigten Arbeitskraft bereit;
- Maurer übernehmen die tragenden und technischen Arbeitsschritte;
- Freiwillige helfen bei der Vorbereitung und beim Verschließen der Wände;
- die Aktivitäten regen Gespräche über Konsum und Müllentsorgung an.
Wie viele Flaschen und wie viel Geld werden benötigt?
Die erforderliche Menge unterscheidet sich von Projekt zu Projekt. Ein einzelner Klassenraum kann mehrere Tausend Flaschen benötigen, abhängig von seinen Abmessungen, der Form der Wände und der Größe der verfügbaren Behälter. Dokumentiert ist ein Raum mit mehr als 4 Tausend Flaschen; bei Vorhaben mit zwei oder drei Klassenräumen kamen zwischen 6,5 Tausend und mehr als 10 Tausend Einheiten zum Einsatz.
Auch die Kosten hängen von Standort, Transport, Arbeitskräften und Materialpreisen ab. Die Organisation nennt einen Durchschnitt von etwa 7 Tausend US-Dollar pro Klassenraum, während Projektpartner bereits Beträge von rund 8,5 Tausend US-Dollar angegeben haben. Dennoch kann diese Bauweise günstiger sein als vergleichbare Gebäude, die ausschließlich mit Betonsteinen errichtet werden.
Welche Auswirkungen haben die Klassenräume auf diese Gemeinschaften?
Die Gebäude schaffen Lernorte in Regionen, in denen Schülerinnen und Schüler zuvor mit provisorischen Räumen, überfüllten Klassen oder langen Schulwegen zurechtkommen mussten. Gleichzeitig werden Verpackungen aus der Umwelt entfernt, die sonst verbrannt, auf Straßen zurückgelassen oder durch Regen in Flüsse und auf Grundstücke gespült werden könnten.
Die Methode macht es weder überflüssig, den Kunststoffverbrauch zu senken, noch ersetzt sie die Instandhaltung der Gebäude. So wie es wichtig ist zu wissen, wie man Termiten in Holzteilen erkennt und bekämpft, braucht jede Schule Kontrollen auf Feuchtigkeit, Risse und Verschleiß. Das Besondere des Projekts liegt darin, ein lokales Problem in Umweltbildung, gemeinschaftliche Mobilisierung und neue Bildungsmöglichkeiten zu verwandeln.
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