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Framatome stärkt mit NuScale und VUJE die Kernenergie-Lieferkette

Zwei Männer prüfen ein Energiewerk-Modell mit großer digitaler Europakarte im modernen Büro.

Framatome war in der Branche lange ein fester Begriff, stand jedoch nur selten im Rampenlicht. Nun hat das Unternehmen in Europa und den USA zwei strategische Vereinbarungen geschlossen, die deutlich machen, wohin sich die Kernenergie als Nächstes entwickelt.

Framatome rückt in den Fokus

Der mehrheitlich zu EDF gehörende französische Konzern ist seit Jahrzehnten ein zentraler Zulieferer: Er entwickelt Reaktoren, produziert Brennstoff und wartet Anlagen. Anfang März 2026 änderte sich diese bislang eher zurückhaltende Rolle.

Innerhalb von lediglich 24 Stunden verlängerte Framatome seine Brennstoffvereinbarung mit dem US-Entwickler kleiner modularer Reaktoren (SMR) NuScale Power und unterzeichnete zudem ein neues Kooperationsabkommen mit dem slowakischen Ingenieurunternehmen VUJE. Beide Schritte festigen Framatomes Stellung sowohl im zukunftsweisenden SMR-Markt als auch bei der großen Flotte bestehender Reaktoren in Europa.

Framatomes Vereinbarungen in kurzer Folge zeigen eine einfache Realität: Die nukleare Lieferkette wird jetzt gesichert – nicht erst irgendwann in den 2030er-Jahren.

Hinter den Ankündigungen steht eine klare Botschaft an Regierungen und Energieversorger: Wer in diesem Jahrzehnt verlässliche Kernenergieprojekte umsetzen will, braucht Partner, die Brennstoff, Ingenieurleistungen und langfristige Services im industriellen Maßstab bereitstellen können.

Eine Renaissance der Kernenergie durch KI, Wärme und Schwerindustrie

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die weltweite Stromnachfrage stieg 2025 um rund 3 % und dürfte sich nicht abschwächen. Industriewachstum, höherer Kühlbedarf in wärmeren Klimazonen sowie die rasante Ausbreitung von KI-Rechenzentren sorgen rund um die Uhr für einen steigenden Verbrauch.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte der Strombedarf bis 2035 jährlich um fast 1.000 Terawattstunden wachsen. Die Spitzenlast läge dann ungefähr 40 % über dem heutigen Niveau. Einen großen Teil dieses Anstiegs trägt der asiatisch-pazifische Raum, angeführt von China, das allein 2026 voraussichtlich mehr als 10.000 TWh erreichen wird.

Um damit Schritt zu halten, greifen viele Staaten wieder auf Kernenergiepläne zurück, die sie einst auf Eis gelegt hatten. Die weltweite Kernstromerzeugung könnte 2025 mit etwa 2.900 TWh einen historischen Höchststand erreichen und damit rund 10 % des gesamten Stroms ausmachen; gestützt wird dies durch mehr als 70 GW neuer Kapazität im Bau.

Frankreich verdeutlicht diesen Wandel. Die Reaktoren von EDF erzeugten 2025 373 TWh – 11.3 TWh mehr als 2024. Langfristige Pläne in Paris sehen bis 2050 etwa 109 GW Kernenergiekapazität vor, bestehend aus großen Reaktoren und SMR, auch wenn sich die Dynamik beim Neubau zunehmend nach Asien verlagert.

SMR entwickeln sich vom Schlagwort zum realisierbaren Produkt

In diesem Umfeld verlassen SMR die PowerPoint-Folien und werden zu realen Bauprojekten. Weltweit befinden sich mehr als 100 Vorhaben in irgendeiner Entwicklungsphase, 63 Reaktoren werden bereits aktiv gebaut. Der Branchenverband SFEN erwartet, dass bis 2050 rund 53 GW an SMR- und fortschrittlicher modularer Reaktorkapazität ans Netz gehen.

Allein in Frankreich gibt es zwischen 2025 und 2026 ungefähr zehn Initiativen. Dazu zählen EDFs NUWARD (340 MWe), die schnellen Reaktoren von Newcleo, die auf Wärme ausgerichtete „Blue Capsule“, Start-ups wie Stellaria und Thorizon in Vorlizenzierungsphasen sowie Konzepte wie Nuclear for AI, das speziell auf die Stromversorgung von Rechenzentren abzielt.

Segment Kennzahl 2025 Prognose Wesentliches Detail
Globale Stromnachfrage +3 % Wachstum +1.000 TWh/Jahr bis 2035 Spitze rund 40 % höher als heute
Kernstromerzeugung ~2.900 TWh +70 GW im Bau ~10 % des weltweiten Stroms
SMR-Projekte 10 in Frankreich 53 GW SMR/AMR bis 2050 >100 Projekte weltweit
Französische Kernenergieproduktion 373 TWh im Jahr 2025 Ziel: 365–375 TWh Weg zu 109 GW Kapazität bis 2050

Die beiden Ankündigungen von Framatome greifen unmittelbar in diesen entstehenden Markt ein – ebenso wie in die Bestandsflotte, die weiterhin den größten Teil des Kernstroms liefert.

NuScale-Vereinbarung: Brennstoff für die erste SMR-Welle

Vom Laborprojekt in Oregon zur industriellen Lieferkette

NuScale Power wurde 2007 in Oregon gegründet und erwarb sich den Ruf als Wegbereiter westlicher SMR-Konzepte. Sein Reaktormodul mit 77 MWe, das zu Anlagen mit mehreren Einheiten kombiniert werden kann, war 2023 das erste SMR-Konzept mit einer Design-Zertifizierung der US-amerikanischen Nuclear Regulatory Commission (NRC).

Im selben Jahr geriet das Unternehmen in Turbulenzen: Das Vorzeigeprojekt Carbon Free Power Project in Idaho scheiterte, nachdem beteiligte Kommunen wegen Kostenbedenken ausgestiegen waren. Trotz dieses Rückschlags behielt NuScale die Unterstützung der US-Bundesebene und entwickelte seine Technologie weiter.

Seit 2015 ist Framatome exklusiver Partner für die Brennstofffertigung. Die im März 2026 verlängerte Vereinbarung verändert die Größenordnung und geografische Reichweite dieser Zusammenarbeit.

Zum ersten Mal können Framatomes europäische Werke SMR-Brennstoff für künftige NuScale-Kunden auf dieser Seite des Atlantiks herstellen.

Bisher war die Brennstoffproduktion für NuScale am Framatome-Standort Richland im Bundesstaat Washington angesiedelt. Nach der erweiterten Vereinbarung bleibt Richland ein zentraler Standort, während europäische Anlagen künftig bei weiteren Projekten einbezogen werden.

444 Brennelemente und ein verbindlicher Zeithorizont

Der neue Vertrag beauftragt Richland offiziell damit, mindestens 444 NuFUEL-HTP2-Brennelemente für NuScales ersten US-Kunden herzustellen; die Auslieferungen sollen ab 2030 beginnen. Diese Menge mag begrenzt erscheinen, signalisiert aber etwas Entscheidendes: Für SMR-Brennstoff gehen erstmals ernsthafte, finanzierbare Aufträge ein.

NuFUEL-HTP2 basiert auf Framatomes seit Langem eingesetzter HTP-Brennstofftechnologie für Druckwasserreaktoren. Es handelt sich nicht um unerprobte Technik. In 11 Ländern wurden bereits mehr als 20.000 HTP-Brennelemente geliefert. Das Werk in Richland verfügt selbst über mehr als 55 Jahre Betriebserfahrung und besitzt eine 2009 für 40 Jahre verlängerte NRC-Lizenz zur Brennstofffertigung.

Diese Verbindung aus Innovation und bewährtem Design ist für Aufsichtsbehörden und Investoren wichtig. NuScales Reaktor wird als System der Generation III+ vermarktet, doch sein Brennstoffdesign knüpft unmittelbar an jahrzehntelange Erfahrungen mit Druckwasserreaktoren an. Das verringert Qualifizierungsrisiken und verkürzt Projektlaufzeiten.

  • NRC-zertifiziertes SMR-Design
  • Brennstoff auf Basis etablierter DWR-Technologie
  • Bereits laufende Fertigungslinien
  • Verbindlicher Auslieferungsbeginn ab 2030

Für Framatome sichert der Vertrag künftige Erlöse. Genauso bedeutsam ist jedoch, dass das Unternehmen seine Technologie in der ersten Generation kommerzieller SMR in den USA und möglicherweise auch in Europa verankert.

VUJE-Partnerschaft: Verbindung von Ost und West

Ein slowakischer Spezialist neben Frankreichs Champion

Am 10. März 2026, einen Tag nach der Verlängerung der NuScale-Vereinbarung, unterzeichnete Framatome eine Absichtserklärung mit VUJE, einem slowakischen Kerntechnikunternehmen. Die Unterzeichnung erfolgte am Rande eines hochrangigen Gipfels zur zivilen Kernenergie in Boulogne-Billancourt, der gemeinsam von der französischen Regierung und der IAEA ausgerichtet wurde.

VUJE verfügt über eine lange Erfahrungsgeschichte in Mittel- und Osteuropa, darunter Arbeiten an den V1-Blöcken des Kernkraftwerks Jaslovské Bohunice in der Slowakei. Die Teams kennen die sowjetisch geprägten WWER-Reaktoren bis ins Detail – von Modernisierungsprojekten bis zu Sicherheitsverbesserungen.

Durch die Zusammenarbeit mit VUJE erhält Framatome einen Platz in der ersten Reihe bei den Laufzeitverlängerungs- und Modernisierungsprogrammen der osteuropäischen WWER-Flotte.

Die Absichtserklärung umfasst mehrere Kooperationsfelder:

  • Ingenieurleistungen für kerntechnische Anlagen
  • Modernisierung und Laufzeitverlängerung bestehender Kraftwerke
  • Einführung fortschrittlicher Kernenergietechnologien

Framatome steuert umfangreiche Erfahrung mit westlich entwickelten Druckwasserreaktoren, digitale Werkzeuge für Konstruktion und Simulation sowie ein breites industrielles Netzwerk bei. VUJE bringt detailliertes Know-how zu WWER-Systemen, Kenntnis lokaler regulatorischer Rahmenbedingungen und praktische Projekterfahrung von der Slowakei bis in benachbarte Staaten ein.

Diese Kombination ist nicht nur technisch, sondern auch politisch sensibel. Viele Länder der Region möchten ihre Abhängigkeit von russischer Technologie und russischem Brennstoff reduzieren, ohne ihre WWER-Blöcke stillzulegen. Partnerschaften, die westliche Zulieferer mit lokalen Ingenieurunternehmen verbinden, bieten einen realistischen Weg zu diesem Ziel.

Warum diese Schritte für den Kernenergiemarkt 2026 bedeutsam sind

Die zwei Vereinbarungen in kurzer Folge verdeutlichen, wie die Kernenergie in der Energiepolitik der Mitte der 2020er-Jahre neu positioniert wird.

Erstens steigt der Bedarf an stabiler Stromversorgung rund um die Uhr wieder. Elektrofahrzeuge, Wärmepumpen, Elektrolyseure und KI-Rechenzentren funktionieren nicht allein mit Sonnenschein. Regierungen, die ihre Kernenergie in den 2010er-Jahren zurückgefahren haben, bewerten die Lage neu: Sie müssen Netzstabilität und Dekarbonisierung gegen öffentliche Haushalte und schwankende Gaspreise abwägen.

Zweitens ist die nukleare Lieferkette angespannt. Bei Urankonversion, Anreicherung, Zirkoniumkomponenten und qualifizierten Brennelementen bestehen lange Vorlaufzeiten. Nur wenige Unternehmen verfügen sowohl in Nordamerika als auch in Europa über lizenzierte Anlagen – und genau das macht Framatomes Präsenz besonders wertvoll.

Drittens wirken SMR zunehmend weniger wie ein fernes Versprechen und mehr wie eine entstehende Produktkategorie. NuScale steht weiterhin vor wirtschaftlichen und politischen Hürden. Doch ein zertifiziertes Design, ein industrieller Brennstoffpartner und ein terminierter Produktionsplan verlagern die Diskussion von Konzeptgrafiken hin zu finanzierbaren Anlagen.

Für Investoren liegt der eigentliche Wandel darin, Verträge mit Mengenangaben, lizenzierte Werke und Zeitpläne für konkrete Kunden zu sehen – nicht nur glänzende SMR-Broschüren.

Zentrale Begriffe für Leser, die das Comeback der Kernenergie verfolgen

Was genau ist ein SMR?

Ein kleiner modularer Reaktor ist, wie der Name sagt, kleiner als ein konventioneller Reaktor im Gigawatt-Maßstab und für die Fertigung in Fabrikmodulen ausgelegt. Typische Leistungsgrößen reichen von einigen zehn Megawatt bis zu einigen hundert Megawatt je Einheit.

Zwei Merkmale unterscheiden SMR besonders:

  • Sie lassen sich schrittweise ergänzen und damit an Nachfragewachstum oder Budgetgrenzen anpassen.
  • Viele Konzepte setzen auf passive Sicherheitsfunktionen, die natürliche Zirkulation und Schwerkraft anstelle komplexer Pumpen und Ventile nutzen.

In der Praxis könnten Versorger daher mit einem Kraftwerk aus zwei oder vier Modulen beginnen und später erweitern, statt Milliarden vorab auf einen einzelnen großen Reaktor zu setzen. Auch für abgelegene Regionen oder Industriestandorte mit Prozesswärmebedarf lassen sich SMR an lokale Anforderungen anpassen.

Risiken, Vorteile und der weitere Weg

Kernenergie bringt weiterhin reale Risiken und politische Altlasten mit sich. Sicherheit erfordert eine strenge Aufsicht, und eine schlecht gehandhabte Entsorgungspolitik kann das öffentliche Vertrauen untergraben. Projekte können bei Kosten und Zeitplänen aus dem Ruder laufen, besonders dort, wo regulatorische Rahmenbedingungen unerprobt sind.

Andererseits kann die Kombination aus Kernenergie und erneuerbaren Energien Netze stabilisieren und gleichzeitig Emissionen senken. Für einen flexiblen Betrieb ausgelegte SMR könnten Solar- und Windenergie absichern, während Hochtemperaturreaktoren industrielle Wärme oder Wasserstoffproduktion ohne fossile Brennstoffe ermöglichen könnten.

Für Frankreich weisen die jüngsten Framatome-Vereinbarungen auf eine Strategie mit drei Säulen hin: der Export von Technologie und Dienstleistungen, eine starke Position bei Bestandsreaktoren wie auch bei Reaktoren der nächsten Generation sowie eine Lieferkette, die von Richland in den USA bis zu Brennstoffwerken und Ingenieurbüros in ganz Europa reicht. Für Volkswirtschaften mit hohem Energiebedarf, die mit KI-getriebener Nachfrage ringen, wirkt eine solche industrielle Tiefe zunehmend weniger wie Luxus und mehr wie eine Voraussetzung.

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