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Water Sustainability Index (WSI): Ein neuer Ansatz für die Wasserberichterstattung von Unternehmen

Person in Büro tippt auf digitale Weltkarte mit Statistiken, Fluss und Stadt im Hintergrund sichtbar.

Forschende haben gezeigt, dass ein neues System zur Bewertung des betrieblichen Wasserverbrauchs für dieselbe entnommene Wassermenge zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommt – je nachdem, wie knapp Wasser in der jeweiligen Region ist.

Damit wird die Wasserberichterstattung von Unternehmen eher zu einem Prüfstein für lokale Auswirkungen als zu einem Vergleich möglichst eindrucksvoller Gesamtsummen.

Berichtslücke wird grösser

Bei 55 grossen US-Unternehmen war der Hintergrund dieser Erkenntnis bereits erkennbar: Beim Wasser lagen die Angaben deutlich hinter den CO₂-Offenlegungen zurück.

Ausgehend von dieser Schieflage entwickelte William A. Mitch, Professor für Bau- und Umweltingenieurwesen an der Stanford University, eine standortgebundene Bewertungszahl.

Weil der Index sowohl Knappheit als auch die Art der Wasserquelle berücksichtigt, hat eine Entnahme von einer Million Gallonen (rund 3,8 Millionen Liter) je nach Einzugsgebiet nicht mehr dieselbe Bedeutung.

Diese präzisere lokale Perspektive beseitigt unvollständige Berichte nicht automatisch, macht aber pauschale Wasserbehauptungen von Unternehmen deutlich schwerer haltbar.

Der Standort prägt das Wasserrisiko

Wasser wirkt vor Ort, weil jedes Einzugsgebiet – also die Landfläche, deren Wasser in ein Becken abfliesst – eine eigene Verfügbarkeit und eigene Belastungen hat.

In einem trockenen Becken entzieht dieselbe Wasserentnahme Landwirtschaft, Haushalten und Ökosystemen mehr, als es in einer wasserreicheren Umgebung der Fall wäre.

Noch problematischer kann das Fördern von Grundwasser sein, also Wasser, das in Gesteinsschichten unter der Erde gespeichert ist: Solche Reserven erneuern sich meist langsamer als Flüsse oder Seen.

Diese Unterschiede erklären, weshalb reine Volumenangaben ein Unternehmen günstig erscheinen lassen können, wenn es zufällig in einer ohnehin knappen Region arbeitet.

Im Wasserindex: Water Sustainability Index (WSI)

Der Water Sustainability Index (WSI) betrachtet nicht nur die Entnahme, sondern summiert Entnahmen, Verbrauch, Qualität der Einleitung sowie Wiederverwendung.

Indem sowohl eingehendes Wasser als auch ausgehende Abwässer bewertet werden, bildet der Index ab, was ein Standort entnimmt und was er zurückgibt.

Ein höherer Verbrauch verschlechtert die Bewertung, weil Wasser, das nicht in das Becken zurückkehrt, anderen lokalen Nutzern nicht mehr zur Verfügung steht.

Gleichzeitig bleiben die Einzelbestandteile nachvollziehbar, sodass Verantwortliche erkennen können, ob eine bessere Punktzahl auf sauberere Einleitungen, geringeren Verbrauch oder beides zurückgeht.

Knappheit verschärft die Abzüge

Die Knappheit fliesst im WSI über Gewichtungsfaktoren ein: Sie erhöhen die Abzüge, wenn ein Standort dort arbeitet, wo Wasser bereits stark begrenzt ist.

Sobald Wasserstress – also eine Nachfrage, die nahe an die verfügbare Menge heranreicht – 40% übersteigt, werden zusätzliche Entnahmen im Score deutlich strenger behandelt.

Auch Grundwasser wird stärker belastet, weil unterirdisch gespeichertes Wasser sich nach Beginn der Förderung in der Regel wesentlich langsamer wieder auffüllt.

Dieses Design begünstigt Unternehmen, die ihren Bedarf senken oder Wasserquellen wechseln, statt identische Praktiken einfach an einen anderen Ort zu verlagern.

Wiederverwendung verändert die Ergebnisse

In den Testfällen des Teams erhielt eine Anlage mit hohem Risiko eine niedrige Bewertung, wenn sie in einem wasserbelasteten Gebiet auf Grundwasser angewiesen war.

Sobald die Anlage begann, ihr eigenes Wasser wiederzuverwenden, stieg der Score, weil weniger frische Ressourcen benötigt wurden.

Weitere Verbesserungen ergaben sich, als das Unternehmen die Wasserqualität erhöhte und einen günstigeren Standort für den Betrieb wählte.

Die Ergebnisse zeigen, dass das System Unternehmen dabei unterstützt, Massnahmen vorab zu prüfen und miteinander zu vergleichen, bevor teure Entscheidungen getroffen werden.

Ein klarerer Referenzwert

Der WSI soll ISO 14046, einen Rahmen zur Messung des Wasserfussabdrucks, nicht ersetzen, sondern komplexe Abwägungen in einer einzigen Kennzahl zusammenführen.

Da jeder Einflussfaktor benannt ist, können externe Prüfer nachvollziehen, warum eine Anlage gut abschneidet und eine andere zurückbleibt.

Diese Transparenz adressiert auch ein bekanntes Problem: dass ein Bewertungsanbieter ein Unternehmen lobt, während ein anderer es deutlich schlechter einstuft.

Eine einzelne reproduzierbare Zahl beendet Diskussionen nicht, verringert aber den Spielraum, in dem intransparente Formeln Vertrauen verzerren können.

Was Planer erkennen

Für Werksleitungen eignet sich der WSI als Planungsinstrument, weil er sichtbar macht, welche Umrüstung die Bewertung am schnellsten verändert.

Eine reine Verlagerung brachte nur begrenzte Verbesserungen, sodass das Modell den Fokus stärker auf Massnahmen lenkt, die Wasserqualität und Wiederverwendung beeinflussen.

„Die quantitative Natur des WSI ermöglicht es Unternehmen, kosteneffiziente Wege zu identifizieren, um die Wassernachhaltigkeit zu verbessern“, sagte Mitch.

Ein solcher Ausblick ist wichtig, wenn Führungskräfte zwischen teuren Nachrüstungen, neuen Bezugsquellen und Investitionen in Wasseraufbereitung entscheiden müssen.

Grenzen der Wasserberichterstattung

Keine Kennzahl kann schlechte Datenqualität ausgleichen, und auch der WSI ist darauf angewiesen, dass Unternehmen Entnahmen, Einleitungen und Wiederverwendung korrekt und ehrlich melden.

Weil der Index auf den Anlagenbetrieb fokussiert, erfasst er nicht automatisch jede Wirkung in vorgelagerten Lieferketten oder jede Auswirkung auf Gemeinschaften.

Lokale Regeln, öffentliche Überwachung und klare Audits bleiben daher zentral, denn transparente Mathematik ist nur so belastbar wie ihre Eingabedaten.

Trotzdem lässt sich eine sichtbare Formel deutlich leichter hinterfragen als ein glänzendes Versprechen ohne Zahlen.

Wasserstress und Vertrauen

Ausserhalb der Unternehmenswelt sind 25 Länder bereits jedes Jahr von extrem hohem Wasserstress betroffen – wodurch lokale Wasserschäden noch schwieriger zu ignorieren sind.

Vor diesem Hintergrund braucht Ziel 6, das UN-Ziel für sauberes Wasser und Sanitärversorgung, bessere Messgrössen für Unternehmen.

Fehlen solche Messungen, kann Grünfärberei – das Überzeichnen von Umweltfortschritten in öffentlichen Aussagen – dazu führen, dass Firmen Anerkennung erhalten, während belastete Becken weiter die Kosten tragen.

Ein Score, der lokale Bedingungen abbildet, löst die Krise nicht, kann aber sichtbar machen, wer den Druck mindert und wer nicht.

Zukunft der Wasserberichterstattung

Der Beitrag dieser Arbeit ist kein Allheilmittel, sondern eine klarere Methode, um Unternehmensbehauptungen mit den physischen Folgen für Wasser in Verbindung zu bringen.

Wenn Unternehmen den WSI breit anwenden, erhalten Investoren, Aufsichtsbehörden und Anwohner eine robustere Grundlage, um falsche Aussagen zu beanstanden.

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