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Buriet (St. Gallen, Schweiz): Tankstelle vertauscht Benzin und Diesel – teure Motorschäden

Graues Elektroauto steht in einem modernen Showroom mit Berglandschaft und Häusern im Hintergrund.

In einem ruhigen Schweizer Dorf wurde aus einem völlig gewöhnlichen Tankstopp ein kostspieliger Technik-Albtraum für ahnungslose Autofahrerinnen und Autofahrer.

Am Freitagnachmittag tankten die Einwohnerinnen und Einwohner wie immer. Erst am nächsten Morgen stellten viele fest, dass ihre Motoren an der Zapfsäule unbemerkt „vergiftet“ worden waren.

Ein Routine-Tanken in Buriet endet am Abschleppwagen

Der Vorfall ereignete sich in Buriet, einer kleinen Ortschaft im Kanton St. Gallen in der Ostschweiz. Zunächst wirkte alles ganz normal: Fahrzeuge fuhren vor, die gewohnte Kraftstoffsorte wurde gewählt, bezahlt – und ohne Warnleuchte oder auffällige Geräusche ging es wieder nach Hause.

Eine Anwohnerin, die mit Schweizer Medien sprach, berichtete, sie habe am Freitag, 20. Februar, Benzin getankt und sei die kurze Strecke problemlos heimgefahren. Während der Fahrt fühlte sich alles völlig unauffällig an – bis zum nächsten Tag.

Am Samstagmorgen sprang der Wagen nicht mehr an. Kein Röcheln, kein kurzer Zündversuch, nichts – der Motor blieb einfach tot. Das Auto musste in eine Werkstatt abgeschleppt werden, als hätte es einen plötzlichen Defekt.

Hinter scheinbar identischen Zapfsäulen waren die Inhalte der unterirdischen Tanks vertauscht worden: Benzin dort, wo Diesel sein sollte – und Diesel dort, wo Benzin erwartet wurde.

In der Werkstatt kam die Ursache ans Licht: Der Behälter, der eigentlich unverbleites Benzin hätte enthalten müssen, war in Wirklichkeit mit Diesel gefüllt. Die Fahrerin hatte zwar korrekt die Benzin-Zapfpistole gewählt, aber dennoch den falschen Kraftstoff getankt – weil die Säulen faktisch das Gegenteil dessen abgaben, was angezeigt war.

Als sie bei der Tankstelle anrief, war die Reaktion am Telefon entlarvend: „Oh, Sie auch.“ Dieser kurze Satz machte klar, dass es nicht bei einem Einzelfall blieb. Mehrere andere Fahrzeuge waren bereits mit denselben Symptomen liegen geblieben – allesamt nach dem Besuch derselben Tankstelle am selben Tag.

Wie ein Lieferfehler Benzin und Diesel vertauschte

Nach Angaben des beteiligten Kraftstoffunternehmens deutet alles auf einen Logistikfehler bei der Anlieferung hin. Der Tankwagen soll seine Schläuche an die falschen unterirdischen Tanks angeschlossen haben: Diesel floss in den Benzintank, Benzin in den Dieseltank.

Äußerlich war davon nichts zu erkennen. Die Anzeigen an den Zapfsäulen trugen weiterhin die üblichen Bezeichnungen: auf der einen Seite unverbleites Benzin, auf der anderen Diesel. Kein Kunde konnte vernünftigerweise ahnen, dass die Zapfpistolen nun mit den jeweils falschen Tanks verbunden waren.

Der Lieferant räumte später ein, dass die Verwechslung der Tankstelle nicht sofort gemeldet wurde – sodass die Autofahrerinnen und Autofahrer das Problem auf die harte Tour bemerkten: am Straßenrand.

Solche Vorfälle sind selten, aber keineswegs unbekannt. In den vergangenen Jahren wurden vergleichbare Fälle auch aus Frankreich und Belgien gemeldet, teils mit Dutzenden immobilisierten Fahrzeugen an einem einzigen Tag. Betroffene berichteten, dass der Motor bereits nach wenigen Hundert Metern nach dem Verlassen des Geländes ausging.

Was mit dem Motor passiert, wenn Kraftstoffsorten vertauscht sind

Aus technischer Sicht hängt die Folge davon ab, welche Sorte im falschen Fahrzeug landet: Diesel im Benziner – oder Benzin im Diesel.

Diesel im Benzinmotor: schlechte Verbrennung, verstopfte Systeme

Das war der Fall bei der Fahrerin in Buriet. Benzinmotoren sind auf einen sehr flüchtigen Kraftstoff ausgelegt, der über Zündkerzen entzündet wird. Diesel ist schwerer und zündet nach einem anderen Prinzip.

  • Eine mangelhafte Verbrennung führt zu Fehlzündungen und Leistungsverlust.
  • Ruß und Rückstände können Einspritzdüsen sowie Leitungen zusetzen.
  • Der Motor kann absterben oder gar nicht mehr anspringen, sobald das Gemisch die Brennräume erreicht.

Wird das Problem früh erkannt und nur eine kurze Strecke gefahren, lässt sich der Schaden in vielen Werkstätten begrenzen – vor allem durch gründliche Reinigung. Üblich sind dabei das Entleeren des Tanks, das Spülen des gesamten Kraftstoffkreislaufs und der Filtertausch. Typische Rechnungen in vergleichbaren Fällen liegen meist zwischen 350 € und 900 €.

Benzin im Dieselmotor: höheres Schadens- und Kostenrisiko

Die umgekehrte Verwechslung ist häufig folgenreicher. Dieselmotoren sind darauf angewiesen, dass Diesel als Schmierstoff das Hochdruck-Einspritzsystem schützt. Benzin ist dünnflüssiger und nimmt diese Schmierung.

Wenn Benzin durch ein modernes Dieselsystem gepumpt wird, kann es Metalloberflächen anreiben, Bauteile überhitzen und die empfindliche Einspritzpumpe zerstören.

In solchen Fällen fallen die Arbeiten meist umfangreicher aus; sie können unter anderem umfassen:

  • Ablassen und Reinigen von Kraftstofftank und Leitungen.
  • Austausch des Kraftstofffilters und mitunter auch der Hochdruckpumpe.
  • Instandsetzung oder Ersatz von Injektoren und bei schweren Schäden weiterer Motorkomponenten.

Bei betroffenen Dieselfahrzeugen berichten Werkstätten in Europa regelmäßig von Rechnungen etwa ab 900 € bis hin zu 3.000 € – je nachdem, wie weit mit dem Fahrzeug noch gefahren wurde und um welches Modell es sich handelt.

Wer zahlt, wenn die Zapfsäulen falsch befüllt sind?

Für gestrandete Autofahrerinnen und Autofahrer steht vor allem eine Frage im Raum: Wer übernimmt die Kosten? In Buriet erklärte ein Vertreter des Kraftstoffunternehmens öffentlich, für die entstandenen Schäden aufzukommen.

Wenn ein Lieferfehler nachgewiesen ist, liegt die Verantwortung in der Regel beim Kraftstofflieferanten oder beim Betreiber der Tankstelle und deren Versicherern – nicht bei der Person, die sich an die Beschriftung gehalten hat.

Ähnliche Fälle in Europa zeigen meist dasselbe Muster: Die Versicherung des Kraftstofflieferanten oder der Tankstelle übernimmt normalerweise:

Kostenart Häufig übernommen
Abschleppen in eine Werkstatt Ja, wenn es eindeutig mit dem Vorfall zusammenhängt
Ablassen und Reinigung des Kraftstoffsystems In der Regel übernommen
Ersatz beschädigter Teile Je nach Einzelfall, oft übernommen
Erstattung des verunreinigten Kraftstoffs Meist übernommen

Für Betroffene ist die Dokumentation entscheidend. Werkstätten und Versicherer betonen regelmäßig, dass ein Kaufbeleg und eine klare zeitliche Abfolge die Entschädigung beschleunigen und Streit vermeiden können.

Was Autofahrer tun sollten, wenn sie schlechten Kraftstoff vermuten

Wenn sich vor Ort herumspricht, dass Zapfsäulen vertauscht sein könnten, zählt schnelles Handeln – denn so lässt sich der Schaden begrenzen. Mechaniker und Versicherer empfehlen einige Sofortmaßnahmen.

  • Sofort anhalten, sobald der Motor sich ungewöhnlich verhält: Fehlzündungen, ungewohnte Klopfgeräusche, Leistungsabfall.
  • Keine wiederholten Startversuche unternehmen, weil dadurch mehr falscher Kraftstoff durch das System gezogen wird.
  • Abschleppen organisieren, statt selbst zur Werkstatt zu fahren.
  • Den Tankbeleg aufbewahren: als Nachweis für Zeitpunkt, Ort und gekaufte Sorte.
  • Tankstelle und eigene Versicherung möglichst umgehend kontaktieren.

Einige Vollkasko-Tarife bieten Schutz bei Falschbetankung; liegt die Ursache jedoch bei der Tankstelle, wird der Schaden häufig über den Versicherer des Kraftstoffunternehmens reguliert. Fahrern wird meist geraten, größere Reparaturen nicht freizugeben, bevor Haftung und Kostendeckung zumindest besprochen wurden.

Warum solche Verwechslungen trotzdem passieren

Kraftstofflieferungen sollen nach strengen Abläufen erfolgen – inklusive farblich markierter Schläuche, Checklisten und eindeutiger Tankkennzeichnung. Trotzdem können menschliche Fehler, Stress oder Zeitdruck zu Verwechslungen führen, insbesondere bei kleineren oder älteren Tankstellen mit weniger moderner Infrastruktur.

In manchen Ländern fordern Behörden und Branchenverbände zusätzliche Sicherheitsstufen, etwa eindeutige Kupplungen je Kraftstoffsorte oder automatische Überwachungssysteme. Jede zusätzliche Kontrolle soll Fehler abfangen, bevor der erste Kunde den Zapfhebel betätigt.

Begriffe und Alltagsszenarien

Für Autofahrer helfen einige Begriffe, die Tragweite besser einzuordnen:

  • Kraftstoffsystem-Spülung: Verfahren, bei dem verunreinigter Kraftstoff aus Tank, Leitungen und Filter entfernt und das System anschließend mit korrektem Kraftstoff gespült wird.
  • Einspritzpumpe: Bauteil, das den Kraftstoff für die Zuführung zum Motor unter Druck setzt. Bei Dieselfahrzeugen ist es teuer und besonders empfindlich gegenüber falschem Kraftstoff.
  • Vorbeugender Stopp: Wer beim ersten ungewöhnlichen Symptom sofort aufhört, kann die Rechnung oft um mehrere Hundert Euro reduzieren.

Man stelle sich drei Nachbarn vor, die an derselben vertauschten Zapfsäule tanken. Der erste fährt direkt auf die Autobahn und startet eine längere Strecke, der zweite erledigt nur eine kurze Runde im Ort, der dritte stellt das Auto unmittelbar ab. Beim ersten ist der schwerste Schaden am wahrscheinlichsten, weil der falsche Kraftstoff unter Last durch das gesamte System zirkulieren konnte. Der zweite benötigt möglicherweise eine Reinigung und den Austausch einzelner Teile. Der dritte kommt eventuell mit einem einfachen Ablassen davon, wenn der Wagen danach gar nicht erst wieder gestartet wurde.

Wer täglich auf sein Auto angewiesen ist, erkennt an solchen Beispielen, warum Aufmerksamkeit nach dem Tanken entscheidend sein kann. Ein kurzes Zögern, eine ungewohnte Vibration oder ein unerwartetes Absterben des Motors – besonders direkt nach dem Verlassen einer Tankstelle – sollte man nicht abtun. In seltenen Fällen wie in Buriet ist es das erste Signal, dass das Problem an der Zapfsäule begann und nicht unter der Motorhaube.


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