Der Krieg im Iran richtet auf dem globalen Ölmarkt weiterhin schwere Schäden an – die jüngsten Zahlen sind alarmierend. Die weltweiten Lagerbestände liegen auf dem niedrigsten Stand seit acht Jahren; Fachleute gehen davon aus, dass dies erst der Anfang ist.
Seit Beginn des Kriegs im Iran Ende Februar muss der internationale Ölmarkt einen Rückschlag nach dem anderen verkraften. Die zuletzt veröffentlichten Daten deuten darauf hin, dass die Lage nun eine besonders besorgniserregende Schwelle erreicht.
Auslöser ist vor allem die Schließung der Straße von Hormus, über die rund 20 % des weltweit gehandelten Öls transportiert werden. In der Folge ist das Angebot eingebrochen, während die Preise stark gestiegen sind. Insgesamt hat der Krieg im Iran dem Weltmarkt bereits 1 Milliarde Barrel entzogen. Zwar sinkt die Nachfrage wegen der hohen Preise, doch dieser Rückgang reicht bei weitem nicht aus. „Noch höhere Ölpreise stehen bevor“, warnt das Analysehaus S&P Global Energy.
Historischer Rückgang der Lagerbestände
Im April sanken die weltweiten Rohölbestände um fast 200 Millionen Barrel beziehungsweise 6,6 Millionen Barrel täglich. Abgesehen von der Covid-19-Pandemie gab es einen derart starken Einbruch noch nie. In diese Zahlen fließen sämtliche Reserven ein: Bestände von Regierungen und Unternehmen ebenso wie Öl, das derzeit auf Tankern auf See lagert. Berücksichtigt sind zudem die Barrel, welche die strategische Reserve der USA seit Beginn der Krise bereits freigegeben hat.
„Das ist gewaltig und liegt weit über der üblichen Spanne“, erklärt Jim Burkhard, Leiter der Rohölforschung bei S&P Global. „Eine unvermeidliche Marktanpassung zeichnet sich ab“, denn „das Schlimmste der Krise liegt noch vor uns“, warnt er.
Die Lage ist umso kritischer, weil die 32 Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur bereits im März beschlossen haben, 400 Millionen Barrel aus ihren strategischen Reserven freizugeben. Die Maßnahme hat in der Geschichte der Organisation ein beispielloses Ausmaß, scheint die Abwärtsspirale jedoch nicht stoppen zu können.
Nur noch 45 Tage an Reserven
Nach Einschätzung der Analysten von Goldman Sachs nähern sich die globalen Bestände inzwischen ihrem niedrigsten Niveau seit acht Jahren. Besonders düster sieht es bei raffinierten Produkten wie Benzin, Diesel und Kerosin aus: Die Vorräte würden nur noch für 45 Tage des weltweiten Verbrauchs reichen. Deshalb haben mehrere Fluggesellschaften in den vergangenen Wochen drastische Maßnahmen ergriffen.
Die stärksten Rückgänge zeigen sich in Asien und Afrika. In Nordeuropa sind die Kerosinbestände auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Auch die USA bleiben nicht verschont, was den Unmut einiger Wähler gegenüber Donald Trump verstärkt.
Unsere Analyse
Fest steht inzwischen: Die Preise werden leider weiter steigen, obwohl die Sommerferien näher rücken. Zudem ist mit zusätzlichen belastenden Maßnahmen von Fluggesellschaften zu rechnen, die durch die höheren Kerosinkosten erheblich geschwächt sind.
Neben zahlreichen Produkten des täglichen Bedarfs, die von der ebenfalls durch den Krieg im Iran betroffenen petrochemischen Industrie abhängen, dürften selbstverständlich auch die Energiepreise betroffen sein.
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