Kernkraftwerk Saporischschja ohne externe Stromversorgung
Das von Russland kontrollierte Kernkraftwerk Saporischschja auf ukrainischem Gebiet hat nach Angaben des staatlichen Unternehmens Energoatom seine externe Stromversorgung verloren. Ursache sei die Trennung der Freileitung, die das Atomkraftwerk mit dem ukrainischen Stromnetz verbindet.
„Infolge des Ausfalls der externen Stromversorgung ist das Kernkraftwerk Saporischschja auf Dieselgeneratoren angewiesen, um seinen eigenen Betriebsbedarf zu decken“, erklärte das ukrainische Unternehmen, das die Kernkraftwerke des Landes betreibt, laut örtlichen Medien.
Die Freileitung wurde am Nachmittag abgeschaltet. Energoatom nannte jedoch keine Gründe für die Unterbrechung.
Jeder Ausfall der externen Energieversorgung stelle, so das Unternehmen, eine Gefahr für die nukleare und radiologische Sicherheit dar. Eine verlässliche Stromversorgung sei unverzichtbar für den sicheren Betrieb des Kraftwerks und der Systeme zur Kühlung des Kernbrennstoffs.
„Der einzige Weg, den sicheren Betrieb des Kernkraftwerks Saporischschja zu gewährleisten, ist seine rasche Rückkehr unter die vollständige Kontrolle der Ukraine und seines einzigen rechtmäßigen Betreibers, der JSC Energoatom, die in der Lage ist, den sicheren und stabilen Betrieb des Kraftwerks gemäß internationalen Standards der nuklearen Sicherheit sicherzustellen“, heißt es in der Mitteilung.
Nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform wurde die für die Sicherheit des Kernkraftwerks Saporischschja wichtige Dniprovska-Stromleitung repariert. Sie könne jedoch noch nicht wieder in Betrieb gehen, weil die Umspannstation bei den häufigen Angriffen in der Region erheblich beschädigt worden sei.
Neue Angriffe auf beiden Seiten
Ebenfalls am heutigen Tag kamen bei russischen Angriffen auf die Ukraine mindestens fünf Menschen ums Leben. Ukrainische Angriffe auf Russland und von Moskau besetzte ukrainische Gebiete forderten nach Angaben der Behörden beider Länder zehn Tote.
Die neue Angriffswelle folgte einen Tag nach dem schwersten russischen Angriff mit Drohnen und Raketen auf Kiew seit Beginn der Invasion im Februar 2022. Dabei wurden in der ukrainischen Hauptstadt mindestens 30 Menschen getötet und rund einhundert verletzt.
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russisches Territorium und die von Moskau besetzten Gebiete verstärkt. Sie begründet dies als Reaktion auf die nahezu täglichen russischen Bombardierungen seit Kriegsbeginn.
Nach den groß angelegten Angriffen auf Kiew in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kündigte die Ukraine an, „mit gleicher Münze“ antworten zu wollen. Russland erklärte hingegen, seine Bombardierungskampagne fortsetzen zu wollen.
Krieg in der Ukraine und diplomatische Forderungen
Russland marschierte am 24. Februar 2022 in die Ukraine ein. Als Begründung führte Moskau den Schutz prorussischer separatistischer Minderheiten im Osten sowie die „Entnazifizierung“ des Nachbarlandes an. Die Ukraine ist seit 1991, nach dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion, unabhängig und hat sich zunehmend vom Einflussbereich Moskaus entfernt sowie Europa und dem Westen angenähert.
Der Krieg in der Ukraine hat auf beiden Seiten bereits Zehntausende Tote gefordert. Die vergangenen Monate waren von groß angelegten russischen Luftangriffen auf ukrainische Städte und Infrastruktur geprägt, während die Streitkräfte in Kiew Ziele auf russischem Gebiet nahe der Grenze sowie auf der 2014 völkerrechtswidrig annektierten Halbinsel Krim ins Visier nahmen.
Auf diplomatischer Ebene hat Russland bislang jeden langfristigen Waffenstillstand abgelehnt. Als Bedingung für ein Ende des Konflikts verlangt Moskau, dass die Ukraine mindestens vier Regionen – Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja – sowie die 2014 annektierte Halbinsel Krim abtritt und dauerhaft auf einen Beitritt zur NATO (Organisation des Nordatlantikvertrags, westliches Verteidigungsbündnis) verzichtet.
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