Die Strompreise für private Haushalte in Portugal liegen weiterhin unter dem Durchschnitt der Europäischen Union und der Eurozone; auch im Vergleich zum Nachbarland Spanien sind sie niedriger. Bei den Unternehmen schneidet Portugal bei den Stromkosten ebenfalls gut ab: Sie liegen 33 % unter dem Durchschnitt der Eurozone und 30 % unter dem EU-Wert. Dennoch fallen die Rechnungen höher aus als in Spanien (+1 %).
„Im zweiten Halbjahr 2025 ist gegenüber dem entsprechenden Halbjahr 2024 ein Rückgang von 7 % zu beobachten. Da die Preise in Spanien steigen, fällt der Preisvergleich zwischen beiden Ländern noch günstiger für Portugal aus“, folgert die Regulierungsbehörde für Energiedienstleistungen (ERSE). Für Unternehmen gingen die Preise in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2024 um 2 % zurück.
Nach Angaben des halbjährlich veröffentlichten Vergleichsberichts der ERSE, der auf Eurostat-Daten sowie auf Informationen der im Land tätigen Energieversorger beruht, kostete Strom für Haushalte im zweiten Halbjahr 2025 in der Eurozone durchschnittlich 20 % und in der EU 16 % mehr als in Portugal. Während dort 31 beziehungsweise 30 Cent je kWh fällig wurden, waren es in Portugal 26 Cent/kWh. In Spanien lagen die Preise mit 28 Cent/kWh um 10 % höher.
Im Vergleich aller 27 EU-Staaten zählt Portugal weder zu den Ländern mit dem günstigsten Haushaltsstrom noch zur Gruppe mit den höchsten Preisen. Die niedrigsten durchschnittlichen Strompreise für private Haushalte wurden im zweiten Halbjahr 2025 laut ERSE-Bericht in Ungarn, Bulgarien, Malta und Kroatien verzeichnet.
Von unten gerechnet belegt Portugal bei den günstigsten Strompreisen den 13. Platz in der EU. Auch in der Slowakei, Litauen, Slowenien, Estland, Finnland, den Niederlanden, Lettland und Griechenland sind die Stromrechnungen niedriger als in Portugal. Die höchsten durchschnittlichen Strompreise innerhalb der Europäischen Union wiesen dagegen Irland, Deutschland, Belgien und Österreich auf.
Entwicklung der Strompreise in Portugal im Vergleich zur EU
„Die Preisentwicklung in Portugal war in den vergangenen fünf Jahren stabiler als in den übrigen Regionen und lag durchgehend unter den Werten der EU und der Eurozone. Gegenüber Spanien waren die Preise stets niedriger, mit Ausnahme des zweiten Halbjahres 2024“, heißt es weiter in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Regulierungsbehörde. Für den Zeitraum von Juli bis Dezember des vergangenen Jahres ergänzt die ERSE: „Die Preise in Portugal wurden durch die deutliche Senkung der Netzentgelte in den Jahren 2022 und 2023 beeinflusst, wodurch der Preisanstieg im Vergleich zu den übrigen Regionen gedämpft wurde.“
Portugal ist das viertgrößte EU-Land bei Steuern auf der Stromrechnung
Bei der Zusammensetzung der Rechnung entfallen in Portugal 34 % des Endbetrags, den Haushalte zahlen, auf Steuern und Abgaben, einschließlich der Kosten von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse (CIEG). Die übrigen 66 % betreffen Energie- und Netzkosten. In Spanien beträgt dieser Anteil 31 %, in der EU 29 % und in der Eurozone 28 %. Höhere Steueranteile als Portugal weisen nur Dänemark (49 %), Polen (43 %) und Schweden (35 %) auf. Am anderen Ende der Skala stehen Irland (-5 %), Luxemburg (-6 %) und Deutschland (-5 %), die trotz der insgesamt höchsten Energiepreise die geringste Steuerbelastung beim Strom haben.
Unternehmen: Hoher Steueranteil auf portugiesischen Stromrechnungen
Auch im Unternehmenssegment gehört Portugal zu den Ländern mit einer besonders hohen Steuerlast: 22 % der Energierechnung portugiesischer Unternehmen entfallen auf Steuern und Abgaben. In Spanien sind es lediglich 15 %, in der EU und der Eurozone jeweils 17 %. Mehr Steuern auf ihrer Rechnung zahlen nur Unternehmen in Zypern (28 %), Polen (27 %) und Italien (24 %). „Im Jahr 2025 war Portugal das drittgünstigste Land bei der Energie- und Netzkomponente (79 %), nur Schweden und Finnland lagen davor. Die Komponente aus Abgaben und Steuern macht 22 % des Preises aus und entspricht fast vollständig den CIEG“, erklärt die ERSE.
Die Regulierungsbehörde hebt zudem hervor, dass im Segment der Nicht-Haushaltskunden „Finnland, Schweden, Dänemark und Malta im zweiten Halbjahr 2025 die niedrigsten durchschnittlichen Strompreise anboten. Dagegen verzeichneten Irland, Zypern, Deutschland und Italien die höchsten Durchschnittspreise in der EU“.
In der zweiten Jahreshälfte des vergangenen Jahres war der durchschnittliche Gesamtstrompreis in Portugal für Nicht-Haushaltskunden ohne Mehrwertsteuer der neuntniedrigste in der EU. Nur einige nordische und baltische Länder, Bulgarien, Malta und Spanien lagen darunter. Die vergleichende ERSE-Analyse weist darauf hin, dass Preise für Unternehmen ohne Mehrwertsteuer verglichen werden, weil diese Steuer abziehbar ist. „Die Preisentwicklung der vergangenen fünf Jahre zeigt, dass Portugal für Unternehmen im gesamten Zeitraum niedrigere Preise als Spanien, die EU und die Eurozone aufweist – mit Ausnahme des untersuchten Halbjahres“, lautet das Fazit.
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