Die Zuspitzung des Konflikts im Iran wirkt sich längst nicht nur auf Kraftstoff- und Energiekosten aus – sie kann sich ebenso unmittelbar im Preis von Autos niederschlagen.
Neben dem kräftigen Anstieg des Brent gerät die Automobilindustrie durch die Blockade der Straße von Hormus zusätzlich unter erheblichen Druck. Diese für den Welthandel zentrale See-Route ist zum Brennpunkt einer logistischen Krise geworden, die sowohl die Produktion verteuern als auch die Endpreise von Fahrzeugen nach oben treiben kann.
Denn die strategische Bedeutung von Hormus reicht weit über Öl hinaus. Über diese Passage laufen unter anderem große Mengen Flüssigerdgas (LNG), Aluminium sowie wichtige Basispolymere wie Polyethylen und Polypropylen. Für die Autoindustrie, die ihre Lieferketten nach der Pandemie noch immer zu stabilisieren versucht, könnte die Blockade daher ein neues Risiko für Unterbrechungen und Engpässe bedeuten.
„Jede Krise, die sich zur nächsten addiert, wird exponentiell schwieriger zu bewältigen“, warnte Dan Hearsch, globaler Co-Leiter für den Automobil- und Industriesektor bei AlixPartners.
Unter Beschuss
Der Nahe Osten steht derzeit für rund 10% der weltweiten Aluminiumproduktion. Weil Schifffahrtsrouten umgeleitet werden, um Konfliktzonen und Seeminen zu umgehen, sind sowohl Versicherungsprämien als auch Transportzeiten stark gestiegen.
Nach Angaben von S&P Global und PwC haben die Logistikkosten in der Branche bereits um 25% bis 40% gegenüber dem Niveau vor der Pandemie zugelegt – getrieben durch hohe Energiepreise und steigende Arbeitskosten.
Die Störung wirkt sich unmittelbar auf grundlegende Materialien aus. Analysten von Roland Berger gehen davon aus, dass Unsicherheit bei der Polymer-Versorgung Kunststoffe und Chemikalien, die in Fahrzeugen eingesetzt werden, um 15% bis 25% verteuern könnte. In einem modernen Auto, das im Schnitt 150-200 kg Kunststoffkomponenten enthält, kann ein solcher Aufschlag die Gewinnmargen spürbar belasten.
Neue Chipkrise in Sicht?
Nicht nur Aluminium und Polymere bereiten Sorge: Auch die Versorgung mit Halbleitern und Batteriezellen wird in der Branche mit wachsender Anspannung beobachtet. Hintergrund ist, dass ein kritischer Anteil der für die Chipfertigung benötigten Edelgase aus dem Nahen Osten stammt.
Laut Peter Klimek, Direktor des Austrian Institute of Supply Chain Intelligence (ASCII), kommt etwa ein Drittel des weltweit benötigten Heliums für diese Produktion aus Katar.
„Alles wird davon abhängen, wie schnell die Hersteller alternative Quellen absichern“, warnt Klimek. Zudem könne bei einer Unterbrechung der Versorgung die Autoindustrie als erstes getroffen werden: „Priorität wird lebenswichtigen Bereichen eingeräumt, etwa der Medizintechnik.“
Lösungen zur Dämpfung der Folgen
Um den Schaden kurzfristig zu begrenzen, versuchen Hersteller, ihre Zulieferer breiter aufzustellen. Parallel dazu sollen benötigte Komponenten näher an die Fahrzeugwerke heranrücken, um unsichere Routen möglichst zu vermeiden.
Auf der kommerziellen Ebene könnte die Branche zur Vorgehensweise aus der Pandemie zurückkehren: Profitabilität vor Stückzahl. Wenn Teile und Ressourcen knapp sind, könnten Hersteller die Fertigung stärker auf hochpreisige Modelle mit höheren Margen verlagern – zulasten günstigerer Fahrzeuge.
Wie Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, erläutert, dürften diese Mehrkosten am Ende von den Käuferinnen und Käufern getragen werden müssen. S&P Mobility sieht das Risiko als konkret an: „Wenn sich die steigenden Rohstoffpreise in der Wirtschaft ausbreiten, wird die Belastung der Haushaltsbudgets einen Dominoeffekt auslösen, der die Fahrzeugverkäufe sinken lässt.“
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